22.05.2013 07:52 Merkliste 0

Rektorenchef: "Uni-Budget ist inakzeptabel"

01.10.2012 | 06:12 |   (DiePresse.com)

Der Präsident der Universitätenkonferenz Heinrich Schmidinger kritisiert die "unangemessenen" Budgetbedingungen der Regierung: 600 Millionen Euro fehlen für drei Jahre. Die Fixkosten des Uni-Betriebs seien nicht gedeckt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

An den österreichischen Hochschulen beginnt am heutigen Montag das neue Wintersemester. Damit gehen auch die Verhandlungen zwischen den Rektoren der Universitäten und dem Wissenschaftsministerium über die Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 bis 2015 in eine entscheidende Phase.

Die Verhandlungen gestalteten sich zuletzt äußert zäh: Denn die Regierung plant Einsparungen in Millionenhöhe. Sie legte ein Angebot vor, das für die kommenden drei Jahre um 600 Millionen Euro zu niedrig sei, um den von den Rektoren errechneten Minimalbedarf für das Grundbudget der Universitäten abzudecken, sagte der Präsident der Universitätenkonferenz (Uniko), Heinrich Schmidinger im Gespräch mit der "Presse" und kürzlich auch im "Standard": "So viel ist mindestens nötig, um den Status quo zu erhalten."

Betrag und Bedingungen "unangemessen"

Das vorläufige Angebot sei daher "inakzeptabel", damit könnten die "Unis nicht zurande kommen." Weder der Betrag noch die Rahmenbedingungen (vor allem Zugangsregeln für stark nachgefragte Studien) seien angemessen.

Die Rektoren kündigten daher an, notfalls kollektiv die Unterschrift unter das Budget zu verweigern. Immerhin seien aus dem Grundbudget die Fixkosten wie Personal, Lehrangebot, Gebäude sowie Infrastruktur zu finanzieren. "Da haben wir von Jahr zu Jahr enorme Steigerungen, darum muss man uns dieses Geld einfach geben, damit wir den ordentlichen Betrieb an den Unis aufrechterhalten können", betonte Schmidinger, Leiter der Universität Salzburg.

Für 8. Oktober ist ein Sonderplenum aller 21 Uni-Chefs geplant. Dort könnte ein solches akkordiertes Vorgehen beschlossen werden, sagt Rektorenchef Heinrich Schmidinger schon vor mehr als einer Woche im Interview mit der „Presse“.

Eine Lücke von 600 Millionen Euro

Die Forderung nach mehr Geld sei alles andere als "unverschämt", erklärte Schmidinger dem "Standard". Sie sei schlicht notwendig und sachlich begründet. So bräuchten die Universitäten aktuell 300 Millionen Euro zusätzlich zum Grundbudget, um den Betrieb aufrechtzuerhalten - pro Jahr 900 Millionen Euro.

Die "Hochschulmilliarde" (990 Millionen Euro) der Regierung ist aber auf drei Jahre aufzuteilen: 450 Millionen gehen in den Strukturfonds, der nach kompetitiven Kriterien (Absolventen, Kooperationen) Geld an die Hochschulen ausschütten wird. 240 Millionen Euro "Offensivmittel" werden zwischen Universitäten und Fachhochschulen, Akademie der Wissenschaften und FWF (Wissenschaftsfonds) aufgeteilt. 300 Millionen sind für die Steigerung des Grundbudgets reserviert - folglich 100 Millionen pro Jahr. Es fehlen daher 200 Millionen Euro auf das von den Rektoren errechnete Minimum von 300 Millionen pro Jahr - umgelegt auf drei Jahre ergibt sich eine Lücke von 600 Millionen, so Schmidinger.

Vor diesem Hintergrund sei "das Gesprächsklima wieder angespannt", sagte der Rektorenchef. Um dennoch zu einem Kompromiss zu finden, werden die Rektoren beim Uniko-Sonderplenum am 8. Oktober ihr Vorgehen hinsichtlich des "Mangelangebots" besprechen. Geladen ist auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle.

(Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

39 Kommentare
 
1 2
Gast: Peterundich
01.10.2012 08:24
1 0

Das müssen Sie verstehen Herr Heinrich Schmidinger.

Es ist doch wesentlich wichtiger eine Webseite um 4.4 Mio zu renovieren als Österreichs Kinder zu bilden.
Sie verkennen hier die Prämissen.

pervers

pervers ist, dass das jaehrliche oesterreichische Unibudget 50% unter den OeBB Zuschuessen liegt...

Gast: TI36
01.10.2012 08:09
1 1

Wenn man das durchrechnet

kann die Lücke mit den "alten" Studiengebühren locker geschlossen werden. Die Höhe kann man im internationlaen Vergleich mit sehr moderat beschreiben.

Weiters sind Zugangsbeschränkungen in Form von Eignungstest in allen Fächern einzuführen. Wenn 1.000 Plätze vorhanden sind, werden eben die Besen 1.000 genommen - egal ob M/W auf die LEISTUNG muss es ankommen.

Re: Wenn man das durchrechnet

Die "alten" Studiengebühren gibt es eh bei den meisten Unis ab diesem Semester wieder. Ich persönlich wage zu bezweifeln, dass man das Budgetloch damit stopfen kann.

Antworten Antworten Gast: TI36
01.10.2012 08:38
0 0

Re: Re: Wenn man das durchrechnet

Ich war der Meinung die kommen nur für 3. Staaten und für Langzeitstudenten. Die Masse zahlt nicht - hat sich das geändert?

Re: Re: Re: Wenn man das durchrechnet

Nicht, dass ich wüsste. Mangels einer rechtlichen Vorgabe führen die Unis die Studiengebühren, wie sie vor der Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof üblich waren, wieder ein.

http://www.wien-konkret.at/soziales/bildung/universitaet/studiengebuehren/

Die Lowsung ist Studiebeitraege UND Zugangsbeschraenkungen!


Re: Die Lowsung ist Studiebeitraege UND Zugangsbeschraenkungen!

Nicht unbedingt. Denn die Lehrveranstaltungen müssen sowieso stattfinden, egal, ob jetzt 100 oder nur 30 Studenten im Hörsaal sitzen. Somit erspart man sich zumindest bei den Personalkosten bzw. den Kosten für das Lehrangebot dadurch rein gar nichts.

Auch die Kosten für die Gebäude werden dadurch nicht weniger - es handelt sich eben, wie im Artikel steht, um Fixkosten, nicht um variable Kosten.

Re: Re: Die Lowsung ist Studiebeitraege UND Zugangsbeschraenkungen!

die stammtisch-leut haben halt kaum ahnung wie sich kosten zusammensetzen...

und wenn die unis ihre vorlesungen online den studenten zugaenglich machen, dann koennen auch jene die zur vorlesungszeit arbeiten muessen die vorlesung "besuchen" und ihre pruefung am semesterende regulaer schreiben. es wird immer studid geben, die lieber im hoersaal als vorm pc sitzen, der aufwand ist nicht unbedingt hoeher fuer die unis. aber der "teilzeitstudent" hat die chance schneller abzuschliessen. was evtl. kosten senken koennte fuer die unis.

allerdings faend ich 30 euro pruefungsgebuehr vollkommen in ordnung - als ansporn fuer die studis, als kostenersatz fuer kopien, beaufsichtigung oder anmietung externer pruefungsraeume (bei uns an der uni der fall).
kann man ja auch auf nem matrikelnummerbezogenen konto sammeln und nach studienende faellig machen, wem's doch zu teuer ist waehrend dem studium.

Re: Re: Re: Die Lowsung ist Studiebeitraege UND Zugangsbeschraenkungen!

Und zum Thema Vorlesungen als Streams: da wurde den staunenden Studenten an der Anglistik explizit gesagt, dass das nicht gewünscht ist.

Denn jetzt gibt es für eine bestimmte Vorlesung (gehört zur STEOP) 2 Professoren, die sie zu verschiedenen Zeiten abhalten (damit die Studenten wählen können, wann sie hingehen). Gäbe es ein Streaming, könnte man einen Professor einsparen. Und das ist seitens der Vortragenden natürlich nicht gewünscht.

Und wer arbeitet, hat eben Pech gehabt, der kann das halt nicht studieren.

So realitätsbezogen ist man an den Unis zum Teil.

Re: Re: Re: Die Lowsung ist Studiebeitraege UND Zugangsbeschraenkungen!

Ich kanns ja auch gerne erklären, für die, die es nicht wissen ;):

Gesamtkosten = Fixkosten + variable Kosten

Fixkosten sind jene Kosten, die unabhängig von der Nutzung anfallen und konstant bleiben. (Beispiel: Miete. Die Miete ist immer gleich hoch, unabhängig davon, ob nun 3 oder 5 Leute in der Wohnung leben).

Variable Kosten sind abhängig von Bezugsgrößen und ändern sich mit der Änderung selbiger (Beispiel: je länger die Lampe an ist, desto mehr Energie wird verbraucht und desto mehr Kosten fallen an).

30 EUR finde ich zuviel als Prüfungsgebühr. Ein Prüfungsbogen besteht nur aus einem Bogen mit Fragen, bei sehr umfangreichen Prüfungen sind es vielleicht max. 5 bedrückte Bögen. Der Rest sind leere Seiten, damit man die Antworten draufschreiben kann. Eine Kopie kostet vielleicht 10 Cent. D.h. die Kopierkosten betragen nicht einmal einen EUR.

5 EUR Prüfungsgebühr wären angemessen.

4 2

Geld für Griechenland

Hauptsache unser Staat hat das Geld für die Griechenlandhilfe, den Rettungsschirm und die EU, aber Geld für das eigene Volk hat er nicht.

Wie wär es mit höheren Studiengebühren für Ausländer, einen Numerus Clausus für die Deutschen, die zahlen bei uns keine Steuern und kosten dem Staat eine ganze Menge und mit Studiengebühren für Bummelstudenten.

Ich wollte in den USA studieren, es blieb beim Traum, denn ich konnte mir das finanziell nicht leisten, in den USA wird man kräftigst zur Kasse gebeten. Neben den hohen Studiengebühren wäre noch eine hohe Kaution fällig gewesen.

Re: Geld für Griechenland

aber die deutschen (und alle anderen) zahlen bei uns ihre steuern auf wohnen, essen, buecher, etc. etc.

viel mehr zahlt der 20jaehrige oesterr. durchschnittsstudent auch nicht...

erst dann, wenn der akademiker fertig ist und arbeiten geht, dann zahlt er mehr steuern. und selbst da ists nicht sicher, ob bspw. ein student der metallurgie in oesterreich bleibt oder ob er sieht, dass er mit dieser ausbildung im ausland hoehere berufsaussichten und gehaltsaussichten hat. dann geht auch der oesterreicher und zahlt keine steuern.

man muss das schon ein bissl differenzieren, find ich.

(ebenso kanns auch sein, dass der deutsche sein glueck in oesterreich findet/fand und hier bleibt, eine familie gruendet und unmengen an steuern hier laesst)

mich wuerden mal statistiken zu diesem thema interessieren. wer in den 10 jahren nach studienabschluss wohin geht/bleibt/... (kurz danach kann jeder mal abhanden kommen -> praktikum, stelle annehmen doch nicht moegen und wiederkommen ,...)

0 0

Re: Geld für Griechenland

es wird wohl auch bei jedem beliebigen artikel griechenland erwähnt! aber die demos der studenten der letzen 5 jahre für eine gebührenfreie uni regt keinen mehr auf! solche slogans wie die unibrennt sind zumindest genau so irritierend wie die arbeitslust der griechen, aber noch lange nicht wie die aussagen "kostenlose bildung für alle"!

 
1 2

Schlagzeilen Bildung