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Rechnungshof kritisiert Uni Wien und Wirtschaftsuni

26.09.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

Ein WU-Professor muss 205,5 aktive Studenten betreuen. Das seien zu viele, so die Kritik. Der Rechnungshof lässt diese Argumentation nicht gelten, dass das zu geringe Budget ließe ihnen keinen Ausweg biete.

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Wien/Apa/J. N.Wien/Apa/J. Auch die Unis bleiben von der Kritik des Rechnungshofs nicht verschont. Bemängelt werden die schlechten Betreuungsverhältnisse an der Uni Wien sowie an der Wirtschaftsuniversität (WU). Trotz der seit 2004 geltenden Uni-Autonomie, die auch im Personalbereich gilt, sei es den betroffenen Unis nicht gelungen, die Betreuungsrelationen zu verbessern, so der Rechnungshof.

Ein Vorwurf, den die beiden Unis nicht auf sich sitzen lassen wollen: Es sei das zu geringe Budget, das ihnen keinen anderen Ausweg biete. Der Rechnungshof lässt diese Argumentation nicht gelten: Mit der Vollrechtsfähigkeit liege es in der Verantwortung der Unis selbst, mit den vorhandenen Mitteln „ihre Verpflichtungen im Bereich der Lehre wahrzunehmen“.

Konkret kommen auf einen Professor an der Uni Wien 125,8 prüfungsaktive Studenten – auf einen Lehrenden kommen 20,9 (Stand 2009/10). Wobei nur jene als prüfungsaktiv gelten, die pro Studienjahr zumindest 16 ECTS-Punkte oder Studienleistungen im Ausmaß von acht Semesterstunden erbringen. Laut Expertenbericht zum Hochschulplan machen die prüfungsaktiven Studenten lediglich 61,7Prozent der insgesamt rund 255.600 Uni-Studenten aus.

 

Weniger Wissenschaftler an WU

An der WU beträgt das Verhältnis Professoren bzw. Lehrende zu prüfungsaktiven Studenten eins zu 205,5 bzw. eins zu 26,9. Zum Vergleich: An der Uni Graz kommen auf einen Professor 104 Studenten, auf einen Lehrenden 17,1. Das Verhältnis an der Uni Linz: eins zu 52,7 bzw. 9,5. An der WU kommt nur knapp ein Viertel des wissenschaftlichen Personals aus einer höherqualifizierten Verwendungsgruppe. Die Uni verteidigt sich: Aus Budgetgründen müsse „in viel zu großer Zahl auf kostengünstige Alternativen“ zurückgegriffen werden. Wenig überraschend also, dass der Rechnungshof auch an der Entwicklung des wissenschaftlichen Personals Kritik übt: Zwischen 2008 und 2010 gab es einen Rückgang um 1,8Prozent, das allgemeine Personal legte um 10,6 Prozent zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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6 Kommentare

die wu ist wirklich eine der am schlecht organisierten unis in europa

Ich habe viele Freunde die auch an "Massenunis" studieren aber die Verhältnisse hierzulande toppen wirklich alles.
Teilweise versuchen hunderte von Studenten in einen Kurs mit nur ca. 70 Plätzen zu kommen und besetzen so schon Stunden vor Anmeldebeginn (mit Atomuhren über den Handybrowser gerüstet) alle verfügbaren Computer am Campus um dann wenige Sekunden nach Beginn erfahren zu müssen, dass es nicht geklappt hat und sie so wiedermal ein weiteres Semester warten müssen!!
Sowas verstehe ich nicht. So einen guten Ruf hat die Uni nicht, dass sich so eine Schmach lohnt! Außer im deutschsprachigen Raum ist sie eh unbekannt und selbst dort wertschätzt keiner welche Hürden wir hier auf uns nehmen mussten!

Ich kann nur jedem davon abraten! Die sind unfähig sich gut zu organisieren! Ob Geld hin oder her!

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Re: die wu ist wirklich eine der am schlecht organisierten unis in europa

Ich habe vor ca 20 Jahren ebenfalls dort studiert. Wenn man die Technologie (Atomuhr) raus streicht, hätte ich damals das gleiche Statement abgeben können.
Eines Sache ist als Organisation die Primärprozesse nicht im Griff zu haben, ein besonderer Tiefschlag ist aber, wenn eine Bildungseinrichtung über 20 Jahre keine Lernfähigkeit entwickelt, das spricht ihr eigentlich völlig die Kompetenz ab.

Antworten Antworten Gast: in_sider
29.09.2012 09:50
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Re: Re: die wu ist wirklich eine der am schlecht organisierten unis in europa

Herzlichen Dank für die Info!!
Finde es wirklich schrecklich, dass sich die WU dann auf die aktuelle Bundesregierung und ihr Budget ausredet.
Ich bin aktive Studentin an der WU und kann nur sagen, dass es kaum noch wirklich "Spaß" macht, zu studieren. Es geht nicht mehr um Engagement, Leistung und persönliche Interessensneigungen, sondern um Ellbogentechnik und Roulette. Als berufstätige Studentin ist es sogar noch um einen Tick schwerer ... Und was ich wirklich schlimm finde: Jedem administrativ Verantwortlichen an der Uni scheint dieses Thema egal zu sein. Sie sitzen schmollend in der Ecke, richten der Politik über die Medien sämtliche Fordernisse aus und lehnen sich dann zurück, weil sie denken, damit eh schon alles in ihrer Macht liegende getan zu haben. Tu felix Austria ....

Zahlenspiel

Das im Artikel dargestellte Zahlenspiel sagt leider überhaupt nichts zur Beschäftigungssituation an den Universitäten aus - ob in einer VO 10 oder 1000 Studierende sitzen ist nicht das Thema - Betreungsverhältnisse werden in Seminaren, Übungen, Ekursionen, Laborübungen schlagend - dann kommen erste die schlimmen Zahlen heraus.
Das Ministerium verfügt über Zahlen, die das wirkliche Ausmass der Probleme zeigt - nehmen wir die größte Universität Österreichs als Beispiel: Kolleg_innen mit unbefristeten Anstellungsverhältnis im Bereich Wissenschaften waren am Anfang der durch das UG2002 begründeten Reformen noch um die 1400 - heute liegen wir bei ca. 900 - dabei zu bedenken, dass das nicht bedeutet, dass diese Bemate wären - diese Gruppe wird in den nächsten Jahren fast auf Null reduziert sein. Die Kollegen mit befristeten Verträgen (mehrere tausend), von denen nur die aller wenigsten (ca. 1%) eine Zukunfstperspektive an der Universität haben, sehen aus logisch nachvollziehbaren Gründen keine Motivation sich in die karrierebehindernden Lehre verstärkt einzubringen. Wenn wir heute mit Begriffen wie Senior-Lecturer oder Senior-Scientists arbeiten, dann sind das Begriffe, die nur am Papier stehen aber mehr als unzureichend umgesetzt werden. Auch Tenure Track Stellen sind ein extremes Minderheitenprogramm.
Das Argument der Mobilität in der Wissenschaft ist natürlch nicht zu ignorieren - aber eine "Lehranstalt" kann nur mit einem Grundstock an permaneten Personal funktionieren.

Antworten Gast: kommt drauf an
02.10.2012 03:12
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Re: Zahlenspiel

Ob persönliche Betreuung notwendig ist, hängt stark von den Studienrichtungen und Fächern ab. In den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ist es meistens egal, ob ein Vortragender für 10 oder 100 Leute spricht (dafür wäre die Verfügbarkeit von guter und aktueller Fachliteratur sehr wichtig, das ist nicht immer gegeben). Bei Sprachkursen oder Naturwissenschaften (Labor etc.) schon nicht mehr. Daher sollte man sich genau überlegen, in welche Bereiche man Geld investiert.

Re: Zahlenspiel

Auf den Punkt gebracht, Danke!

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