Wien/Jil. Für österreichische Studenten ist die Gründung eines eigenen Unternehmens nach dem Studium nicht gerade ein Traumziel. Ganze 76 Prozent der heimischen Studenten streben nach Abschluss ihrer Ausbildung eine klassische Festanstellung an. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Universität St. Gallen in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen Ernst & Young durchgeführt hat. Für die Studie wurden weltweit 93.300 Studierende befragt – davon 4500 aus Österreich. Die Stichprobe ist also sehr repräsentativ – in Österreich studieren rund 360.000 Personen, davon sind fast 200.000 Frauen.
KMU besonders beliebt
Großer Beliebtheit erfreuen sich in Österreich laut der Studie Jobs bei Klein- und Mittelunternehmen (KMU): 34 Prozent der Studenten wollen in KMU eine Festanstellung nach dem Studium finden – international sind es nur 22 Prozent. Die Klein- und Mittelunternehmen werden in Österreich aber auch eher als Sprungbrett betrachtet. Karrierechancen rechnen sich die Studierenden eher in großen Firmen aus.
„Junge Menschen mit Karrierewunsch ziehen eher die Beschäftigung bei Großunternehmen in Erwägung. Deshalb müssen die Mittelständler, die ja den überwiegenden Teil der österreichischen Unternehmen ausmachen, den Studierenden früh genug die Vorteile einer Beschäftigung bei KMU vermitteln“, sagt Helmut Maukner, ein Managing Partner bei Ernst & Young. Direkt nach dem Studium ein eigenes Unternehmen zu gründen kommt in Österreich nur für acht Prozent der Studenten infrage. In Argentinien sind es ganze 23 Prozent der Studierenden, die eine eigene Firma gründen wollen, in Irland 16 und in Portugal immerhin zwölf Prozent.
Auch fünf Jahre nach Ende des Studiums wollen nur 29 Prozent ein eigenes Unternehmen gründen – in Mexiko sind es doppelt so viele und im offiziell noch immer kommunistischen China sogar 40 Prozent. „Dies scheint vor allem damit zusammenzuhängen, dass heimische Studierende das finanzielle Risiko einer Unternehmensgründung mehr scheuen“, so Maukner.
Österreichs Studierende liegen bei der Gründungsabsicht allerdings vor Deutschen oder Schweizern. Und fast vierzig Prozent der Studierenden in Österreich geben laut Studie zumindest an, konkret über die Gründung eines eigenen Unternehmens oder die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit nachzudenken. Ein weiterer Hoffnungsschimmer für die heimische Wirtschaft: Nur sieben Prozent der Studierenden streben nach dem Studium eine Karriere als Beamte an – und das in einem Land mit mehr als 50 Prozent Staatsquote.
Studenten fordern Unterstützung
Mit der Unterstützung der (größtenteils staatlichen) Universitäten sind die Studenten aber nicht sonderlich zufrieden. Rund 60 Prozent wünschen sich mehr Kontakte zu Investoren und Coaching an den Unis. Lediglich 20 Prozent sind der Ansicht, dass dies bereits ausreichend angeboten wird. Genauso wünschen sich fast 60 Prozent direkte finanzielle Unterstützung, die zur Zeit nur fünf Prozent der Studenten in Österreich als ausreichend erachten.
Grund: Das finanzielle Risiko ist zu groß. Zwar liegen heimische Studierende noch vor jenen in Deutschland und der Schweiz – aber das Traumziel ist und bleibt die Festanstellung und nicht die Selbstständigkeit: Fast 80 Prozent wünschen sich einen fixen Job, so eine neue Studie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)
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