Wien. Die heimischen Uni-Rektoren werden immer lauter. Nun fordern sie nicht nur mehr Geld, sondern wehren sich auch gegen eine bereits beschlossene Zweckwidmung eines Teils ihres Budgets. Sowohl die 450 Millionen Euro aus dem Strukturfonds als auch die Offensivmittel (240 Millionen Euro) sollten Teil des Grundbudgets werden. Diese Forderung werden die 21 Uni-Chefs beim Sonderplenum heute, Montag, direkt an Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) richten.
Stimmt dieser nicht zu, die Mittel aus der Hochschulmilliarde leichter zugänglich zu machen, könnten die Unis in den nächsten drei Jahren nicht einmal den Status quo aufrechterhalten, warnt Rektorenchef Heinrich Schmidinger. In der Praxis würde die Umwidmung des Budgets einiges ändern. War es doch das Ziel des Wissenschaftsministeriums, mit dem Strukturfonds ein neues „Schärfungsmittel“ einzuführen. Die 450 Millionen Euro sollten nämlich nur dann ausbezahlt werden, wenn die Universitäten gewisse Kriterien erfüllen. So sollten die Unis die Zahl der inaktiven Studenten abbauen, mehr Absolventen hervorbringen, häufiger Kooperationen eingehen und Drittmittel aus der Wirtschaft sowie von Privaten akquirieren. Würden die 450 Millionen Teil des Grundbudgets werden, müssten diese Kriterien nicht erfüllt werden.
Schmidinger verteidigt seinen Vorstoß: Die Umstrukturierung der Mittel sei notwendig, „weil es insgesamt nicht mehr Geld gibt“. Den Universitäten würden in den nächsten drei Jahren rund 600 Millionen Euro fehlen. Brisant sind die Forderungen vor allem deshalb, da die Rektoren derzeit mit dem Wissenschaftsministerium ihr Budget für die Jahre 2013 bis 2015 verhandeln. Eine Budgetblockade haben die Rektoren bislang zwar nie ausgeschlossen, klares Ziel sei aber eine Einigung, so Schmidinger („Ein Nichtabschluss wäre für uns ein Nachteil“).
Auch Burgstaller will mehr Mittel
Mehr Geld für Unis forderte gestern auch Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) in der „ORF-Pressestunde“. Konkret sollten die Hochschulausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht werden (derzeit 1,44 Prozent, siehe Grafik). Finanziert sollte das durch eine Vermögens- bzw. durch eine Finanztransaktionssteuer werden. Die Erträge sollten für Bildung, Forschung, Unis zweckgewidmet werden.
Forum Bildung Seiten 19-22
Die Hochschulmilliarde, exakt sind es 990 Millionen Euro, wurde Ende 2011 beschlossen. Davon sind 450Millionen Euro Teil des Strukturfonds. Die Ausschüttung dieses Geldes hängt mit der Erfüllung gewisser Kriterien zusammen. So soll die Zahl der aktiven Studenten erhöht werden. Hinzu kommen 240Millionen für spezielle Schwerpunkte. Das Grundbudget für 2013–2015 wird jährlich um 100 Millionen Euro erhöht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)
Richtig weiblichDie Top Ten der 'Frauenstudien'
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











