Wien. Das Bild des faulen Studenten sollte angesichts zahlreicher Studien, die das Gegenteil beweisen, schon bald der Vergangenheit angehören. Auch die am vergangenen Freitag präsentierte Studierendensozialerhebung des Uni-Ministeriums belegt: Das Arbeitspensum der Studierenden ist hoch – und außerdem in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Rechnet man den Zeitaufwand für Studientätigkeiten und das wöchentliche Arbeitspensum (immerhin sind 63 Prozent erwerbstätig) zusammen, dann zeigt sich: Studierende haben ein wöchentliches Gesamtarbeitspensum von 43,6 Stunden.
Den größten Teil ihrer Zeit wenden die Studierenden – trotz Erwerbstätigkeit – immer noch für ihr Studium auf. Im Durchschnitt beträgt der Gesamtarbeitsaufwand für Studientätigkeiten 31,2 Stunden pro Woche. Die Anwesenheitszeit in den einzelnen Lehrveranstaltungen spielt mit 12,5 Stunden dabei eine weniger wichtige Rolle als die Lernzeit (18,7 Stunden). Diese ist in den vergangenen zwei Jahren sogar um eine Stunde gestiegen.
Ihrer Arbeit gehen die Studierenden im Durchschnitt 12,4 Stunden wöchentlich nach. Damit wendeten sie für ihre Erwerbstätigkeit im Jahr 2011 knapp eine halbe Stunde mehr Zeit auf als 2009. Insgesamt waren Studenten um eine Stunde mehr beschäftigt als im Vergleichszeitraum 2009. Ihre Arbeitswoche endet durchschnittlich erst nach 43,6 Stunden.
FH: Bis zu 61 Wochenstunden
Deutliche Unterschiede hinsichtlich des Gesamtarbeitsaufwandes zeigen sich zwischen den Hochschultypen. Studierende an Universitäten haben im Schnitt eine Gesamtarbeitszeit von 42 Stunden pro Woche. An den Fachhochschulen sind es 47 Wochenstunden. Unangefochtene Spitzenreiter in Sachen Arbeitszeit sind die Studenten an den berufsbegleitenden FH-Studiengängen. Ob des hohen Zeitaufwandes für die Erwerbstätigkeit summiert sich ihre Gesamtarbeitzeit auf 61 Wochenstunden.
Auch zwischen den einzelnen Studienrichtungen an den heimischen Universitäten zeigen sich große Unterschiede (siehe Grafik). Die zeitliche Belastung ist für Studierende an der Veterinärmedizinischen Universität am größten. Rund 54 Stunden sind sie pro Woche beschäftigt. Grund dafür ist nicht die Erwerbstätigkeit, sondern die enorm hohe zeitliche Belastung an der Uni (48 Stunden). Insgesamt den höchsten Studienaufwand haben aber die Kunststudenten (50 Stunden). Gefolgt von Gesundheitswissenschaften (48 Stunden) und den Humanmedizinern (44 Stunden).
Anders sieht die Situation bei den Jus-Studenten aus. Sie haben laut Sozialerhebung mitunter den geringsten durchschnittlichen Studienaufwand (28 Stunden), arbeiten aber am meisten. Angehende Juristen haben mit durchschnittlich 16 Stunden den höchsten Erwerbsaufwand pro Woche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)
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