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Plan für höhere Stipendien und neuen Unterhalt

24.09.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Sozialexperte Mazal fordert im „Presse“-Gespräch Änderungen für jene, die intensiv studieren. eder Mensch sei über weite Strecken „zu Eigenverantwortung fähig“, so Mazal.

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Wien/Ett. Mehr Privat oder mehr Staat? Mehr Solidarität oder mehr Eigenverantwortung? „Ich halte diese Fragestellungen und diese Verkürzungen mittlerweile für unintelligent“: Der Sozialrechts- und Arbeitsmarktexperte Wolfgang Mazal warnt im Gespräch mit der „Presse“ vor derartigen Vereinfachungen in der Sozialpolitik. Jeder Mensch sei über weite Strecken „zu Eigenverantwortung fähig“, derselbe Mensch brauche aber auch die Solidarität im großen Ausmaß. „Zwischen Eigenverantwortlichkeit und Solidarität liegt vielleicht die Zehntelsekunde eines Autounfalls.“

Für Mazal ist eine Balance zwischen Eigenverantwortung und Solidarität verstärkt auch bei der Ausbildung der Jungen notwendig. Auf der einen Seite verlangt er die Bereitschaft des Einzelnen, „sich in den Arbeitsprozess einzugliedern oder zügig eine Ausbildung zu machen“. Auf der anderen Seite müssten jungen Menschen während der Ausbildungsphase – unter der Bedingung, dass sie diese intensiv nützen, „finanziell ausreichend“ unterstützt werden. Dann sollten sie einen entsprechend entlohnten Arbeitsplatz angeboten erhalten.

Dabei ortet er auch Verbesserungsmöglichkeiten im Hochschulbereich: Das System sollte stärker darauf ausgerichtet sein, Studenten großzügige finanzielle Unterstützung zu gewähren, wenn Leistungsnachweise erbracht werden. „Wir haben heute scharfe Kontrollen der Leistungen, aber zu geringe Stipendien“, beklagt Mazal, der für eine Erhöhung eintritt. Die Solidarität sei so betrachtet für junge Menschen, „die sich wirklich in die Ausbildung reinhängen“, zu wenig.

 

Kein Geld von den Eltern

Der Sozialrechtsexperte geht einen Schritt weiter und verlangt eine Neuregelung des Unterhaltsvorschusses des Staates für Studenten: „Wir haben heute nachweislich Studierende, die kein Sozialstipendium bekommen, weil die Unterhaltspflicht der Eltern greift, die aber von den Eltern tatsächlich keinen Unterhalt bekommen.“ Er schlägt daher vor, der Staat solle über die Volljährigkeit mit 18 Jahren hinaus Unterhalt vorschießen und dieses Geld dann „entsprechend eintreiben“. Unter Mazals wissenschaftlicher Leitung geht es ab diesen Freitag in fünf Modulen der „Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge/Denkwerkstatt St. Lamprecht“ an der Wiener Wirtschaftsuni um die Gestaltung „nachhaltiger Sozialpolitik“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)

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