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Gabi Burgstaller: "Dann lieber gar kein Heer"

08.09.2012 | 18:06 |  von regina pöll (Die Presse)

Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller spricht mt der "Presse am Sonntag" über Studiengebühren, Volksbefragungen, Profiheer und Feuerwehr – und warum es Minister Darabos nicht leicht hat.

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Sie haben diese Woche ein Modell für Studiengebühren vorgeschlagen. Die Reaktionen aus den eigenen Reihen waren verhalten bis vernichtend. Wie geht es Ihnen damit?

Gabi Burgstaller: Also mir gegenüber waren die Reaktionen positiv und sogar sensationell. Wahrscheinlich fürchten sich alle so vor den Medien.

 

Wer traut sich denn nicht in der SPÖ, öffentlich für Studiengebühren einzutreten?

Es gibt in der SPÖ außer dem oberösterreichischen Landesrat Ackerl wirklich niemanden, der zu mir sagt: Das ist Blödsinn. Und auch Ackerl hat ein soziales Gewissen. Mir geht es ja nicht nur um Studiengebühren, sondern vor allem um ein verbessertes Stipendiensystem für 40 Prozent der Studenten.

 

Die SPÖ-Bundespartei will aber weiterhin lieber Vermögensteuern oder Studiengebühren für die „oberen 80.000“.

Das ist doch lächerlich. Kanzler Faymann hat mich ja auch aufgefordert, ein Modell vorzulegen.

 

Sie gehen also davon aus, dass Sie Ihr Modell beim Parteitag im Oktober durchbringen?

Ja. Und wenn nicht, werde ich weiter dafür kämpfen.

 

Wenn man sich in der SPÖ und somit in der Regierung nicht einigt: Sollte man das Volk dann über Studiengebühren abstimmen lassen – so wie über die Wehrpflicht im Jänner?

Schauen wir zuerst, ob man bei der Wehrpflicht eine sachorientierte Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung macht. Derzeit diskutieren wir über das Bundesheer vor allem im Sinne des Katastrophenschutzes. Und der wird in Österreich doch zuerst einmal von der Feuerwehr gemacht.

 

Das heißt, das Argument der ÖVP, dass ein Ende der Wehrpflicht den Katastrophenschutz bedrohen würde, ist Schwindel?

Das gehört ins Land der Märchen, der Lügen oder der Panikmache. Es ist auch eine Beleidigung der Feuerwehr mit ihren 300.000 Mitgliedern, und das ärgert mich, da sie die Träger des Katastrophenschutzes im Alltag sind. Das Heer ist eine hervorragende Ergänzung.

 

Und der Zivildienst? Was soll kommen, sollte ein Berufsheer entstehen?

Ein Sozialjahr wäre ein guter Ersatz.

 

Da gibt es aber auch schon Streit im roten Lager. Sozialminister Hundstorfer will eine Entlohnung von 1300 Euro brutto im Monat, der Gewerkschaft ist das zu wenig.

Es sind ja keine Profikräfte im Sozialjahr, und die Gewerkschaft will das Geld vierzehn- statt zwölfmal im Jahr, und Hundstorfer ist ein konstruktiver Minister. Es geht aber nicht nur um finanzielle, sondern auch nicht finanzielle Anreize, die wir bieten müssen. Etwa: Wer das macht, dem soll ein halbes Jahr angerechnet werden für eine Ausbildung in der Pflege, die er auch schon parallel zum Sozialjahr starten darf. Man kann auch einem künftigen Mitglied des Heeres sagen: Wir brauchen euch nicht alle bis zur Pension, es wird mehr Zeitsoldaten geben. Aber wenn du dich beim Heer für eine bestimmte Zeit verpflichtest, dann wirst du danach bevorzugt in den Polizeidienst übernommen.

Sie gelten nicht gerade als Hardlinerin für ein Berufsheer und haben auch schon gesagt, es käme nur eingeschränkt für Sie infrage. Sind Sie jetzt dafür oder dagegen?

Muss ich schon wieder für etwas sein? Habe ich nicht das Recht abzuwägen? Ich bin kein Mensch mit Kadavergehorsam und erlaube mir, Modelle mitzuentwickeln. Klar ist für mich: So, wie das Bundesheer jetzt ist, kann es nicht bleiben. Es wäre fahrlässig, wenn es mit dem jetzigen Budget, dem jetzigen Personal und der Überalterung des Apparats weiterbestünde. Da müssten wir schon eher sagen: Dann brauchen wir gar kein Heer. Es spricht aber vieles für ein Berufsheer. Der Gedanke von Miliz plus Zeitsoldaten für gewisse Aufgaben ist gut und richtig.

 

Eine Frage an eine Landeschefin: Darf sich ein Minister von einem Landeshauptmann so sehr treiben lassen, dass er plötzlich für ein Berufsheer ist – wie Verteidigungsminister Darabos nach einem entsprechenden Vorstoß von Wiens Bürgermeister Häupl?

Das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe mich aber auch einmal hinsetzen müssen, als ich das gesehen habe.

 

Hätten Sie's im umgekehrten Fall getan?

Ich würde ja nie das Amt der Verteidigungsministerin anstreben. Das ist sowieso ein Himmelfahrtskommando.

 

Wie beurteilen Sie die Arbeit Darabos'?

Die kann ich nicht beurteilen. Er hat aber eine permanente Mängelverwaltung. Und das Budget des Bundesheers haben andere zu verantworten, es hat so viele ÖVP-Politiker in dem Amt gegeben. Darabos hat es nicht leicht. Ich werde ihn bei einer verantwortungsbewussten Weichenstellung für die Zukunft unterstützen.

 

Sollte die Volksbefragung gegen das Berufsheer ausgehen: Müsste Darabos dann zurücktreten?

Nein. Wobei das jeder für sich entscheiden muss. Aber wir haben eine Abstimmung über eine Weichenstellung in der Bundesverfassung: Profiheer einführen oder Wehrpflicht beibehalten. Es ist ja keine Volksbefragung zum Thema: Minister oder nicht.

 

Würden Sie selbst in die Bundesregierung wechseln, sollte Sie der Ruf 2013 ereilen?

Ich schließe das eigentlich aus.

 

Das bedeutet also: Landtagswahl 2014 mit Ihnen als SPÖ-Spitzenkandidatin?

Schauen wir mal. Wer, was, wo: Das interessiert mich gar nicht mehr so. Ich will einfach einen Beitrag leisten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)

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36 Kommentare
 
12

Wer braucht so eine Landeshauptfrau ?

Salzburg ganz bestimmt nicht.

1 0

...dann lieber

keine Landeshauptleute mehr!!

Gast: Grundwehrdiener
09.09.2012 15:39
2 0

"Dann lieber gar keine Landeshauptleute"


Bitte, lieber dann gar keine Sozialisten.

Ich halt die nimmer lange aus! Burgstaller verdummt zusehends.

5 2

Heer: "Dann lieber gar keine Burgstaller"


Stoppt diese Frau.


4 2

Schön langsam beginne ich mich zu ärgern.

Glaubte ich anfangs noch, vernünftige Aussagen zu entdecken, macht sich immer mehr der Verdacht breit, dass Frau Burgstaller überhaupt nicht weiß, was sie eigentlich will und, schlimmer noch, wovon sie spricht.

Nur ihre Aussage zu Katastropheneinsätzen der Freiwilligen Feuerwehr.
Die ist natürlich großartig, so etwas als Berufsfeuerwehr würde das zehnfache kosten und nicht einmal die Hälfte leisten. Das steht für mich außer Streit.
Aber schon Darabos' Prozentrechnung mit den 96% Katastropheneinsatz durch FFW ist haarsträubend. Natürlich pumpt die FFW die Keller nach Gewittern aus. So was macht sicher 99% der Zahl der Einsätze aus.

Aber wenn der Schaden zu groß wird, wenn der Einsatz zu lange dauert - dann muss das BH her. Oder wir schaffen Feuerwehrhubschrauber an und eine Feuerwehrreserve von xtausen Mann, die dann beim nächsten Mal den Damm der March auf 20 km Länge sichern.
Und jetzt bringt Frau Burgstaller die gleichen Argumente, dass ohnehin die Feuwerwehr alles macht???????

4 3

Nur weil...

.. Hr. Darabos nicht fähig war, das Heer modern weiterzuentwickeln will er es jetzt abschaffen und die Genossin Burgstaller, die alles in Österreich besser weiss und mit jeder Materie vertraut ist, hilft kräftig mit. Sie hat ihren ehemaligen "Glanz" (unterallerdings unter "finsteren" Gestalten) vollkommen verloren.

mit diesen Leuten

wird die Wehrpflicht einen überwältigenden Sieg einfahren. Die Unfähigkeit der roten Politiker wird dafür Sorge tragen. Je mehr Kasperl ihre Meinung über das Militär verbreiten, desto klarer wird die Entscheidung ausfallen. Die schwarzen Kasperl brauchen nur den Mund halten und Gabi Berti u Co werden es für sie richten!!

Es reden vor allem jene mit, die nicht dabei waren.


Gast: Stallwart
09.09.2012 09:09
4 3

Liebe Gabi!

Danke für deinen Beitrag, und jetzt geh bitte wieder zurück zu den "Menschen" und friss und sauf mit ihnen. Du verstehst sie, und sie verstehen dich. Die Gstudierten soin aa amoi wos hackln! Und überhaupt: Da Haida hot scho recht ghobt ... ... ...

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte

Das Bild zu diesem Artikel zeigt ganz deutlich, wie dieser Spruch bedeutet

Gast: Piccolomini
09.09.2012 09:00
7 2

Das aergert mich!

Wenn ploetzlich die sozialdemokratischen Landeshauptleute kein Heer fuer den Katastropheneinsatz benoetigen. Bei der naechsten Katastrophe, wissen sie nicht wie schnell sie nach dem Heer rufen, um die freiwillige Feuerwehr auf laengere Zeit zu unterstuetzen. Vergisst Frau Burgstaller, dass die freiwillige Feuerwehr ja nur sehr begrenzt einsatzfaehig ist? Aber es geht bei der Frage Berufsheer ja oder nein, nicht um den Katastrophenschutz, sondern es geht darum, wollen wir eine Einsatzarmee haben, mit der wir in diverse internationale Einsaetze hineingezogen werden. Ich bin gespannt, wie Frau Burgstaller die ersten toten Soldaten uns erklaert und vorallem was wir in Afrika oder Asien zu suchen haben. Sicher mit einem charmanten Laecheln, wie sie sich ueber saemtliche Pannen und Pleiten geschwindelt hat. Ich frage mich, ob Oesterreich wirklich 9 Landeshauptleute benoetigt? Wir, das Volk uebernehmen, ja ohnehin genauso wie die freiwillige Feuerwehr, die Agenden unserer ueberforderten Politiker, die so gerne auf dem internationalen Parkett mittanzen wollen.

1 0

"charmanten Laecheln"

"Charmant" liegt nicht im Bereich ihrer Möglichkeiten. Feistes Grinsen paßt eher.

Dann lieber gar kein Herr - viellieicht verwechselt

Frau B. etwas.

Gast: gerd f
09.09.2012 07:30
2 1

Ich halt das nicht mehr aus!

Frau Burgstaller, Herr Tarabosch, Frau Berger, Frau Pures, Frau Rudasch, Herr Ostermeier - Bitte lasst euch alle auf Dauer beurlauben! Ab in die Pense!

Antworten Gast: Linker Pirat
09.09.2012 11:14
0 0

Re: Ich halt das nicht mehr aus!

Dann würden sie sich ärgern weil sie schon in Pension gehen dürfen, der Strache und der Scheuch aber nicht.

5 0

ui ned schon wieder die Resi hier mit ihrer künstlichen Agitation! Wie wäre es mit: Gar keine LH Leute mehr in ganz Österreich! Keine Republiken in der Republik. Kein Fürstentum im Kaisertum. Keine Landesbullshitter mehr. Alles soll zentralisiert, schlank, und effizient werden. Keine Querleger und Querschüssen mehr aus der Provinz bitte! Die halten es bald nicht mehr aus! (und wir Steuerzahler bald auch nicht mehr!)


2 0

Richtig.

Frau Burgstaller entwickelt sich immer mehr zum Argument für die Abschaffung der Landeshauptleute - zumindest für deren Reduktion auf 3 (NÖ, Wien, Vorderösterreich neu definiert). Dann wäre auch der Dörfler weg - Voves und Schützenhöfer könnten den Rest übernehmen. Die Schwarzen werden ohnehin nicht so am Platter hängen - usw.

0 0

ui ned schon wieder die Resi hier mit ihrer künstlichen Agitation! Wie wäre es mit: Gar keine LH Leute mehr in ganz Österreich! Keine Republiken in der Republik. Kein Fürstentum im Kaisertum. Keine Landesbullshitter mehr. Alles soll zentralisiert, schlank, und effizient werden. Keine Querleger und Querschüssen mehr aus der Provinz bitte! Die halten es bald nicht mehr aus! (und wir Steuerzahler bald auch nicht mehr!)


Gast: morales
09.09.2012 00:49
0 0

Ich hab nen Bruder in Nirgendwo...

http://news.naanoo.com/news/bolivien-prasident-morales-bildet-kabinett-teilweise-um

schöne Latina, muss man sagen.

Gast: alatheus
09.09.2012 00:27
4 0

"Ich bin kein Mensch mit Kadavergehorsam und erlaube mir, Modelle mitzuentwickeln."

Der Kadavergehorsam gegenüber der eigenen Partei schwingt bei diesem Interview aber ziemlich mit. Und die Aussage: "Klar ist für mich: So, wie das Bundesheer jetzt ist, kann es nicht bleiben. Es wäre fahrlässig, wenn es mit dem jetzigen Budget, dem jetzigen Personal und der Überalterung des Apparats weiterbestünde. Da müssten wir schon eher sagen: Dann brauchen wir gar kein Heer." ist eine einzige Selbstentlarvung. Außerdem ein Affront gegenüber jedem Bediensteten des BMLV - diese können schließlich nichts für die Unfähigkeit der Politik. Burgstallers Meinung in anderen Worten: "Entweder Berufsheer oder Auflösung des Bundesheeres." bzw. "Friss oder stirb!" Würde man sich solche Aussagen über Organisationen wie Rettung, Feuerwehr oder Polizei auch erlauben?

0 1

Ganz verstehe ich Sie nicht.

Der Satz, "so wie das BH jetzt ist, kann es nicht bleiben" ist doch der einzig richtige im ganzen Interview.
Lediglich die Schlussfolgerungen daraus stimmen nicht.

Gast: blink
08.09.2012 22:19
4 3

das wird ja immer besser...

jetzt darf sich schon eine frau zum thema heer äußerln

Wieviel bezahlen die Diktaturen südlich des Mittelmeeres

für solche Aussagen?

Antworten Gast: Klaus
09.09.2012 08:12
1 0

Re: Wieviel bezahlen die Diktaturen südlich des Mittelmeeres

wieviel müssen wir denen bezahlen damit die sie uns abnehmen?

 
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