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Geheimpapier: Tiroler Unis befürworten Fusion

14.10.2012 | 16:45 |  Christoph Schwarz und Bernadette Bayrhammer (DiePresse.com)

Ein internes Strategiekonzept führender Uni-Vertreter bereitet den Weg für die Zusammenlegung von Uni und Med-Uni. Gegner vermuten ein falsches Spiel.

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[Innsbruck/Wien] „Man sollte gemeinsam als eine Universität nach außen auftreten.“ Und: „Insgesamt erscheinen [. . .] die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit durch eine Fusion – nicht zuletzt in administrativer Hinsicht – vereinfacht.“ Es sind Sätze wie diese, die sich durch ein geheimes Strategiepapier von Uni und Medizin-Uni Innsbruck ziehen. Und damit keinen Zweifel lassen: Die umstrittene Fusion der Innsbrucker Unis dürfte bald Realität werden.

Die Zusammenlegung würde einen Wendepunkt in der heimischen Hochschulpolitik bedeuten: Es wäre die erste Fusion zweier autonomer Unis in der Geschichte. Nicht nur für Kritiker der Ausgliederung der drei Med-Unis in Wien, Graz und Innsbruck wäre sie Wind in den Segeln. Immer wieder heißt es, 21 Unis seien zu viel für ein so kleines Land. Diese Debatte könnte erneut Fahrt aufnehmen.

Die Spitzen der Uni Innsbruck und der Tiroler Landeschef Günther Platter (ÖVP) sind Verfechter der Fusion. Uni-Minister Karlheinz Töchterle verweist zwar auf die Uni-Autonomie, gilt aber als Triebfeder hinter der Aktion. Die Befürworter erwarten sofortige Verwaltungseinsparungen von einer Million Euro pro Jahr. In internationalen Rankings solle die Uni steigen.

Zuletzt kam es zwar zu Annäherungen, dennoch scheiterte die Fusion bisher an der Med-Uni, die konsequent an der Verbesserung ihrer Strukturen arbeitet. Auf Erfolge verweist man etwa bei der Eigenmittelquote. Man sei 2004 bei der Ausgliederung mit einer negativen Eigenmittelquote gestartet. Mittlerweile liege sie bei 13,3 Prozent (Jahr 2011). Jene der Universität Innsbruck sei im Vergleichszeitraum hingegen von 15,3 auf 5,4 Prozent gesunken. Auch die Verwaltung sei effizienter organisiert als an der Uni Innsbruck.

Auf einen Blick
Fusionsdebatte. Die Medizin-Unis wurden von der schwarz-blauen Regierung 2004 aus ihren bisherigen Stammuniversitäten ausgegliedert, teils gegen große Widerstände. So sprach sich Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) schon in seiner Zeit als Rektor der Uni Innsbruck für die Wiedereingliederung der Med-Uni aus. Seit einem Jahr ist eine Fusion in Tirol ein heißes Thema. Während Uni-Rektor Tilmann Märk dafür ist, treten die Spitzen der Med-Uni aber auf die Bremse. Vertreter beider Unis haben nun einen Bericht erarbeitet. Fazit: Die Fusion erscheint sinnvoll. Für eine Umsetzung bräuchte es aber eine Gesetzesänderung.

Umso überraschender die klaren Worte in dem internen Strategiepapier, das seit Juli von fünf Arbeitsgruppen (unter anderem zu den Themen Forschung, Struktur und Lehre) beider Unis ausgearbeitet wurde und der „Presse“ vorliegt. Besonderes Gewicht erlangt das Papier, da die zwei Rektoren Tilmann Märk (Uni) und Herbert Lochs (Med-Uni) bei den Gesprächen mit am Tisch saßen.

In einigen Bereichen wird der Bericht konkret: Die interne Struktur der Med-Uni solle vorerst erhalten bleiben. Statt eines Rektors gäbe es aber nur noch einen Vizerektor für Medizin, der „sein“ Budget mit dem Rektor verhandeln soll. Einführen wolle man auch ein „gemeinsames Haus der Verwaltung“. Derzeit bestehe „für beide Unis ein Bedarf zur Verwaltungsoptimierung“, heißt es in dem Papier. Derzeit gebe es „nahezu für jede Einrichtung an der einen Uni eine vergleichbare an der Schwesteruniversität“.

Bericht tendenziös verfasst?

Für Med-Uni-Chef Lochs, der derzeit um seine Wiederwahl bangt, kommt all das zur Unzeit. Die Kritik aus seinem Haus: Die Position der Med-Uni sei in dem Bericht nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben. Verantwortlich sei der Hauptverfasser: Uwe Steger, Sprecher von Uni-Chef Märk und Vertrauter von Minister (und Ex-Rektor) Töchterle. Steger habe den Bericht tendenziös verfasst.

Der Vorwurf: Der Uni Innsbruck stehe 2012 ein Budgetminus von acht Millionen Euro ins Haus. Auch für die kommende Budgetperiode schaue es nicht gut aus. Mit Hilfe der Fusion wolle sie sich sanieren. Töchterle soll der Uni für eine Fusion 20 Millionen Euro zusätzlich versprochen haben. Märk reagiert im „Presse“-Gespräch verärgert: Ja, die Uni werde heuer um vier bis fünf Millionen Euro negativ bilanzieren – allerdings geplant. In den Vorjahren habe man neun Millionen Euro an Rücklagen aufgebaut. Über die Leistungsvereinbarungsperiode 2010 bis 2012 werde man also sogar einen Budgetüberschuss von vier bis fünf Millionen Euro aufweisen.

Zum Bericht der Arbeitsgruppe will Märk nichts sagen. Klar sei: Je früher es zur Entscheidung komme, desto besser. Lochs ist über so manche Formulierung im Papier verärgert: „Es gibt keine ernst zu nehmende Gruppe an der Med-Uni, die sich für eine Fusion ausspricht.“ Er selbst sei beim öffentlichen Hearing vor dem Uni-Rat im Zuge der anstehenden Rektorswahl mit dem Konzept einer „strategischen Allianz“ angetreten. Die Idee: Beide Unis bleiben autonom, es soll aber ein gemeinsamer Universitätenverbund geschaffen werden, der mit den Rechten ausgestattet ist, die Strategien der beiden Unis zu koordinieren.

Für eine Fusion brauchte es eine Gesetzesänderung. Töchterle signalisierte bereits Bereitschaft.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

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38 Kommentare
 
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Gast: Uwe Steger
15.10.2012 15:25
0 0

Falscher Eindruck

Um allen Mißverständnissen und Gerüchten vorzubeugen:
Der hier diskutierte Bericht basiert auf den Abschlussprotokollen der fünf Arbeitsgruppen und dem Protokoll des Abschlussplenums. Große Teile wurden sogar wörtlich übernommen. Der Endbericht wurde von einem Mitglied der Medizinuni und mir gemeinsam vorgelegt. Davor haben die Rektoren und andere in die Diskussion Involvierte beider Universitäten Anmerkungen dazu gemacht, die auch eingearbeitet wurden. Ich selbst war nicht Mitglied dieser Arbeitsgruppen, sondern habe mich auf die schriftlichen Ergebnisse dieser bezogen. Das war eine bewusste Entscheidung, um den Inhalt aus den Arbeitsgruppen im Vordergrund stehen zu lassen.
Im übrigen handelt es sich dabei um „work in progress“, das heißt, der Bericht sollte noch einmal diskutiert werden und war eigentlich auch nicht dafür vorgesehen, medial verhandelt zu werden. Das kann man auch der gemeinsamen Presseaussendung der beiden Universitäten vom vergangenen Donnerstag entnehmen (http://www.uibk.ac.at/public-relations/presse/archiv/2012/313/).

Antworten Gast: Miehe
15.10.2012 21:00
0 0

Re: Falscher Eindruck

Ja leider wird dieser medialer Zwischenfall die wohl ohnehin menschlich schwierigen Verhandlungen noch schwieriger machen. Schließlich gibt es gerade an Universitäten viele Personen mit überstarkem Ego (Professoren, Uniräte, Rektoren usw).

Es ist zu befürchten, dass die Entscheidung nicht auf objektiv erarbeitete Daten basieren wird - sondern eben auf Egos. Alles andere wäre überraschend.

Antworten Antworten Gast: Murksi
15.10.2012 23:06
1 0

Re: Re: Falscher Eindruck

Gewaltig! Das Ganze jetzt schon ein riesiger Murks!

Gast: Berger W2
15.10.2012 11:10
2 1

Med-Unis rückführen

und sofort die Verwaltung eingliedern. Da kann man drei unnötige Rektoren, dutzende unnötige Dekane und noch viel mehr unnötige Verwaltung einsparen.

Gast: Geheimpapier
15.10.2012 07:51
1 0

Der Inhalt des "Geheimpapiers"

ist einem großen eingeweihten Kreis bekannt. Nun soll Herr Uwe Steger Rede und Antwort stehen, weshalb er die Position der MedUni so dargestellt hat, wie er sie dargestellt hat.

Antworten Gast: Hurgola Kunzi
15.10.2012 11:06
2 1

Weil diese Darstellung

die einzig sinnvolle und vorteilhafte ist? Seien wir doch ehrlich: die Med-Unis gehören entsorgt, besser gestern als heute.

Antworten Gast: Erwin Otto Franz
15.10.2012 09:28
1 1

Die meisten Beteiligten

wollen eine Fusion. Herr Steger hatte den Mut, nicht auf die "Scharfmacher" zu hören, die dagegen sind und das ist gut so.

Antworten Antworten Gast: Scharfmacher
15.10.2012 10:18
1 1

Re: Die meisten Beteiligten

Die "Guten" sind immer der Meinung der Obrigkeit. Und die anderen sind die "Scharfmacher". Das hat in Tirol Tradition. Und wir wissen, was mit den "Scharfmachern" in Tirol in der Vergangenheit geschehen ist...

Antworten Antworten Gast: Protokollant
15.10.2012 09:39
1 0

Re: Die meisten Beteiligten

Herr Steger muss aber schon das protokollieren, was gesagt und vereinbart worden ist. Auch wenn er alles besser versteht als die Leute von der MedUni und natürlich nur zu ihrem Wohl gehandelt hat.

Antworten Antworten Antworten Gast: Irko Wirko
15.10.2012 11:02
0 1

Hat er ja,

nur passt IHNEN die Wahrheit nicht .....

Ich würde eine flasche Sekt aufmachen...

wenn die Ausgliederung der Medunis wieder rückgängig gemacht werden würde... und ich spreche aus Erfahrung...

Gast: hgfsdfpoi
14.10.2012 22:29
2 2

Universitätskooperation, aber keine Angliederung der Med Uni an Uibk

Es macht Sinn, die Med Unis nicht neuerlich den Universitäten anzugliedern. Man sollte den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Eine Universitätskooperation sollte ausreichend sein!

Antworten Gast: FUP2000
15.10.2012 11:04
2 1

Sinnlos hoch 3.

Kostet 3x (zwei Unis plus Kooperationsorgane); in den Rankings werden die Unis dennoch separat geführt (statt gemeinsam einen guten Platz zu erringen) und das Hauptmanko (extrem miese Organisation der Med-Unis) wird nich überwunden sondern sogar zementiert.

Antworten Gast: Gast2
15.10.2012 10:14
1 1

Re: Universitätskooperation, aber keine Angliederung der Med Uni an Uibk

Und am besten soll dann ein Kooperationsrat mit Kooperationsrektorat und Kooperationsverwaltungsstelle und Zentraler Kooperationsinformationsdienst gegründet werden?

Tut mir leid, aber "Kooperation" ist hier eine leere Worthülse - eine Umschreibung von "nix tun" (im besten Fall) oder "neue Versorgungsposten schafffen" (im schlechteren Fall)
Wenn dann Fusion mit schmerzhaften Einschnitten in der Verwaltung (an beiden bisherigen Unis).

International ist es einfach absolut üblich das ernstzunehmende(!) medizinische Institutionen Teil von Universitäten sind - das hat seine Gründe...

Antworten Gast: DrKK
15.10.2012 09:29
0 1

Das kostet nur Geld

und bringt nichts.

Bitte Frau Schmied, sofort sämtliche Rektoren entlassen.

Die müssen doch alle Ihr Vertrauen schon längst verloren haben!

Re: Bitte Frau Schmied, sofort sämtliche Rektoren entlassen.

nur was geht das die Frau Schmied an - und auch Töchterle könnte das nicht

Re: Bitte Frau Schmied, sofort sämtliche Rektoren entlassen.

grandiose forderung;)!

Gast: fischlein
14.10.2012 21:03
0 0

Gegner

Mich würde interessieren, was die sachlichen Argumente der "Gegner" einer Fusion sind.

Gast: Universität dem Namen nach
14.10.2012 19:40
4 3

na endlich

Zeit wird's, die völlig sinnlose Trennung wieder rückgängig zu machen, auch gegen den fruchtlosen Widerstand der derzeitigen Profiteure

Antworten Gast: Hütchenspiel
14.10.2012 21:35
2 1

Re: na endlich

Schieben wir das Hütchen hin und her. Die früheren Profiteure werden ihre Pfründe schon behalten. Und wir schaffen neue Profiteure.
War die Trennung sinnlos und eine Geldverschwendung so ist es jetzt die Fusion noch umso mehr. Aber ist ja egal: Geld ist ja genug da.

Gast: cc8
14.10.2012 18:25
6 4

Die Med-Unis

sind die grösste wissenschaftspolitische Mißgeburt der letzten 100 Jahre. Danken wir dem Rektor der Wr. Med-Uni für diese grandiose Idee, schliesslich ist er der Vater der Med-Unis.

Re: Die Med-Unis

400.000. € haben oder nicht haben im Jahr ist wohl ein Argument für gewisse Herrn

Antworten Antworten Gast: Hütchenspiel
14.10.2012 21:43
2 0

Re: Re: Die Med-Unis

Lassen wir dem Med-Uni Rektor als Uni-Vizerektor Med die 400.000, ach geben wir ihm nochmals 100.000 dazu, damit er die Zurückstufung verschmerzen kann. Und dem Rektor der Uni geben wir auch ein paar hunderttausend mehr. Das hat er ja so schön hinbekommen und er hat die Zusatzarbeit nicht gescheut. Und die übrigen Vizerektoren müssen dann natürlich ebensoviel verdienen wie der VR Med. Zahlt ja nur die autonome Uni. Und die krieg´s vom Bund. Und der führt dann Studiengebühren. Und wenn es überall durchregnet, gibt es noch einen Rettungsschirm.

Antworten Antworten Antworten Gast: Querolans
15.10.2012 09:32
0 1

Besagter Herr

möchte aber unbedingt Rektor sein und nichts darunter. Das ist - dem Vernehmen nach - auch der einzige Grund für die damalige Schaffung der Med-Unis gewesen.

Gast: Incorporationis
14.10.2012 17:49
4 1

Unglaublich!

Wenn das stimmen sollte, dass Uwe Steger die Position der MedUni im Abschlussbericht falsch wiedergegeben hat, dann wäredamit der gesamte gemeinsame Ausschuss delegitimiert! Wo leben wir denn eigentlich?

 
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