[Innsbruck/Wien] „Man sollte gemeinsam als eine Universität nach außen auftreten.“ Und: „Insgesamt erscheinen [. . .] die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit durch eine Fusion – nicht zuletzt in administrativer Hinsicht – vereinfacht.“ Es sind Sätze wie diese, die sich durch ein geheimes Strategiepapier von Uni und Medizin-Uni Innsbruck ziehen. Und damit keinen Zweifel lassen: Die umstrittene Fusion der Innsbrucker Unis dürfte bald Realität werden.
Die Zusammenlegung würde einen Wendepunkt in der heimischen Hochschulpolitik bedeuten: Es wäre die erste Fusion zweier autonomer Unis in der Geschichte. Nicht nur für Kritiker der Ausgliederung der drei Med-Unis in Wien, Graz und Innsbruck wäre sie Wind in den Segeln. Immer wieder heißt es, 21 Unis seien zu viel für ein so kleines Land. Diese Debatte könnte erneut Fahrt aufnehmen.
Die Spitzen der Uni Innsbruck und der Tiroler Landeschef Günther Platter (ÖVP) sind Verfechter der Fusion. Uni-Minister Karlheinz Töchterle verweist zwar auf die Uni-Autonomie, gilt aber als Triebfeder hinter der Aktion. Die Befürworter erwarten sofortige Verwaltungseinsparungen von einer Million Euro pro Jahr. In internationalen Rankings solle die Uni steigen.
Zuletzt kam es zwar zu Annäherungen, dennoch scheiterte die Fusion bisher an der Med-Uni, die konsequent an der Verbesserung ihrer Strukturen arbeitet. Auf Erfolge verweist man etwa bei der Eigenmittelquote. Man sei 2004 bei der Ausgliederung mit einer negativen Eigenmittelquote gestartet. Mittlerweile liege sie bei 13,3 Prozent (Jahr 2011). Jene der Universität Innsbruck sei im Vergleichszeitraum hingegen von 15,3 auf 5,4 Prozent gesunken. Auch die Verwaltung sei effizienter organisiert als an der Uni Innsbruck.
Umso überraschender die klaren Worte in dem internen Strategiepapier, das seit Juli von fünf Arbeitsgruppen (unter anderem zu den Themen Forschung, Struktur und Lehre) beider Unis ausgearbeitet wurde und der „Presse“ vorliegt. Besonderes Gewicht erlangt das Papier, da die zwei Rektoren Tilmann Märk (Uni) und Herbert Lochs (Med-Uni) bei den Gesprächen mit am Tisch saßen.
In einigen Bereichen wird der Bericht konkret: Die interne Struktur der Med-Uni solle vorerst erhalten bleiben. Statt eines Rektors gäbe es aber nur noch einen Vizerektor für Medizin, der „sein“ Budget mit dem Rektor verhandeln soll. Einführen wolle man auch ein „gemeinsames Haus der Verwaltung“. Derzeit bestehe „für beide Unis ein Bedarf zur Verwaltungsoptimierung“, heißt es in dem Papier. Derzeit gebe es „nahezu für jede Einrichtung an der einen Uni eine vergleichbare an der Schwesteruniversität“.
Bericht tendenziös verfasst?
Für Med-Uni-Chef Lochs, der derzeit um seine Wiederwahl bangt, kommt all das zur Unzeit. Die Kritik aus seinem Haus: Die Position der Med-Uni sei in dem Bericht nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben. Verantwortlich sei der Hauptverfasser: Uwe Steger, Sprecher von Uni-Chef Märk und Vertrauter von Minister (und Ex-Rektor) Töchterle. Steger habe den Bericht tendenziös verfasst.
Der Vorwurf: Der Uni Innsbruck stehe 2012 ein Budgetminus von acht Millionen Euro ins Haus. Auch für die kommende Budgetperiode schaue es nicht gut aus. Mit Hilfe der Fusion wolle sie sich sanieren. Töchterle soll der Uni für eine Fusion 20 Millionen Euro zusätzlich versprochen haben. Märk reagiert im „Presse“-Gespräch verärgert: Ja, die Uni werde heuer um vier bis fünf Millionen Euro negativ bilanzieren – allerdings geplant. In den Vorjahren habe man neun Millionen Euro an Rücklagen aufgebaut. Über die Leistungsvereinbarungsperiode 2010 bis 2012 werde man also sogar einen Budgetüberschuss von vier bis fünf Millionen Euro aufweisen.
Zum Bericht der Arbeitsgruppe will Märk nichts sagen. Klar sei: Je früher es zur Entscheidung komme, desto besser. Lochs ist über so manche Formulierung im Papier verärgert: „Es gibt keine ernst zu nehmende Gruppe an der Med-Uni, die sich für eine Fusion ausspricht.“ Er selbst sei beim öffentlichen Hearing vor dem Uni-Rat im Zuge der anstehenden Rektorswahl mit dem Konzept einer „strategischen Allianz“ angetreten. Die Idee: Beide Unis bleiben autonom, es soll aber ein gemeinsamer Universitätenverbund geschaffen werden, der mit den Rechten ausgestattet ist, die Strategien der beiden Unis zu koordinieren.
Für eine Fusion brauchte es eine Gesetzesänderung. Töchterle signalisierte bereits Bereitschaft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)
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