Aller Anfang ist schwer, das gilt auch für ein Studium. Orientierungsprobleme, neue Leistungsansprüche, massive Veränderungen bei Arbeitsumfang und -tempo; nicht alle kommen mit den Anforderungen zurecht, nicht jeder findet den richtigen Umgang mit Prüfungsstress und Konkurrenzdruck. Und wenn sich im weiteren Verlauf herausstellt, dass der Studiengang nicht den Vorstellungen entspricht? Wenn die Nerven angespannt, Zeit und Geld knapp sind und dennoch in aller Ruhe die Studienwahl nochmals überprüft oder neu getroffen werden sollte?
Guter Rat ganz gratis
„Ein Team erfahrener Psychologen steht Ratsuchenden bei Bedarf zu Verfügung“, heißt es dazu an der Grazer Fachhochschule Campus 02. Guter Rat, der ausnahmsweise nicht teuer ist, da die Beratung von jedem FH-Studierenden kostenlos in Anspruch genommen werden kann. Seit dem Wintersemester 2006 verfügt die FH über eine psychologische Beratungsstelle am Institut für Hochschuldidaktik und Human Resources (IHD) unter der Leitung von Enrique Grabl. „Unser Ziel ist es, immer dann unterstützend zur Seite zu stehen, wenn Probleme auftreten, die allein nicht mehr gelöst werden können“, so Grabl. Der Großteil der Probleme stehe unmittelbar mit dem Studium in Zusammenhang. Es kann um Konflikte zwischen Studierenden und Lektoren gehen, die einer Vermittlung von außen bedürfen. Oder es wird Hilfe beim Stressmanagement benötigt. „Selbstverständlich werden auch persönliche Probleme thematisiert, da diese sich ja auf die Studierfähigkeit auswirken“, meint Grabl. Rund 60 bis 80 Mal wird sein Team pro Semester aktiv. Prüfungsangst, Lernstörungen, Motivationsschwierigkeiten sowie persönliche und berufliche Sorgen aller Art – damit sieht sich auch Angelika Groh konfrontiert. Bereits seit 2001 ist sie mit der psychologischen Betreuung der Studierenden an der FH des Bfi Wien betraut, führt Einzelberatungen und Gruppenarbeit durch und ist zudem Beauftragte für studentische Frauenfragen. Während es manchmal mit dem Vorstellen und Einüben von Entspannungstechniken in kleinen Gruppen getan ist, können in anderen Fällen auch längerfristige Interventionen vonnöten sein.
Unterstützung mit Stundenlimit
„Einem Beratungsgespräch kann eine Begleitung über einen bestimmten Zeitraum angeschlossen werden. Beispielsweise kann es sinnvoll sein, eine begleitende Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Die maximale Dauer der Beratung liegt bei zehn Stunden“, erläutert Groh.
Doch nicht jede FH hat ihre eigene, hausinterne Beratungsstelle. Gründe dafür kennt Martin Pöllinger, Leiter der Abteilung für Weiterbildung und Studierendenadministration an der FH Joanneum: „Beratungen können zwar anonym sein und Inhalte von Beratungsgesprächen unterliegen der psychologischen Verschwiegenheitspflicht. Aber egal wie gut die ,Beratungstüre‘ im FH-Gebäude ,versteckt‘ ist, eine gewisse Schwellenangst besteht immer.“
Dies und die Tatsache, dass Aufbau und Erhaltung einer eigenen Abteilung mit Anspruch auf nachhaltige Qualität äußerst kostenintensiv sind, habe die FH Joanneum so wie viele andere Fachhochschulen dazu bewogen, Ratsuchende lieber zu vermitteln als selbst zu betreuen. „Wir kooperieren mit der psychologischen Studentenberatung des Bundes, leiten Informationen weiter beziehungsweise stellen den Kontakt mit unseren Studierenden, die Hilfe brauchen, her.“ „In der Psychosozialen Einrichtung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung geht es um die Unterstützung von Studierenden und Studieninteressenten mit psychologischen und psychotherapeutischen Mitteln. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Kompetenzen zur Bewältigung des Studiums, der Studienwahl und der studentischen Lebenssituation durch Hilfe zur Selbsthilfe“, erläutert Alexander Marinovic vom Wissenschaftsministerium. Dass die Dienste der kostenlosen, vertraulichen und auf Wunsch anonymen Psychologischen Studentenberatung mit Stellen in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Klagenfurt, gefragt sind, belegt der Tätigkeitsbericht 2011.
28.000 Beratungen jährlich
Mehr als 6000 Ratsuchende wandten sich im Vorjahr an die Bundesstellen, rund 28.000 Beratungskontakte fanden statt, davon 20.000 in Einzel- und 8.000 in Gruppensitzungen. Die meisten, vier von fünf Personen, suchten ein- bis maximal fünfmal den Kontakt. Fünf Prozent nahmen die Dienste 20 Mal und öfter in Anspruch. Was die thematischen Schwerpunkte der Beratungen betrifft, standen die Bereiche „Psyche“, „Studienwahl“ sowie „Lernen, Arbeit, Prüfung“ im Vordergrund. Um Fragen der „Persönlichkeitsförderung“ ging es hingegen nur in Ausnahmefällen. Eindeutig fiel 2011 übrigens die Verteilung nach Geschlecht aus: Sieben von zehn Ratsuchenden waren weiblich.
Psychologische Beratung soll Studenten und Studienanwärtern helfen, Lern- und Prüfungsstress, Motivationsprobleme sowie persönliche Krisen, die sich auf das Studium auswirken, zu bewältigen. Einige FHs unterhalten dazu eigene Beratungszentren, andere vermitteln Ratsuchende an kompetente Stellen wie die Psychologische Studentenberatung des Bundes.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.campus02.at; www.fh-vie.ac.at; www.studentenberatung.at;
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)
Richtig weiblichDie Top Ten der 'Frauenstudien'
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











