Wien. Sie treten selten öffentlich auf – und sind dennoch mächtige Gremien: die Uni-Räte. Sie wählen den Rektor – und können ihn auch abberufen. Die Strategie der Universität muss durch ihre Hände gehen, ebenso wie der Rechnungsabschluss. Je fünf Jahre sind die Räte im Amt, bis Ende Februar müssen sie nun, überhaupt erst zum dritten Mal, neu bestellt werden. Vielerorts werden die Karten völlig neu gemischt. Denn ob sie sich bewährt haben oder nicht – rund ein Drittel der 142 Ratsmitglieder muss allein deshalb ausscheiden, weil (an ein und derselben Uni) nur zwei Amtsperioden erlaubt sind. Darunter sind durchaus prominente Persönlichkeiten.
Fix nicht mehr bestellt werden kann der wohl bekannteste heimische Uni-Rat, der Ex-SPÖ-Politiker Hannes Androsch, zehn Jahre lang Ratsvorsitzender an der Montanuni Leoben. Auch an der Universität Wien muss der oberste Rat gehen, Nationalbank-Vize Max Kothbauer. Aufgrund der Zehnjahres-Regelung scheiden auch an der WU zwei prominente Räte aus: der ehemalige Nationalbankchef Klaus Liebscherund die Ex-ORF-Generalin Monika Lindner. An der TU Wien muss unter anderem Siegfried Sellitsch ausscheiden, Ex-General der Wiener Städtischen, an der Uni Graz der Industrielle Werner Tessmar-Pfohlund Ex-OGH-Chefin Irmgard Griss. An der Wiener Boku geht Agrana- Vorstandschef Johann Marihart.
Ebenfalls bereits zwei Perioden haben die Medienkünstlerin Valie Export(Kunstuni Linz), Ex-ORF-Finanzchef Peter Radel (Mozarteum) und Gabriele Fischer, Leiterin der Wiener Drogenambulanz. Letztere stand als Rats-Chefin an der Medizin-Uni Innsbruck zuletzt öfter in der Öffentlichkeit als ihr wohl lieb war. An der Uni Linz räumt Ex-Raiffeisen-Oberösterreich-General Ludwig Scharinger seinen Sessel. Wie es heißt, dürfte der große Einfluss der Raiffeisen auf die Uni aber gewahrt bleiben – auf Scharinger dürfte wieder ein Bankenvertreter folgen.
Doch was muss ein Uni-Rat eigentlich können, welche Kompetenzen braucht das gesamte Gremium? Das Gesetz ist wenig spezifisch: Bestellt werden können Personen, die „in verantwortungsvollen Positionen in der Gesellschaft tätig sind oder waren“ und die einen Beitrag zur Erreichung der Ziele und Aufgaben der Uni leisten können. Laut Markus Schwarz, Berater bei „Egon Zehnder International“, der für Unis in Österreich und Deutschland tätig ist, ist die richtige Mischung von Personen zentral. Denn der Unis-Rat müsse – neben seiner Kontrollfunktion in finanziellen Dingen – mehrere, sehr unterschiedliche Bereiche abdecken: Wissenschaft und Lehre, Wirtschaft und Arbeitsmarkt – und den Bezug zur Gesellschaft.
„Bei letzterem Punkt gibt es Aufholbedarf“, sagt Schwarz. Man habe in einem ersten Schwung offenbar versucht, viel Wirtschaftskompetenz in die Uni-Räte hineinzubringen – genauso wichtig sei aber, dass diese Gremien auch eine breite Gesellschaftskompetenz mitbringen – etwa durch Personen aus NGOs und aus Medien.
Diversität des Rats ist zentral
Lob gibt es von Schwarz daher für die Uni Salzburg, die (neben der Kunstuni Graz und der Montanuni Leoben) ihre Räte bereits bestellt hat – darunter ORF-Redakteur Michael Mair. „Am Puls der Gesellschaft zu sein ist notwendig.“ Auch die Politik, so Schwarz, sei natürlich ein solcher gesellschaftlicher Faktor – abgebildet etwa in Leoben: neben dem Ex-Rektor der TU Wien, Peter Skalicky, wird auch die frühere steirische ÖVP-Landeschefin Waltraud Klasnic im dortigen neuen Uni-Rat vertreten sein. „Wichtig ist, Uiversität in der Zusammensetzung des Rats zu wahren.“
An 19 Unis steht die Nominierung noch aus. Nachdem der jeweilige Senat zwei bis vier Personen entsendet hat, kürt die Regierung dieselbe Zahl. Die Mitglieder bestellen gemeinsam eine weitere Person – insgesamt sitzen fünf, sieben oder neun Personen im Rat. Es gilt eine 40-prozentige Frauenquote. Amtsantritt ist am 1. März 2013.
Übrigens: Der Uni-Rat ist das einzige Gremium, das sein Gehalt selbst bestimmen darf. Je nach Uni variiert das beträchtlich: An der Uni Wien verdient ein einfaches Mitglied derzeit 600, der Ratsvorsitzende 1000 Euro pro Monat. An der Med-Uni Innsbruck drei Mal so viel, nämlich 2000 bzw. 3000 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)
Richtig weiblichDie Top Ten der 'Frauenstudien'
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











