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Höchstrichter zweifeln an Uni-Gebühr

17.10.2012 | 18:19 |  von Philipp Aichinger und Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Der Verfassungsgerichtshof hegt grobe Bedenken wegen der autonomen Studienbeiträge. Ein Prüfungsverfahren gegen die Verordnung der Uni Wien wird eingeleitet. Die Rektoren machen Druck auf Minister Töchterle.

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Wien. Acht der 21 heimischen Universitäten heben derzeit in Eigenregie Studienbeiträge ein. Doch diesen Gebühren droht nun das Aus. Denn der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hegt grobe Bedenken wegen dieser Vorgangsweise. Am Mittwoch gaben die Höchstrichter bekannt, dass sie ein Prüfungsverfahren gegen die Verordnung der Uni Wien einleiten, mit der Studiengebühren vorgeschrieben werden. In 85 Prozent der Fälle hebt der VfGH am Ende eines solchen Verfahrens die Verordnung auf.

Politisch hätte das Folgen: Wenn die autonomen Studiengebühren fallen, müsste sich wieder die Regierung um eine Lösung des Problems bemühen.
Bisher rangen SPÖ und ÖVP nämlich vergeblich um politischen Konsens bei den Studiengebühren. Die alte Regelung war vom Höchstgericht wegen unklarer Formulierungen per Ende Februar 2012 gekippt worden. Eine Neuregelung scheiterte am politischen Konsens. Einige Unis kamen deswegen - unterstützt von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) - auf die Idee, autonom Gebühren einzuheben. Dabei zahlen, wie zuvor, Langzeitstudenten und Nicht-EU-Bürger. Doch ein Student der Uni Wien zog vor den Verfassungsgerichtshof.

Und dieser hegt nun gleich zweierlei Bedenken wegen dieser Verordnung, wie VfGH-Präsident Gerhart Holzinger erläuterte: So würden Finanzierung und Zugang zu Regelstudien einer „besonderen staatlichen Verantwortung" unterliegen und dürften nicht so einfach auf die Unis übertragen werden.
Zum anderen sehen die Höchstrichter einen Widerspruch zum Universitätsgesetz: Denn auch wenn Teile dieses Gesetzes per Februar aufgehoben wurden, seien im Gesetz noch Regeln zu Studienbeiträgen übrig geblieben. Der Gesetzgeber dürfte, so meint der VfGH, also selbst davon ausgehen, dass Studiengebühren weiterhin per Gesetz und nicht per Verordnung der Unis zu regeln sind.

Geld zurück für alle Studenten?

Die Richter prüfen die Verordnung in den nächsten Monaten. Kippen sie diese tatsächlich, müsste jedenfalls der Student, der Klage erhoben hat, keine Beiträge zahlen. Uni-Wien-Rektor Heinz Engl kündigte zudem an, im Fall einer Verfassungswidrigkeit allen Betroffenen freiwillig die eingezahlten Gebühren rückzuerstatten, das Geld wurde auch bislang nicht angerührt, sondern - ob der unklaren Lage - rückgestellt. Auch auf andere Unis wird das Verfahren Auswirkungen haben - obwohl es formell nur die Uni Wien betrifft. Aus dem Büro von WU-Rektor Christoph Badelt etwa heißt es: Wenn ein Urteil des VfGH auf seine Uni übertragbar sei, zahle auch die WU das Geld zurück, man strebe nicht unbedingt ein eigenes Verfahren an.

Unendliche Geschichte: Der Streit um die Studiengebühren

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Unangenehm könnte die Lage jedenfalls für Wissenschaftsminister Töchterle werden. Mit Hinweis auf ein Gutachten des Wiener Jus-Dekans Heinz Mayer hatte der Minister die Unis in der Vergangenheit bei jeder sich bietenden Gelegenheit dazu aufgerufen, autonom Gebühren einzuheben. Mayer erklärte der „Presse" aber, er habe mit den Prüfungsbeschluss „aus ganz pragmatischen Gründen gerechnet". Die Richter würden zeigen wollen, dass sie bei dem Thema nicht „drüberfahren wollen". In der Sache bleibt Mayer dabei, dass die Verordnung der Unis über Gebühren korrekt sei, weil sie dem Gesetz nicht widerspräche.

Töchterle jedoch kommt nun vonseiten der Uni-Rektoren unter Druck: Sollten sich die Bedenken des VfGH bestätigen, fordert Rektorenchef Heinrich Schmidinger, dass das Ministerium den Unis den Entfall sämtlicher Studienbeiträge ersetzt - also nicht nur jener, die derzeit autonom eingehoben werden. Insgesamt sind das pro Jahr rund 35 Millionen Euro. Uni-Wien-Chef Heinz Engl, für den es um elf Millionen Euro jährlich geht, will in seinen Budgetvertrag mit dem Ministerium, der Anfang November verhandelt wird, jedenfalls einen entsprechenden Passus hineinreklamieren. Nun gelte es aber, das endgültige Urteil abzuwarten, das - so Engl - hoffentlich noch vor Beginn des kommenden Semesters erfolge. Steht diese Entscheidung dann noch aus, hebe man wie in diesem Semester Gebühren ein, betont Engl. „Das wäre dann aber eine etwas absurde Situation."

Politische Fronten verhärtet

Der Gerichtsentscheid könnte nun Druck auf die Koalition erzeugen. Doch auch wenn beide Seiten ihre Bereitschaft betonen - die Fronten dürften ähnlich verhärtet sein wie zuvor: Während Töchterle auf eine generelle Wiedereinführung pocht, ist die SPÖ maximal zur Reparatur der alten Regelung bereit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)

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184 Kommentare
 
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Gast: Lukas
18.10.2012 22:03
0 0

die staatliche Verantwortung für Studiengebühren

kann man von den Vollkoffern von SPÖVP nicht einfordern. Da regiert die idiotische Ideologie von Taxifahrern statt Verantwortung für Bildung!

Töchterle:

Die Trauergestalt von der ÖVP hat gestern in der ZIB 2 deutlich gezeigt, dass er für diesen Posten nicht geeignet ist! Selbst mit der Führung einer Sammlung dürfte er überfordert sein!

Antworten Gast: Zippi-2
18.10.2012 16:09
2 0

Re: Töchterle:

Fulminante ÖH-Vertreterin - erstaunlich schwacher Minister:

http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2


Während diese verluderten Staatsparteien

ÖVP und SPÖ sich ungeniert am Steuergeld bedienen sollen die Studenten zahlen. Liebe StudentInnen, lasst euch das nicht gefallen! Und die Unirektoren helfen da auch noch mit! Schmiedinger go home!

Was nichts kostet ist auch meist nichts wert.

Wischiwaschi und Larifari - Studiums können ruhig billig veranstalltet werden. Aber hochwertige Studien sollten sehr wohl mit Gebühren belegt werden, um dafür Qualität zu erhalten.

Antworten Gast: zuletzschonnichtsgenützt
18.10.2012 15:26
0 0

Re: Was nichts kostet ist auch meist nichts wert.

studiengebühren wurden bereits eingehoben. leider hat sich in dieser zeit eher ein downranking der unis im internationalen vergleich eingestellt...also ist eine gebühr kein qualitätsgarant

Gast: Edelweiß
18.10.2012 09:49
4 0

Wie lange lässt man Töchterle noch gewähren?

Was ich mich frage, ist, wie lange man den Wissenschaftsminister noch gewähren lässt. Der hat doch seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2011 (!) überhaupt nichts weitergebracht. Er ist ein begeisterter Sportler, Wanderer, am Wochenende regelmäßig in Tirol. Er betreibt weiter seine Altlatein-Studien. Aber dafür kann er doch nicht dem Namen nach auch noch das Ministeramt innehaben. Nichtstun ist auch eine Strategie - die Aufforderung an die Universitäten, autonom Studiengebühren einzuheben, ist gerade ein Beispiel für eine solche Politik. Aber diese Aufforderung war rechtswidrig. Und nun hat er die Konsequenzen zu ziehen. Hat die ÖVP keine(n) andere(n)? Oder sollte vielleicht einmal der Koalitionspartner im Wissenschaftsressort zum Zuge kommen?

Antworten Gast: Interview
18.10.2012 12:31
2 0

Re: Wie lange lässt man Töchterle noch gewähren?

Gestern abend soll Töchterle ein äußerst schwaches Bild in der Diskussion mit den Studierenden auf Ö2 abgegeben haben. Abgekämpft, ohne Argumente...

Ich habe diese Diskussion nicht mitverfolgt, aber die Reaktionen, von denen ich vernommen habe, waren einhellig (negativ für den Minister).

Gast: Enexe
18.10.2012 08:50
3 2

Gut so.

Die Frage der Studiengebühren ist eine rein politische und hat im Parlament abgehandelt zu erden. Und nicht von ein paar wild gewordenen Professoren im stillen Kämmerlein beschlossen zu werden.

Wer ÖVP und Gleichgesinnten geht es gar nicht um mehr Geld für die Unis bzw. Ersparnis für den Staat.

Man kann wetten, dass die ÖVP sogar das Doppelte an Steuergeldern der SPÖ bei irgendeinem Budgetposten "schenken" würde, nur um endlich Studiengebühren einführen zu können und das SPÖ-Projekt versenken zu können. Außerdem dürfen ja auch Wohlhabende und Superreiche nicht mehr als ein normaler Bürger für das Studium zahlen.

Die ÖVP u. FPÖ haben ja auch versucht, andere sozialen Einrichtungen zu schwächen:
Siehe Gesundheitswesen, wo die ÖVP mit der FPÖ die Ambulanzgebühr eingeführt hat. Es werden offensichtlich "amerikanische" Zustände angestrebt, wo zwar der Staat angeblich sogar deutlich mehr zahlt als in Österreich, aber der große Teil des Geldes bei den privaten Versicherungen und der Pharma- bzw. Gesundheitsindustrie verschwindet. Der Kranke kann sich dann aussuchen, welchen Finger er wieder angenäht bekommen will oder dgl. Das gibt es unzählige unglaubliche Fälle.

Siehe Einkommen der Arbeit- und Dienstnehmer und Pensionen: Die ÖVP und ihre Gleichgesinnten wollen Jungen keine anständigen Gehälter und Zulagen zahlen und die Pensionen an die Armutsgrenze führen. Natürlich nicht bei den Absahnern und Großabkassierern. Da kann für die ÖVP und Gleichgesinnte gar keine Grenze nach oben überschritten werden.

Gast: Aussitzer
18.10.2012 07:57
2 0

Ob der Minister das noch aussitzen kann?

Wäre eine Leistung - die erste.

Egal ob das sinnvoll ist

Aber es verdeutlicht, was Österreicher unter Autonomie verstehen.

Antworten Gast: Nyerma
18.10.2012 08:52
2 0

Wenn es Autonomie sein soll, dass die

Professoren machen können (mit den Studenten) was sie wollen, dann muss man die Autonomie der Unis abschaffen.

Antworten Gast: Bettelstudent
18.10.2012 08:00
4 0

Re: Egal ob das sinnvoll ist

Ja, sehe ih auch so und es erleichert die Bildung einer Korruptionärskultur, wenn es mit willkürlichen Zulassungsbedingungen verknüpft wird.

Antworten Antworten Gast: TangoCorrupti
18.10.2012 09:40
3 0

Re: Re: Egal ob das sinnvoll ist

Korruption und Universitätsautonomie wäre überhaupt ein interessantes Untersuchungsfeld. Die Universitätsautonomie hat manchen Würdenträger glauben lassen, an den Universitäten gälten die allgemeinen Gesetze nicht. So glaubt mancher Rektor, das goldene Zeitalter unter Louis XIV sei an den Univeristäten neu aufgelebt. Ein harter Durchgriff ist hier an der Zeit.

Gast: Morgenmensch
18.10.2012 00:51
2 1

Faymann und Strache haben die Studiengebühren gemeinsam abgeschafft, aber wir Österreicher haben kein Verständnis dafür.


Gast: barra
18.10.2012 00:48
7 1

das ist doch absurd.

warum sollte es nicht in der staatlichen verantwortung sein wenn eine staatliche uni gebühren einhebt?
es ist ja offensichtlich kein privates absammeln für zweckfremdes verprassen.

nicht selten zweilfelt man an der seriosität von diesem Verfassungsgerichtshof.

bei der mißbräuchlichen verwendung von steuern und abgaben für die zahlung von absurd überhöhten pensionen jenseits der allgemein gültigen obergrenze hat er befremdlicherweise nicht die geringsten bedenken.
es ist kaum zu glauben daß sich diese leute noch in den spiegel schauen können.

Antworten Gast: Otto I
18.10.2012 11:07
1 0

Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Ohne gesetzliche Grundlage darf der Staat kein Geld einheben. Na no na net.

Antworten Gast: florenzso
18.10.2012 08:49
3 1

Re: das ist doch absurd.

Sie sollten die Begrúndung genauer durchlesen.

Es muss ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden, um Studiengebúren wieder allg einheben zu kónnen. Dies ist nicht geschehen, also sind die autonom einkassierten Beitràge nicht korrekt und werden wahrscheinlich refundiert.

Wenn die ÓVP allg Studiengebúhren will, sollte sie zur Abwechslung Rúckgrad zeigen und sich um eine entsprechende parlamentarische Mehrheit bemúhen.
Unis zu rechtswidrigen Maßnahmen auffordern ist einem sich seiner Verantwortung bewussten Minister nicht wúrdig und sollte seinen Rúcktritt zur Folge haben.

Antworten Antworten Gast: barra
18.10.2012 19:37
0 0

Re: Re: das ist doch absurd.

für was werden so viele juristen mit steuergeld wohlernährt, wenn kein einziger imstande ist dem staat zu sagen welche formalitäten notwendig sind damit er seine unis so führen kann daß sie funktionieren?
das ist absurd wenn alle stumm herumsitzen und so tun als würden sie nicht dazugehören. ich würde solche "mitarbeiter", die nicht einmal ansatzweise ans mitarbeiten denken, feuern, asap.

Gast: Niederösterreicher
18.10.2012 00:40
4 0

Das Teure am Studium sind nicht die Gebühren,

sondern die Lebenshaltungskosten. Wenn bereits bei rd. EUR 750 mtl. eine Existenzgefährung vorliegt (Armutsfalle!!), dann sind rd. EUR 370 Beitrag für 4 Monate Unterricht durch einen Hochschulprofessor geradezu ein Klacks. Wenn man schon meint, daß man jedem (hoffentlich begabten) Studenten ein Studium gratis und ohne Unterstützung durch die Eltern ermöglichen soll, dann sollte man ihnen auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen, nämlich ein Stipendium, das die Lebenshaltungskosten voll abdeckt, auszahlen!

Hält man sich vor Augen, was Stipendien für alle kosten würden, dann wir man schon aus Gründen der Sparsamkeit und Effizienz diese Vorgangsweise auf die wirklich Begabten, unabhängig von ihrer Herkunft, und allfenfalls auf österr. Staatsbürger beschränken müssen.

Oder soll man nach Meinung der Herrn und Damen Genossen das Geld einfach beim Fenster hinauswerfen und sollen die Bedürftigen deshalb darben?

Das war die allergrösste Lüge. ..

Mit Einführung der Studiengebühren wurde die Studienbeihilfe um diesen Betrag erhöht. Das wird in der Diskussion immer verschwiegen.

Antworten Antworten Gast: merchant
18.10.2012 07:59
2 1

Re: Das war die allergrösste Lüge. ..

Nur 14% aller Studenten erhalten Studienbeihilfe.
Tendenz sinkend.

Antworten Antworten Gast: Hermann vom Gipfel
18.10.2012 07:40
1 0

Re: Das war die allergrösste Lüge. ..

Das stimmt ja gar nicht. Die meisten bekommen überhaupt kein Stipendium.

Antworten Antworten Antworten Gast: MIKA 202
18.10.2012 08:54
2 0

Aber 86 Beamte

waren alleine in Wien für die Verteilung der Studienbeihilfen zuständig. DORT ist das Geld versickert.

Re: Aber 86 Beamte

Das ist das Problem. Studienbeihilfe kann nie komplett "fair" verteilt werden. Deshalb sollte sie komplett gestrichen werden und mit dem Geld sowie der Einsparung in der Verwaltung zinslose Kredite für ALLE Studenten finanziert werden.

 
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