Wien/Red. Wie viel darf ein Studium kosten? Diese Frage beschäftigt nicht nur im Rahmen der politischen Debatte rund um allgemeine Studiengebühren in Österreich. Für das Management Center Innsbruck (MCI) stellt sich die Frage in Zusammenhang mit den Gegebenheiten des internationalen Bildungsmarktes. Denn seit einem Jahr haben Fachhochschulen die Möglichkeit, von Nicht-EU-Bürgern einen Betrag in Rechnung zu stellen, der die tatsächlichen Kosten des Studienplatzes abdeckt.
Damals hat MCI-Rektor Andreas Altmann im Gespräch mit der „Presse“ angekündigt, „richtig hohe Gebühren“ kassieren zu wollen. Ihm schwebten damals 10.000 Euro vor. Was ist nun aus diesen Plänen geworden? „Diese Vorstellung war an den eigenen Qualitätsanspruch geknüpft, wonach unsere Studiengänge so gut sein müssen, dass sie auch zu diesem Preis internationale Nachfrage erzielen.“ Geworden sind aus dieser Vorstellung 2000 Euro pro Semester für ein Bachelorstudium und 3000 für ein Masterstudium für Nicht-EU-Bürger. Dabei muss es laut Altmann aber nicht bleiben. „Das ist ein Herantasten an den Markt“, sagt er. Verlange man zu wenig, ziehe man „Studienbeitragsflüchtlinge“ an – außerdem könne das als Indikator für mindere Qualität im Vergleich zu anderen (teureren) Hochschulen gewertet werden. Seien die Gebühren zu hoch, verschrecke man die potenzielle internationale Hörerschaft. Und die brauche man, weil „es eine vertane Chance für junge Menschen wäre, wenn Tiroler nur unter Tirolern und Österreicher nur unter Österreichern studieren würden“, so Altmann.
Ob er auch von österreichischen Studierenden mehr – als die gesetzlich möglichen 363,36 Euro – verlangen würde? „Ja, allerdings unter sozialer Abfederung“, so Altmann. Das sei aber nur durch eine Neugestaltung des Studienbeitragssystems möglich. Ihm schwebt ein Modell vor, das sich auch am späteren Einkommen der Absolventen orientiert und nicht nur an der finanziellen Situation der Eltern. Altmann fordert vor allem eine „unverkrampfte Diskussion. Derzeit tut man so, als wäre Österreich allein auf der Welt, dabei kann man von 192 Ländern lernen. Nur weil man die Augen schließt, ist das Problem noch nicht gelöst.“
MCI sieht sich nicht als FH
Im Februar wurde Altmann, zuvor auch schon Geschäftsführer des MCI, zum Rektor ernannt – „wie es der internationalen Terminologie im Hochschulsektor entspricht“. Das MCI positioniere sich aber nicht als FH im eigentlichen Sinn, sondern als „Unternehmerische Hochschule“. Das ergebe sich aus seiner Geschichte: Das MCI ist als akademisches Weiterbildungszentrum aus der Uni Innsbruck heraus entstanden. Auch heute ist die Uni in der Trägerschaft verankert, man verfügt über einen gemeinsamen Campus und auch inhaltlich wird eng zusammengearbeitet. So hält FH-Chef Altmann auch nicht viel von „künstlichen standespolitischen Abgrenzungen“ der einzelnen Hochschultypen. Es belustige ihn, wenn „zwischen universitärer und FH-Forschung unterschieden wird“. Die FH bräuchten dringend eine Basisförderung für Forschung – wie sie derzeit den Unis vorbehalten ist. Denn die Basismittel, die den FH zur Verfügung gestellt werden, sind ausschließlich für die Lehre bestimmt. Ohne ausreichende Mittel für Forschung müsse man aber schauen, dass „aus der Lehre nicht die Leere wird“. Würde man sich mit der von Unternehmen gesponserten Auftragsforschung begnügen, „wäre das keine Forschung, sondern Consulting“.
Das Management Center Innsbruck (MCI) bietet 25 Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Technik & Life Sciences an. Die Studiengänge werden Vollzeit und berufsbegleitend angeboten, ein Schwerpunkt ist die akademische Weiterbildung. Derzeit studieren rund 2500 Menschen am MCI.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)
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