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Uni-Rektoren sind wieder "entspannt": Budgetpläne wurden falsch verstanden

08.10.2012 | 18:07 |  BERNADETTE BAYRHAMMER UND JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Die jüngsten Forderungen der Uni-Chefs beruhten offenbar auf einem Missverständnis. Entwarnung will der Rektorenchef Schmidinger aber noch nicht geben. Die finanzielle Situation der Unis bleibe weiter angespannt

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Wien. Geklagt, gewarnt und gar gedroht hatten die heimischen Uni-Rektoren in den vergangenen drei Wochen: Ihre Budgets seien viel zu niedrig – zuletzt war von einem Loch in der Höhe von 200 Millionen Euro pro Jahr die Rede –, man überlege gar, die Verhandlungen mit dem Ministerium zu blockieren. Nun ist plötzlich alles anders: Die Lage sei „erheblich entspannt“ – und das, obwohl an den Budgets nicht im Mindesten gerüttelt wird. Vielmehr dürfte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) den Uni-Chefs bei ihrer gestrigen Krisensitzung noch einmal erklärt haben, wie denn die Budgetvergabe eigentlich funktioniert. Fazit: Die 21 Uni-Chefs dürften sich schlicht vertan haben. Man habe in der Sitzung nun ein „sehr wesentliches Missverständnis aufgeklärt“, sagte Rektorenchef Heinrich Schmidinger zur „Presse“. Mehr als peinlich. Denn auf diesem Missverständnis basierten alle der jüngsten Forderungen.

Doch von vorn: Umstritten war zuletzt vor allem der „Strukturfonds“ in Höhe von 450 Millionen Euro, ein Teil der angekündigten Hochschulmilliarde. Das Geld soll in den kommenden drei Jahren leistungsbezogen an die Unis verteilt werden. Diese Form der Finanzierung war sogar mit den Rektoren abgesprochen. Das Problem: Die Uni-Chefs nahmen an, dass sie die aus diesem Topf erhaltenen Gelder auch zweckbezogen ausgeben müssten. Sie gingen also davon aus, dass sie zusätzliches Geld, das sie etwa als Belohnung für die Erhöhung der Absolventenzahlen erhalten, wiederum in diesen Bereich investieren müssen. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Das war nie der Plan des Ministeriums. Das Geld wird zwar nach gewissen Kriterien vergeben, die Verwendung der Mittel obliegt aber den Universitäten – sie können damit also auch Löcher im Grundbudget stopfen.

Die Konsequenz: Auch die Berechnung, dass den Unis jährlich 200 Millionen Euro im laufenden Betrieb fehlen, stellt sich damit als falsch heraus. Abzüglich des Geldes aus dem Strukturfonds bleibt ein Loch von 50 Millionen Euro pro Jahr.

 

Kollektive Budgetblockade hinfällig

Würden die Mittel aus dem Strukturfonds nicht ins Globalbudget fließen, hätte das Budget auf keinen Fall gereicht, so Rektorenchef Schmidinger. „Die Unis haben die Regelung immer viel enger ausgelegt.“ Es sei ihnen auch nie anders kommuniziert worden. Die Rektoren gingen also davon aus, dass sie beim Budget viel weniger Spielraum hätten, um Fixkosten abzudecken oder Indexanpassungen zu finanzieren. Das ist nun anders: „In Summe gibt es zwar nicht mehr Geld. Die Unis können aber innerhalb des Budgets und seiner Verwendung flexibler werden.“

Hinfällig ist auch die Drohung der Rektoren, kollektiv die Unterschrift unter die Leistungsvereinbarungen zu verweigern – dies hätte in der gestrigen Sitzung Thema sein sollen. Schmidinger: „Die Uni-Rektorate können auf Basis des heutigen Gesprächs die Verhandlungen fortführen.“

Entwarnung will der Rektorenchef aber noch nicht geben. Die finanzielle Situation der Unis bleibe weiter angespannt, sagt Schmidinger. Die Gestaltungsspielräume würden auch weiterhin nicht groß sein. Unter anderem, weil ein anderer Teil der Hochschulmilliarde – konkret die 240 Millionen Euro an Offensivmitteln – tatsächlich zweckgebunden verwendet werden muss. Und zwar für eingereichte Projekte im Bereich der Massenfächer sowie der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Technik, Naturwissenschaften und Technik).

Am Ende der Verhandlungen zu den neuen Leistungsvereinbarungen, also den Uni-Budgets für die kommenden drei Jahre, werde jede Uni für sich sagen müssen, ob die Mittel ausreichen, so Schmidinger: „Ich kann nicht ausschließen, dass die eine oder andere Uni sagt: Es reicht nicht.“ Die Budgets sollen am 1.Jänner in Kraft treten.

Auf einen Blick

Uni-Budget. Die Rektoren drohten in den vergangenen Wochen mit einer Blockade des Budgets. Denn den Unis würden rund 600 Millionen Euro fehlen, so der Rektorenchef. Außerdem forderten sie einen leichteren Zugang zu den Mitteln aus der Hochschulmilliarde. Nun steht fest: Die Situation ist weniger schlimm als gedacht. Es handelte sich um ein Missverständnis.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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14 Kommentare
Gast: NocheinParteiloser
09.10.2012 13:25
0 0

300 Mio. Euro pro Jahr sind dann +8%!


Die realen Kosten für die Unis sind ja schon lange den Realeinkommen der Bürger davon gelaufen, jetzt noch mehr!

Berechnung auf Basis des VPI.

Nettoeink Median./ Unikosten
2000:........102,5% / 81,4%
2001:........100,7% / 83,5%
2002:........101,1% / 86,3%
2003:.........99,7% / 83,5%
2004:.........99,3% / 94,7%
2005:........100,0% / 100,0%
2006:........100,3% / 103,0%
2007:........100,9% / 109,2%
2008:..........99,9% / 108,2%
2009:........102,5% / 113,8%
2010:........100,9% / 122,9%

Die Nettoeinkommen der Ö sind um 1,6% gefallen, die Unikosten aber um satte 51% gestiegen!

Der Hammer ist aber, dass noch immer keine Leistung von den Unis gefordert werden darf!

Unikosten in % des BIP
2000: 0,95%
2001: 0,97%
2002: 0,99%
2003: 0,95%
2004: 1,06%
2005: 1,09%
2006: 1,08%
2007: 1,11%
2008: 1,10%
2009: 1,19%
2010: 1,26%

0,31% vom BIP sind zusätzliche 930 Mio. Euro pro Jahr. Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder und immer wieder!

Den Rektoren muss es doch die letzten Sicherungen durchgebrannt haben, wenn diese von den Bürgern Österreichs immer noch mehr Gelder (=Zwangsabgaben = Zwangsleistungen!) fordern.

Die Bürger gehen auch immer mehr in die Armut und Armutsgefährdung wie der Vergleich der Armutsbereichte 2000 zu 2010 auch deutlich aufzeigt.

Die Verantwortlichen werden erst zur Besinnung kommen, wenn kein Depp mehr die Staatsanleihen zeichnet. Dann werden diese Typen nur auf die Banken schimpfen, eigenes Versagen bleibt ausgblendet!

Theater

Dezenter Hinweis - das ganze war ein Theater zweier Amateure, die gerne auf Profi machen wollten - also von Töchterle und Schmiedinger. Ich würde schon sehr bitten in Zukunft die Universitäten weniger zu blamieren. Und ein bisserl war es ja auch als Aktion gegen die Universität Wien geplant - oder ? Beim nächsten Mal fragen sie bitte Profis !

Re: Theater

Das Problem von Oesterreicht ist, dass es hier zu viele Interessengruppen gibt, die sich gegenseitig kaempfen anstatt sich gegenseitig helfen und gemeinsam kämpfen!
Sie als Gewerkschafter, argumetieren staendig gegen Rektoren und den Minister. Die SPOE verteidigt die uralte und ruckstaendige Unipolitik. Die pimplige OEH (sollte eigentlich eine Dienstleistungsorientierte Org. sein) ist momentan eine linke, politische Organisation, die ebenfalls fast die gleiche Werte verteidigt wie Sie und die SPOE. Also bitte, wer und wo sind, ihrer Meinung, die Profis?

Re: Re: Theater

sicher nicht bei den von ihnen genannten organisationen

Re: Re: Theater

argumentiere gegen den Minister - bei den Rektoren gegen Schmiedinger ! manche der Rektoren sind bemüht. Mir persönlich sind in der Hochschulpolitik Menschen wichtig, die Visionen haben - Altrektor Winckler war so einer - auch wenn mir persönlich seine Visonen nicht gefielen

Außerdem wollen die ÖVP und Gleichgesinnte anscheinend auch der Kultur den Garaus machen.

Denn studiert soll nur mehr das werden dürfen, was der Wirtschaft, insbesondere der Industrie, nützt. Die Geisteswissenschaften (Germanistik u. dgl., Geschichte, Geographie, Musik, Malerei, Bildhauerei, Literatur, Theater, Politik, Psychologie usw. usw. usw. sollen nur mehr so viele Leute studieren dürfen, wie benötigt werden. Also nur eine Handvoll. Und die wenigen, die das dürften, sollten außerdem sofort nach Abschluss des Studiums berühmt sein oder viel verdienen.

Eine möglichst breite Schicht von Menschen, welche für die Kultur und Allgemeinbildung eines Landes wichtig sind, darf es nicht mehr geben. Wobei übrigens sowieso mehr als 90% dieser Geisteswissenschafter umlernen und anderen Berufen nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie übrigens auch viele Naturwissenschafter. Sie alle sind aber trotzdem eine Bereicherung für das Volk.

Bei den Studiengebühren betreiben die ÖVP und ihre Anhänger übrigens Gleichmacherei. Während sie bei Einkommen absolut nichts dagegen haben, dass unglaubliche Gehälter und Zulagen für Macher und Absahner bezahlt werden, finden sie es hingegen durchaus richtig, dass solche Leute nicht mehr als ca. 350 Euro pro UNI-Semester bezahlen. Also genauso viel wie die unterste Mittelschicht, die auch schon diesen Betrag zahlen muss. Hier ist also Gleichmacherei durchaus im Sinne der ÖVP und Gleichgesinnter. Die Unis brauchen ja eh nicht größere finanzielle Beiträge von den Leuten, die wesentlich mehr zahlen könnten. Nicht wahr?

Re: 1 von 2

Also ich weiß gar nicht wo ich bei diesen Mimimimi-Kommentar ansetzen soll. Die Universitäten waren immer Ausbildungsorte und keine Bildungsstätten. Wer studiert möchte mit seinem Studium Geld verdienen und dies gilt ebenfalls für geisteswissenschaftliche Studienrichtungen. Nebenbei ist das Niveau der Geisteswissenschaften am Nullpunkt angekommen, dank Gender und andern linken Ideologien, habe ich im Privatissimum selbst erlebt. Dass Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen notwendig sind, sieht man nicht nur an den Massen von Studenten, sondern auch daran, dass sämtliche Ausbildungsabschlüsse nach unten nivelliert werden. Bsp. Für Zeichenaufgaben im Baugewerbe gab es früher den gelernten Bautechnischen Zeichner, heute muss man mindestens eine HTL-Matura haben und in vielen Architekturbüros sitzen nur noch Diplomingenieure, die nur zeichnen, aber dafür haben sie studiert. Großartig. Leute mit Lehre sind wertlos, mit mittlerer Ausbildung geht gerade noch und zur Kompensation dieser Entwertung werden Hochschulabgänger verwendet. Vermutlich der Eitelkeit wegen.
Das Argument der sozialen Selektion, d. H. dass mit Studiengebühren weniger Arbeiter und Unterschichtkinder studieren, ist wohl das lächerlichste wie man an der niedrigen Studentenanzahl aus dieser Schicht sieht und das bei einem seit mehr als dreißigjährigen freien Hochschulzugang. Hier werden die armen Menschen (wie immer) instrumentalisiert, um Privilegien einer besseren Schicht aufrecht zu halten.

Antworten Antworten Gast: gerda
08.10.2012 11:55
0 0

Re: Re: 1 von 2

Leider kam es in den letzten Jahren zu einer Nivellierung nach unten beginnend bei den Schulen. Daher muss es möglich sein sich seine Studenten aussuchen zu dürfen. Bei allen Rankings gewinnen jene Unis die ein streges Auslesekriterium anlegen.

Re: Re: 2 von 2

Das Problem liegt nicht an Studiengebühren sondern an der frühen Selektion, die sich durch neun Jahre Pflichtschule ausdrückt.
Das Argument, dass Leute, die die Meisterprüfung machen, arbeiten und es sich damit eh leisten können, stellt eine Verhöhnung sondersgleichen dar. Denn auch Studenten können nebenbei arbeiten und sich ihr Studium selbst finanzieren, was viele auch tun, aber oft eher um den von zuhause aus gewöhnten Lebensstandard beizubehalten.

Antworten Gast: Knaller
08.10.2012 10:17
0 1

Re: Außerdem wollen die ÖVP und Gleichgesinnte anscheinend auch der Kultur den Garaus machen.

Studium braucht nicht nur der Selbstverwirklichung dienen. Daher ist es klar, dass Studenten das studieren sollen, was eine hohe Jobchance bietet. Wer als "Hobby" studiert, etwa auch ältere Leute, die nie mehr ins Berufleben einsteigen werden, soll mehr zahlen. Dass ALLE zahlen sollten wird in Kürze ohnedies zur Realität.

Gabi Burgstaller und die Vertreter von ORF und Salzburger Nachrichten haben in dieser Diskussion wieder einmal bewiesen, dass sie in Bezug auf die Studiengebühren absolut keine Ahnung haben:

Wenn Burgstaller nicht versteht, dass für die Meisterprüfung so viel bezahlt werden müsse, aber für das Studium nicht, und die anderen Ahnungslosen dieser ORF-Runde beifällig nicken, zeugt das von haarsträubendem Unwissen.

Die Gesellen und Facharbeiter, die eine Meisterprüfung machen wollen, stehen voll im Berufs- und Erwerbsleben, können daher mit ihren Einkommen diese Ausbildung bezahlen, ohne den Eltern auf der Tasche zu liegen. Wie sie auch die anderen Dinge des täglichen Lebens selbst bezahlen können.

Während die Studenten ihren Eltern mit Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Kleidung, Ausgaben für Fahrten, Taschengeld, Studienmittel usw. usw. gewaltig auf der Tasche liegen!!!
Dass das die selbsternannte, christliche Familienpartei ÖVP und Gleichgesinnte nie zu wissen scheint, überrascht ja nicht, aber eine hochrangige SPÖ-Politikerin sollte das schon wissen.

Daher eine für die ÖVP und Gleichgesinnte in den anderen Parteien eine kostenlose Auskunft: Die Gesellen und Facharbeiter, die voll im Erwerbsleben stehen, sind keine Sozialfälle! Die Studenten aber schon! Wenn es geht, also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

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Rettunsschirm für Unis

und Unternehmen!

Gast: Auflagen wichtig
07.10.2012 22:49
0 2

Griechisches Dilemma

Leider versickert an zu vielen Unis zu viel Geld ohne klaren Plan. Den Unis Steuergeld bedingungslos in das Globalbudget zu schieben, erinnert an das griechische Dilemma: Da braucht jemand wirklich mehr Geld, um Impulse zu setzen, aber man fragt sich auch, wo das bisherige Geld versickert ist - und warum das mit Extrageld plötzlich klappen sollte...

komisches Land

Man spart die Bildung zu Tode und gibt anstelle Geld für Reformen aus, die keine sind. danach wundert man sich, dass Ö im Vgl schlecht abschneidet.
man redimensioniert die Unimittel, dann stellt man fest, man hat zu wenig Akademiker, dann wundert man sich, dass nur wenige Ö studieren wollen. Gebühren ja nein ja nein, was jetzt?
Dann kürzt man Sportunterricht, wo es nur geht und wundert sich, dass ö Jugend immer unsportlicher und dicker wird!
Nur im Rauchen in der U25 samma stoak!
Bei diesen Gehirnakrobaten, die in der Regierung sitzen, wird sich auch nicht viel ändern. Viell wäre mal ein positives Budget anzustreben. Aber das haben die Korruptionäre in den letzten Jahrzehnten nicht geschafft. Wahl 2013... Wen kann man noch wählen?! Saubande, alle miteinander!

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