Wien/Apa/J. N.Wien/Apa/J. Auch die Unis bleiben von der Kritik des Rechnungshofs nicht verschont. Bemängelt werden die schlechten Betreuungsverhältnisse an der Uni Wien sowie an der Wirtschaftsuniversität (WU). Trotz der seit 2004 geltenden Uni-Autonomie, die auch im Personalbereich gilt, sei es den betroffenen Unis nicht gelungen, die Betreuungsrelationen zu verbessern, so der Rechnungshof.
Ein Vorwurf, den die beiden Unis nicht auf sich sitzen lassen wollen: Es sei das zu geringe Budget, das ihnen keinen anderen Ausweg biete. Der Rechnungshof lässt diese Argumentation nicht gelten: Mit der Vollrechtsfähigkeit liege es in der Verantwortung der Unis selbst, mit den vorhandenen Mitteln „ihre Verpflichtungen im Bereich der Lehre wahrzunehmen“.
Konkret kommen auf einen Professor an der Uni Wien 125,8 prüfungsaktive Studenten – auf einen Lehrenden kommen 20,9 (Stand 2009/10). Wobei nur jene als prüfungsaktiv gelten, die pro Studienjahr zumindest 16 ECTS-Punkte oder Studienleistungen im Ausmaß von acht Semesterstunden erbringen. Laut Expertenbericht zum Hochschulplan machen die prüfungsaktiven Studenten lediglich 61,7Prozent der insgesamt rund 255.600 Uni-Studenten aus.
Weniger Wissenschaftler an WU
An der WU beträgt das Verhältnis Professoren bzw. Lehrende zu prüfungsaktiven Studenten eins zu 205,5 bzw. eins zu 26,9. Zum Vergleich: An der Uni Graz kommen auf einen Professor 104 Studenten, auf einen Lehrenden 17,1. Das Verhältnis an der Uni Linz: eins zu 52,7 bzw. 9,5. An der WU kommt nur knapp ein Viertel des wissenschaftlichen Personals aus einer höherqualifizierten Verwendungsgruppe. Die Uni verteidigt sich: Aus Budgetgründen müsse „in viel zu großer Zahl auf kostengünstige Alternativen“ zurückgegriffen werden. Wenig überraschend also, dass der Rechnungshof auch an der Entwicklung des wissenschaftlichen Personals Kritik übt: Zwischen 2008 und 2010 gab es einen Rückgang um 1,8Prozent, das allgemeine Personal legte um 10,6 Prozent zu.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)
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