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ÖH: Uni-Kapazitäten falsch berechnet

09.09.2012 | 18:16 |  THERESA AIGNER (Die Presse)

Die ÖH fürchtet, dass die Regierung die Zahl der Studienplätze halbieren will. Das neue Modell sei auf 164.000 Studierende, nicht auf die tatsächlichen 300.000 ausgelegt.

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Wien. Lange waren konkrete Zahlen zur sogenannten Studienplatzfinanzierung ein gut gehütetes Geheimnis – vergangene Woche wurden die angepeilten Pro-Kopf-Beträge, die die Universitäten pro Student erhalten sollen, erstmals bekannt. Und die Kritik folgte postwendend: Die Studentenvertreter der ÖH warnen angesichts der zur Berechnung herangezogenen Studentenzahlen. Sie befürchten, dass die Regierung künftig nur noch Plätze für rund 164.000 Studierende zur Verfügung stellen will – und nicht für die derzeit inskribierten 300.000 Studierenden.

Die Kritik im Detail: Die Arbeitsgruppe von Uni-Ministerium und Rektoren, die das neue Finanzierungsmodell ausgearbeitet hat, hat sich in ihren Berechnungen zu den Betreuungsrelationen an der Zahl jener orientiert, die im Studienjahr 2009/10 als „prüfungsaktiv“ galten. Als „prüfungsaktiv“ gelten Studierende aber nur, wenn sie im abgelaufenen Studienjahr mindestens 16 ECTS-Punkte erworben oder positiv beurteilte Studienleistungen im Umfang von zumindest acht Semesterwochenstunden erbracht haben. Im nächsten Schritt stellten Ministerium und Rektoren diese Studentenzahlen der Anzahl der habilitierten Lehrenden gegenüber. Das Ergebnis bildet ab, inwieweit genügend Plätze vorhanden sind, in denen den international üblichen Betreuungsstandards entsprochen wird.

Das Problem: Von 300.000 Studierenden gelten derzeit eben nur die – zuvor genannten – 164.000 als „prüfungaktiv“. 136.000 Studierende wurden also gar nicht in die Berechnung der Uni-Kapazitäten einbezogen. „Das verfälscht die Zahlen dramatisch“, so ÖH-Chef Martin Schott (Fachschaftslisten FLÖ) im „Presse“-Gespräch.

 

WU: Bis zu 14.000 Plätze fehlen

Auch die Zahlen der Arbeitsgruppe selbst belegen das Missverhältnis. Sie hat die Unis einer Bestandsaufnahme unterzogen. Der Uni Wien fehlen – wenn man nur mit den „prüfungsaktiven“ Studenten rechnet – demnach derzeit 21.500 Studienplätze. Allein: Nur die Hälfte der an der Uni Wien Inskribierten gilt überhaupt als „prüfungsaktiv“. Um für alle Inskribierten gute Bedingungen zu schaffen, käme man mit 21.500 neuen Plätzen also bei Weitem nicht aus, kritisiert die ÖH. Ähnlich die Lage an der WU: Rechnet man mit allen belegten Studien, fehlen 14.000 Plätze. Das sind mehr als doppelt so viele, als sich aus der Rechnung mit nur „prüfungsaktiven“ Studenten (6.500) ergibt .

Die Gründe, warum Studierende nicht ausreichend Leistung erbrächten, um als „prüfungsaktiv“ zu gelten, seien „vielfältig und hausgemacht“, sagt Schott. Die Studierendensozialerhebung 2009 etwa habe ergeben, dass 60 Prozent der Studierenden mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Das Studium gerät da oft zwangsläufig ins Hintertreffen. Zusätzlich würden die Studieneingangsphase, Voraussetzungsketten im Studium und die Nichtberücksichtigung von Doppelstudien die Zahlen grob verfälschen.

Im Ministerium steht man zur Berechnungsmethode: „Wir haben ein Modell erarbeitet, das auf den Status quo und historisch gewachsene Realitäten Rücksicht nimmt“, sagt Elmar Pichl, stellvertretender Sektionsleiter im Ministerium und Mitglied der Arbeitsgruppe.

„Prüfungsaktive Studien sind eine Rechen- und Planungseinheit, die im österreichischen Modell den Studienplatz definiert.“ Davon sei die Kopfzahl der Studierenden zu unterscheiden. Ziel sei es, die Zahl der aktiven Studierenden zu erhöhen und die Zahl der Studienplätze mit guten Betreuungsqualitäten an die Zahl der Studierenden heranzuführen. Pichl: „Wir wollen nicht die Zahl der Studierenden auf die heutige Zahl der Prüfungsaktiven reduzieren.“

Auf einen Blick

Die Studienplatzfinanzierung ist eine Pro-Kopf-Finanzierung. Die Unis würden künftig – vereinfacht gesagt – kein Globalbudget mehr, sondern einen Fixbetrag pro Student erhalten. Die Summe, die ein Student wert ist, differiert je nach Studienrichtung. Sie liegt im derzeitigen Arbeitskonzept zwischen 6300 und 29.500 Euro. ÖVP und SPÖ wollen sich noch im September einigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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19 Kommentare
Gast: pieps
10.09.2012 10:47
3 1

teilzeit

normale menschen arbeiten 40 stunden die woche, studierende arbeiten meistens 20 oder mehr und sollen vollzeit - also 40 oder mehr stunden studieren damit sich alles in mindestdauer ausgeht. überall anders würd die gewerkschaft aufschrein und durchdrehn.
studierende in österreich studieren maximal teilzeit, weil sie nciht anders können. die studienpläne nehmen aber keine rücksicht drauf

Re: teilzeit

normale menschen arbeiten mehr als 40 stunden. in studierten berufen sind es schnell 50-60 stunden. (natürlich nur wenn man erfolgreich sein will). insofern ist das eine gute vorbereitung auf das normale leben. zweitens sind für ein studium in mindestzeit keine 40 stunden notwendig. 20 sind da mehr als genug. die eigentliche frage, die studenten doch aufregt ist: wann bleibt da noch zeit für party?

Antworten Antworten Gast: TU-Student
11.09.2012 11:17
0 1

Re: Re: teilzeit

Das kommt darauf an was man studiert und wie man studiert. Nur mit möglichst wenig Aufwand für Prüfungen zu strebern hat mit Studieren nichts zu tun. Dazu gehört schon auch der Besuch von Lehrveranstaltungen, Diskussionen mit Kollegen und Professoren, Lesen von Zusatzliteratur, etc.
Nur so lernt man wirklich etwas und dann bringt es auch im späteren Leben etwas, sonst kann man es gleich bleiben lassen.

Mein Studium nimmt jedenfalls weit mehr als 40 Stunden in Anspruch.

Re: teilzeit

...Durch die neuen Studienordnungen - Stichwort "Bologna" - wurde es bereits Berufstätigen noch schwerer gemacht zu studieren. Verschultes Programm mit überbordenden Anwesenheitspflichten erschweren die Semesterplanung für Arbeitende.

Ich habe den Eindruck, man möchte Berufstätige nicht mehr an den Unis haben.

Re: teilzeit

vollkommen korrekt. danke für dieses posting!

Verbindlich

Ziel und Aufgaben einer Universität ist vielen nicht klar - auf jeden Fall ist sie keine Volkshochschule, die man mal unverbindlich besucht.

Was den Studierenden oft nicht klar ist, dass neben den Erwartungen, die sie berechtigt gegenüber den Universitäten haben, auch ihnen gegenüber eine Forderung nach einer Verbindlichkeit gegenüber der Universität besteht - und dazu gehören Prüfungen.

Es ist leider auffällig, dass sich die ÖH immer mehr auf jene Studierenden konzentriert, die nur sehr wenig mit ihrer jeweiligen Universität zu tuen haben. Ich finde, dass es ein Auftrag an die ÖH ist gegen Studiengebühren zu kämpfen - Zugangsregeln gehen sie nichts an.

Auf jeden Fall sind Zugangsregeln unvergleichlich wichtiger als Studiengebühren - der einzige Sinn und Zweck von Studiengebühren wäre eigentlich nur die Förderung der gegenseitlichen Verbindlichkeiten.

Ganz wichtig sind jedoch die strengsten Zugangsregeln für Lehramtsstudien

Kein Problem!

Wenn die Bundesregierung auch nur Mittel für diejenigen 100.000 zur Verfügung stellt, die tatsächlich studieren wollen, sollten eigentlich alle glücklich sein.
Ich halte seit Jahren selbst Vorlesungen, auch mal für Studienanfänger, und traue mir allmählich zu ,abschätzen zu können, wieviele wirklich wollen.

Re: Kein Problem!

Kein Problem, wenn wir dafür auch die Universitätskräfte entlassen dürfen, die nicht wollen oder können. Dies dürften so ca. 80% sein.

Gast: Martin_S
09.09.2012 21:26
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WOW!

"dass 60 Prozent der Studierenden mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. "... WOW! Die Woche hat 7 Tage.... sagen wir, nur 5. Macht pro Tag sensationelle 2 (in Worten: ZWEI) Arbeitsstunden aus. Ja, da geht sich doch WIRKLICH kein Studium aus...

1 0

Re: WOW!

Lassen Sie mich raten: Sie haben an der Sonderschule studiert oder?

Teilzeit bedeutet mindestens 20 Stunden pro Woche - Mit 5x2 kommen Sie da nicht weit.....

Antworten Gast: Gast01
10.09.2012 11:57
5 0

Re: WOW!

Abgesehen von offenbar gravierenden Rechenmängeln bei den Grundrechnungsarten, die andere schon in der Volksschule lernen (anscheinend war das rausgehautes Geld bei Ihnen!), ist die Aussage Ihres Postings purer Schwachsinn und ahnungslos.

Antworten Gast: norden
10.09.2012 09:39
2 0

Re: WOW!

??
bei 5 tagen die woche:

2x5=10h

um auf 20h arbeitstunden pro 5-tageswoche zu kommen:

5x4=20h. --> d.h. montag bis freitag täglich 4h arbeitszeit.

zusätzlich pro tag 2x0.5h an-/abreise = 25h zeitverlust für studium.

jetzt noch ein verschultes studiensystem mit anwesenheitspflicht für eh alles und ein paar überfüllte lv's addieren und schon sind wir bei der doppelten mindeststudiendauer.

Ach wirklich?

Seit dem "Café Rosa" erlaube ich mir, die Rechenkünste der ÖH mit Vorsicht zu genießen.

Antworten Gast: Kurt der kleine
09.09.2012 23:47
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Re: Ach wirklich?

die Medien schaffen es leider immer wieder, die ÖH über einen Kamm zu scheren!
Das Cafe Rosa war ein Projekt der ÖH Uni Wien. Diese Berechnung wurde von der ÖH Bundesvertretung gemacht. Das sind 2 unabhängig voneinander agierende Vertretungen (auch eigene Rechtspersönlichkeiten!)
Das ist so ungefähr das Gleiche wenn man sagt, die SPÖ Salzburg und die Bundes SPÖ sind eines... gerade bei der SPÖ hat man in letzter Zeit gesehen, dass die unabhängig voneinander agieren....

Re: Re: Ach wirklich?

Janine Wulz (Bundes-ÖH) war Kassier des Café Rosa-Vereins - noch Fragen?

Re: Re: Re: Ach wirklich?

dieses Statement ist genau so dumm als vergleichbar der ständige Hinweis bei Schuldiskussionen auf Frau Schmied als Kommunalkredit - Bankrott Verantwortliche

Re: Re: Re: Re: Ach wirklich?

Ja genau, einfach "kein Kommentar", und die Sache ist erledigt. Zahlt eh der Steuerzahler.

Erkennen Sie ein Muster?

Re: Re: Re: Re: Ach wirklich?

Ich bitte vielmals um Verzeihung für meinen "dummen" Kommentar. Natürlich wollte ich in keinerlei Weise auch nur im Ansatz damit bezweifeln, dass Frau Wulz oder auch Frau Schmied hochgradig kompetente und hervorragende (Nachwuchs-)Politiker sind! Was eine Person vor oder neben seiner politischen Tätigkeit gemacht hat ist natürlich absolut voneinander zu trennen und lässt selbstverständlich keine Rückschlüsse zu!

Ich bin froh, dass unser paradiesisches Land in solch fähigen Händen wie in jenen von Frau Schmied liegt. Und mit Frau Wulz hat sie ja auch schon eine ebenso fähige Nachfolgerin gefunden!

Ich neige mein unwürdiges Haupt in Demut und sehe nun ein: Ich bin einfach zu (Zitat:) "dumm", um die Genialität hinter den Handlungen dieser Frauen zu verstehen.

Ich danke Ihnen für die Erleuchtung!

Gast: STG77_assaulltkillah
09.09.2012 19:40
4 0

Ungerechtigkeit der Bildungsdiktatur!

Bildung abschaffen - JETZT!

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