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Wissenschaftsbetrug: Gefängnisstrafen für ein Plagiat?

10.09.2012 | 12:35 |   (Die Presse)

Die heimischen Rektoren diskutieren über eine Forderung nach strengeren Sanktionen. Die Zahl der Hinweise auf Fehlverhalten ist gestiegen.

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[WIEN/Red./APA] Deutsche Wissenschaftler schlugen kürzlich Alarm in puncto Wissenschaftsbetrug: Um der Entwertung akademischer Grade einen Riegel vorzuschieben, müssten die Abschreckungsinstrumente geschärft werden, fordert der deutsche Hochschulverband. Er fordert die Einführung eines eigenen Straftatbestands für Wissenschaftsbetrug. Speziell ins Visier genommen werden sollen Ghostwriter und ihre Kunden: Gefordert werden Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren und Geldstrafen.

Auch in Österreich wird überlegt, wie man Plagiate und anderes wissenschaftliches Fehlverhalten stärker ahnden kann. Elisabeth Fiorioli, Generalsekretärin der Universitätenkonferenz (Uniko) kann sich vorstellen, strengere Rechtsfolgen an Wissenschaftsbetrug zu knüpfen, sprich: Ähnlich, wie es in Deutschland gefordert wird, einen eigenen Straftatbestand einzuführen. Intern werde diskutiert, ob die heimischen Uni-Chefs mit einem solchen Vorschlag an den Gesetzgeber herantreten sollten, sagt Fiorioli zur „Presse“. In der Tat verzeichnet die Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität (OeAWI) – die zentrale Stelle, die Verdachtsfälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens prüft – eine steigende Anzahl von Hinweisen. Beschäftigte sich die Agentur im Jahr 2009 mit lediglich fünf Fällen, waren es im Vorjahr bereits 30.

Plagiatoren in den Medien

Das habe weniger damit zu tun, dass Wissenschaftler (und auch Studierende – deren Arbeiten werden zumeist an den jeweiligen Unis geprüft) fahrlässiger arbeiten würden, sagt der Vorstandsvorsitzende der Agentur, Christoph Kratky. „Das Bewusstsein für wissenschaftliches Fehlverhalten ist gestiegen. Die Leute treten jetzt vermehrt an uns heran – früher wurde das häufig einfach unter den Teppich gekehrt.“ Das dürfte einerseits mit der medialen Präsenz des Themas zu tun haben – Stichwort Karl-Theodor zu Guttenberg –, andererseits damit, dass es erst heute die Instrumente gebe, Wissenschaftsbetrug tatsächlich zu verfolgen bzw. leichter aufzudecken.
Kratky ist aber gegen eine „Kriminalisierung von Plagiaten“. Ein nachgewiesenes Plagiat führe bereits jetzt in aller Regel zu Konsequenzen: Aberkennung des Titels, Verlust der wissenschaftlichen Reputation. Problematisch könnte laut Kratky vor allem die Definition des Tatbestands sein. Denn man habe es mit sehr unterschiedlichen Vergehen in unterschiedlichen Disziplinen zu tun. „Plagiat kann nicht an Wortgleichheit festgemacht werden.“ Krakty schließt aber nicht aus, dass es in Zukunft notwendig sein könnte, eine Rechtsgrundlage für wissenschaftliches Fehlverhalten zu schaffen.

Derzeit stehe auf dem Prüfstand, „wie verbindlich die Aussagen der OeAWI sind“, so Kratky. Das zeige unter anderem der laufende Prozess des Salzburger Molekularbiologen Robert Schwarzenbacher gegen die Uni Salzburg am Arbeitsgericht – der Forscher war wegen angeblicher Fälschung von Ergebnissen gekündigt worden.

(APA/Red.)

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7 Kommentare
Gast: Störefried
18.09.2012 11:43
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der Forscher war wegen angeblicher Fälschung von Ergebnissen gekündigt worden

angeblicher Fälschung???

Gast: Störefried
18.09.2012 11:42
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Plagiatssoftware für jedes Institut

...könnte dann zu schwerwiegenden Problemen führen. Man muß selber wirklich immer nachprüfen, ob div. Anschuldigungen auch rechtens sind. Denn es gibt Fälle, wo die Plagiatssoftware offenbar gravierende Fehler gemacht hat. Besonders bei Einreichungen von Projekten sollte man aufpassen falls mal Anschuldigungen ins Haus flattern.

Am besten wäre, wenn einfach jedes Institut eine Plagiatssoftware hat und jede Einreichung (ob Antrag, wiss. Studie, PhD oder Diplomarbeit) VOR einreichung auf plagiate geprüft wird. So schwierig und aufwendig kann ja das nicht sein. Damit hätten sich dann alle Probleme diesbezüglich von allein gelöst.

Aber dazu werden die Verantwortlichen wieder mal nicht fähig sein.

Gast: law and order
11.09.2012 20:29
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strafe ist immer eine super idee

unsere gesellschaft basiert auf dem prinzip harter strafen für vergehen und dem entsprechend kann man auch nur durch harte bestrafung sicherstellen, dass nicht plagiiert wird.
wird trotz einer auf ein bestimmtes vergehen (plagiat) stehenden strafmaßnahme diese tat trotzdem Begangen, dann kann als reaktion darauf folgerichtig nur das strafmaß hinaufgesetzt werden!

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es ist doch vieles purer Schwachsinn..

da faselt die Ministerin von einer "vorwissenschaftlichen" Arbeit von Maturanten - für die Schublade. Junge Leute, die einfach noch nicht die nötige Ausbildung, Erfahrung und auch Voraussetzungen dafür besitzen. Wie viel zu schubladisierende Arbeiten lassen wir noch in scheinbarer Eigenständigkeit entstehen, nur um den Prüfern zusätzliche Gebühren zukommen zu lassen. Kann wirklich nur in einer mehr oder weniger eigenständigen Arbeit jemand seine Qualifikation in einem Fachbereich beweisen. Ich denke an die eigenen Arbeiten von mir und Kollegen. Zum Glück vor Google und Co. Eine ehrliche Verifizierung älterer Arbeiten auf Plagierung wäre schon fast wieder eine Studien-Arbeit Wert. Vielleicht finden sich junge Studiosi für so ein Monster!

Gast: Wiener Ente
10.09.2012 19:23
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Ein breites Feld

Plagiate und Ghostwriter findet man vor allem im Bereich Jus. Da viele Mädis und Bubis von zuhause sehr verwöhnt sind(Papa ist Richter, Mama ist Dr.), kennen sie die harte Arbeit einer guten wissenschaftlichen Mag. oder Dr.-Arbeit(jetzt MAS, MBA) nicht. Da geht man natürlich den leichteren Weg, engagiert sich so gegen ein bißchen Geld jemand als Ghostwriter, sitzt selbst in den Cafes am Graben während dieser Zeit und lacht die anderen aus, die es sich nicht leisten können. Endeffekt: Ein Großteil sind Flaschen !
Und jetzt kommt sicher ein Schreiberling daher und sagt: Gibt`s nicht, das sind alle Unschuldslämmchen!!

Antworten Gast: Jusplagbla
11.09.2012 08:16
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Re: Ein breites Feld

Schlimmer sind die plagiierenden Jus-Professoren....

Doping

Das Ganze wird nun vergleichbar der Doping Diskussion - bin schon gespannt was da dann das dem Schnupfenmittel vergleichbares wird. Vielleicht sollte man hinterfragen, warum Unredlichkeit in der Wissenschaft verstärkt zu beobachten ist. Um immer das Reden vom Plagiat - viel schlimmer ist das Erfinden von Daten - den Stichprobenumfang einfach verdoppeln usw. - wenn sowas in der Medizin passiert, werden vielleicht Leben gefährdet.

Aber grundsätzlich wird Angst und Kreativitätslosigkeit in der Wissenschaft dominieren bei derartigen Ansätzen

Schlagzeilen Bildung