Glücklose Olympioniken, durchwachsene fußballerische Erfolgsaussichten: Österreichs sportliches Selbstbewusstsein ist derzeit so angeschlagen, dass kürzlich eine tägliche Stunde Schulsport diskutiert wurde, um das Problem von der Pike auf zu beheben. An den Hochschulen scheint das nicht notwendig zu sein. Hier herrscht nicht nur im intellektuellen Bereich Sportsgeist.
Fußball-Weltmeister aus NÖ
Es gibt sogar einen amtierenden Fußball-Weltmeister in Österreich: die Mannschaft der Fachhochschule Wiener Neustadt. Bei den letzten World Interuniversity Club Games in Amsterdam gewann das Team gegen die Moskauer Wirtschaftsuniversität MESI mit 2:1. Sich mit anderen Mannschaften zu messen – egal ob national oder international – gehört für die FH-Sportler dazu: „Wir nehmen an den Beach Champs, also den Beachvolleyball-Meisterschaften aller FH in Österreich, teil, wo wir auch jedes Jahr einige Pokale einsammeln. Die Fußballmeisterschaft der Österreichischen FH gewinnen wir auch so ziemlich immer ganz brav und reisen dann zu den internationalen Uni-Wettkämpfen weiter“, erzählt Sabine Pata, Leiterin Hochschulsport der Fachhochschule Wiener Neustadt. Die FH bietet vom Schwimmtechnik-Training mit professionellen Schwimmtrainern bis zum Skilanglauftechnik-Training, einem Lauftreff oder der Anleitung zum Krafttraining durch speziell ausgebildete Athletiktrainer eine bunte Palette an Sportarten. „Unser Ziel ist es, den Studierenden der FH-Wiener Neustadt Bewegung unter professioneller Anleitung schmackhaft zu machen, sozusagen Initialanreize zu setzen“, sagt Pata.
Sehr wettbewerbsorientiert sind auch die Studierenden des FH-Oberösterreich-Sport-Teams. Der Verein bietet keine Kurse im herkömmlichen Sinne, sondern unterstützt Gruppen, die an bestimmten Sportarten interessiert sind und sie gerne ausüben möchten. Obmann ist der Leiter der FH-Rechtsabteilung, Christian Schweighofer. Er beschreibt das System anhand eines Beispiels: „Wenn eine Gruppe von fünf Leuten zu uns kommt und einen Golfkurs machen möchte, helfen wir bei der Organisation eines externen Anbieters, kalkulieren die Kosten und geben einen finanziellen Zuschuss.“ Die Schwerpunkte liegen auf Leichtathletik und Triathlon, im Linzer Olympiazentrum sind Schwimmbahnen für die FH-Sportler reserviert. „Unsere Trainer sind teilweise Staatsmeister, und wir haben viele Ironman-Finisher“, zeigt sich auch Schweighofer stolz auf seine Sportsfreunde. Zusätzlich bietet die Fachhochschule Studierenden und Lehrenden an den vier Fakultäten in Hagenberg, Linz, Wels und Steyr ein vielfältiges Kursprogramm, das pro Semester je nach Interesse variiert. Die israelische Selbstverteidigungstechnik Krav Maga wird ebenso angeboten wie die Tanz-Gymnastik Zumba oder Flag-Football, eine tacklefreie Variante des American Football.
Studieren und probieren
Schwimmen, Krafttraining und Fußball sind die beliebtesten Sportarten an der FH Joanneum Graz. „Der Verein ,FH Sport‘ mit seinen 50 bis 70 Mitgliedern stellt Sportangebote für Studierende und Mitarbeiter zur Verfügung. Er ist ein an die Kapfenberger Sportvereinigung KSV angeschlossener Verein. Dadurch haben wir Zugang zu heimischen Vereinen und Organisationen“, erläutert Sprecherin Kathrin Podbrecnik. Zusätzlich gibt es weitere Sportmöglichkeiten in Bad Gleichenberg. Die dortige Sportgruppe, „SpoGru“ genannt, organisiert zwischen Montag und Donnerstag täglich zwei Angebote, etwa Jiu Jitsu, Laufen oder Pilates. Das nehmen zehn bis 15 Studierende pro Termin wahr. Und wer den Studiengang „Gesundheitsmanagement im Tourismus“ belegt hat, kann im Rahmen der Lehrveranstaltung „Lifestyle-Sportarten“ wie Canyoning, Yoga oder Klettern kennenlernen.
Fußballerisch engagiert sind auch die Studierenden der Fachhochschule Kufstein. Bei den heurigen FH-Meisterschaften um den Dr.-Oertel-Wanderpokal konnten sie hinter ihren Wiener Neustädter Kollegen von Fachhochschule bzw. Militärakademie den dritten Platz belegen. „Besondere Veranstaltungen gibt es sporadisch. Dieses Sommersemester hatten wir zum Beispiel Wakeboarden/Wasserskifahren am Hödenauer See in Kiefersfelden im Angebot. Im Winter gibt es unser bekanntes Nightskiing in Söll“, erzählt Maximilian Breitmoser, Leiter des Sportreferats der ÖH FH Kufstein. Er schätzt, dass im Schnitt 100 bis 120 Studierende die Sportangebote von Anfänger-Volleyball bis Yoga nutzen. „Anfangs ist es meist sehr voll, in der Prüfungszeit werden die Teilnehmerlisten erfahrungsgemäß kürzer. Besonders erfreulich finde ich, dass die International Students in vielen Sportarten stark vertreten sind.“ Lehrende würden zwar immer wieder ankündigen, die Angebote wahrzunehmen; in seinen Übungsleiterstunden bei Fuß- und Volleyball habe er aber noch keinen von ihnen getroffen, erzählt er schmunzelnd. An ihm könne das allerdings nicht liegen, denn am beliebtesten sind Ballsportarten wie Fußball und Volleyball. „Allerdings hatte auch der Yoga-Kurs, der letztes Semester neu eingeführt wurde, hervorragende Besucherzahlen.“
Ein Miteinander gibt es an der FH Kärnten. „Als begeisterter Läufer und Ironman bin ich überzeugt, dass Sport an einer Hochschule sehr wichtig ist. Der Gedanke ,gemeinsam lernen/arbeiten, gemeinsam etwas leisten‘ soll durch die Plattform FH-Kärnten-Sport vermittelt werden“, sagt Geschäftsführer Siegfried Spanz. Die Plattform steht für Studierende, Mitarbeiter und Absolventen zur Verfügung, die gemeinsam sportliche Aktivitäten ausüben möchten. Außerdem unterstützt sie externe Bewerbe wie das Drachenbootrennen, lässt die angemieteten Sporthallen kostenlos nutzen und gewährt Zuschüsse für Lauf-, Rad- und Triathlonbewerbe.
Gesunder Geist, gesunder Körper: In Hochschulkreisen immer noch eine erstrebenswerte Kombination.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)
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