Med-Uni Wien: "Frauenbonus" könnte bleiben

Rektor Wolfgang Schütz ist überzeugt, dass Klagen gegen die Gender-Auswertung keine Chance haben. Mehr Studienplätze will der Med-Uni-Chef nicht. Voraussichtlich tritt er 2015 als Rektor ab.

MedUni Wien GenderAuswertung koennte
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MedUni Wien GenderAuswertung koennte
(c) APA (Barbara Gindl)

Wien. Schon bisher war die Aufregung um die genderspezifische Auswertung des Eignungstests an der Med-Uni Wien groß – und das, obwohl sie eigentlich als einmalige Maßnahme galt. Nun könnte die Debatte nochmals hochkochen: Rektor Wolfgang Schütz schließt im Gespräch mit der „Presse“ nicht aus, dass die von Kritikern als Frauenbonus bezeichnete Maßnahme auch in den kommenden Jahren angewendet wird – möglicherweise sogar an allen drei Medizin-Unis. Zwar arbeiten die Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck derzeit an einem neuen, gemeinsamen Aufnahmeverfahren. Sollten Frauen allerdings auch bei diesem – wie bisher beim sogenannten EMS-Test – deutlich schlechter abschneiden als Männer, werde eine genderspezifische Auswertung sicherlich notwendig sein, sagt Schütz.

„Wir wissen nicht, ob es gelingen wird, einen Test für alle drei medizinischen Universitäten so zu gestalten, dass er tatsächlich genderneutral ist“, so der Rektor. „Garantieren können wir das nicht.“ Eine Möglichkeit sei daher, so wie heuer in Wien getrennte Mittelwerte für Frauen und Männer zu berechnen und diese, wenn nötig, anzugleichen. „Wenn der Test genderfair ist, sind die Mittelwerte beider Geschlechter ohnehin gleich“, sagt Schütz. Wie die Auswertung tatsächlich aussehen wird, hängt allerdings von der konkreten Ausgestaltung des neuen Tests ab.

Die Ankündigung ist jedenfalls brisant – zumal zahlreiche männliche Bewerber, die dieses Jahr in Wien keinen Medizin-Studienplatz bekommen haben, rechtlich gegen die in ihren Augen unfaire Auswertung vorgehen wollen („Die Presse“ berichtete). Mehrere abgewiesene Männer – die Zahl liege im zweistelligen Bereich, so Schütz – haben sich bereits mit Beschwerden an die Med-Uni gewandt. Der Rektor ist aber überzeugt, dass etwaige Klagen keine Chance haben. Man habe sich von Europarechtlern im Bereich Menschenrechte und Gleichbehandlung beraten lassen, sagt Schütz. „Es gibt im europäischen Recht einige Sprüche, die klarstellen, dass wir hier so vorgehen mussten, wie wir das getan haben.“ Denn eine Gruppe sei über sechs Jahre hinweg benachteiligt worden. „Wir hätten hier eigentlich schon früher eingreifen müssen.“

 

Kein Problem des Nachschubs

So begehrt die Medizin-Studienplätze auch sein mögen, mehr als die derzeit 740 Anfängerplätze will Schütz an seiner Uni künftig nicht anbieten. Die Zahl der Plätze sei ausreichend, sagt der Rektor. Das gehe auch aus der im Juli veröffentlichten Ärtzebedarfsstudie klar hervor. „Mit keinem Wort werden in dieser Studie mehr Studienplätze empfohlen“, so Schütz. „Österreich hat in Europa mit Abstand die höchste Dichte an Medizinstudierenden.“ In diesem Sinne hält Schütz auch nichts von der – vor allem vom Land Oberösterreich forcierten – medizinischen Fakultät in Linz. „Wenn man in gewissen Bereichen keine Jungärzte bekommt, ist das ein strukturelles Phänomen – und nicht eines des Nachschubs.“ Um Ärztemangel – vor allem im ländlichen Bereich – zu vermeiden, müsse man erstens gute Bedingungen schaffen, um Absolventen in Österreich zu halten. Außerdem müsse man Anreize schaffen, um Jungmediziner dazu zu motivieren, auch „außerhalb des hochurbanen Raums“ in Ausbildung zu gehen.

Dass die medizinischen Unis mit der Angst vor Krankheit ein Totschlagargument hätten, um einen unverhältnismäßig großen Budgetanteil zu erstreiten – wie das der ehemalige Unirat Richard Soyer kürzlich kritisierte – weist Schütz scharf zurück. „Die Med-Uni kann sicher nicht besser argumentieren als andere Unis, weil sie mit dem Leichentuch fächeln kann.“ Er erwartet sich von den 100 zusätzlichen Millionen, die die Unis in den kommenden drei Jahren jährlich bekommen, den Anteil, den die Med-Uni auch bisher erhält: elf bis zwölf Prozent, was allerdings – wie für viele andere Unis auch – nicht ausreichen werde. Was die zusätzlichen 150 Millionen jährlich betrifft, die leistungsabhängig vergeben werden, befürchtet Schütz, dass die Med-Uni schlechter abschneiden könnte: Denn dieses Geld ist (neben Drittmitteln und Kooperationen) auch von einer Steigerung der Zahl prüfungsaktiver Studierender und Absolventen abhängig. Und diese könne die Med-Uni – aufgrund der ohnehin beschränkten Anfängerzahlen – kaum erhöhen.

 

Schütz tritt 2015 nicht mehr an

Wie andere Uni-Chefs behält sich auch Schütz vor, die neuen Leistungsvereinbarungen nicht zu unterschreiben. „Wir haben einen genauen Budgetplan vorgelegt, der auch von unserer Seite eine Sparkomponente beinhaltet. Der muss nicht eins zu eins übernommen werden. Wenn wir aber sehen, dass wir den bestehenden Personalbedarf nicht finanzieren können, werden wir auch nicht unterschreiben.“ Seine primäre Intention sei aber zu unterschreiben, so Schütz.

Diese Verhandlungen werden übrigens die vorletzten sein, an denen er beteiligt ist. Wie der 64-Jährige der „Presse“ sagte, wird er bei den Rektorswahlen 2015 voraussichtlich nicht mehr antreten.

Zur Person

Wolfgang Schütz (64) steht der Wiener Med-Uni seit ihrer Ausgliederung im Jahr 2004 vor. Heuer wertete die Uni ihren Eignungstest genderspezifisch aus, weil Frauen bislang stets deutlich schlechter abschnitten als Männer. Die drei Med-Unis arbeiten an einem neuen, gemeinsamen Test. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)

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