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Uni-Fusion: Unheilige Allianzen im heiligen Land

21.10.2012 | 18:27 |  BERNADETTE BAYRHAMMER UND CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Die Karten im Poker um eine Zusammenlegung von Uni und Med-Uni Innsbruck werden neu gemischt. An der Med-Uni wird es eine neue Rektorin geben, an beiden Hochschulen wechseln zudem die Uni-Räte.

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Innsbruck. Die Tiroler Uni-Szene kommt nicht zur Ruhe. Nicht nur das interne Arbeitspapier, das eine Fusion von Uni und Med-Uni nahelegt („Die Presse“ berichtete exklusiv), sorgt für Verärgerung. Durch den unerwarteten Abgang von Medizin-Uni-Chef Herbert Lochs, der bei der Kandidatensuche zur Rektorswahl nicht berücksichtigt wurde, werden die Karten nun neu gemischt. Welche Allianzen aber gibt es? Und wie wird es weitergehen?

1 Worüber genau wird eigentlich gestritten?

Diskutiert wird, wie die Unis noch effizienter zusammenarbeiten können. Die Konzepte reichen dabei von einer vertieften (aber freiwilligen) Kooperation in naturwissenschaftlichen Bereichen über die sogenannte strategische Allianz (mit einem Kooperationsgremium, das verbindliche Entscheidungen treffen kann) bis zur kompletten Fusion der Unis unter einem Rat und einem Rektorat. Im letztgenannten Fall gibt es mehrere mögliche Modelle: Im Zentrum steht die Frage, wie groß die interne Selbstbestimmung der (dann) Medizinfakultät im Falle einer Fusion noch wäre – etwa in budgetärer Hinsicht. So viel zum Vordergründigen. In Wahrheit geht es vor allem auch um Reputation, Eitelkeiten und Macht.

2 Wer macht Stimmung für die Fusion? Und warum?

Im Zentrum steht Uni-Minister Karlheinz Töchterle. Seine Verweise darauf, dass die Entscheidung bei den Unis liege, sind nur Schein. In seiner Zeit als Uni-Innsbruck-Chef war er für die Zusammenführung. Als Minister gab er der Debatte Schwung, indem er ankündigte, die für die Fusion nötige Gesetzesänderung zu ermöglichen. Er hält das Thema zusammen mit Landeschef Günther Platter am Köcheln. Käme es zur Fusion, könnten beide das bei der Bevölkerung als ÖVP-Erfolg verbuchen. Einen solchen hätte Platter dringend nötig. Töchterle ebenso. Auch Uni-Chef Tilmann Märk ist für die Fusion. Er würde wohl der neue starke Mann der fusionierten Uni. Der Med-Uni wirft die Politik nach Misswirtschaft und internen Streitigkeiten gern vor, nicht über funktionierende Strukturen zu verfügen. Als Vorteile der Fusion gelten bessere Chancen in Rankings, Kostenersparnis sowie Synergieeffekte in der Forschung.

3 Was können die Gegner dem entgegenhalten?

Kritiker der Fusion argumentieren, dass man eine „Evolution“, wie die Entwicklung der Med-Uni eine sei, nicht einfach umkehren könne. Manche fürchten zudem, dass die Uni sich die Med-Uni nur einverleiben wolle, um auf deren Finanzmittel zugreifen zu können. Angeblich stehe der Uni Innsbruck in den kommenden Jahren ein Budgetminus ins Haus. „Es ist nicht auszuschließen, dass sich mancher eine Querfinanzierung durch Med-Uni-Mittel erhofft“, sagt Martin Krismer, Senatschef der Med-Uni, zur „Presse“. So hätten die Studenten Angst, dass Geld aus der Lehre abgezogen werde. Krismer ist gegen die Zusammenlegung, „solange die Bedingungen nicht passen“. Mit Fakultäten, Kliniken und Instituten hätten beide Unis teilweise ganz unterschiedliche Strukturen. Diese würden etwa bei Budget und Zielvereinbarungen für Probleme sorgen. Auch wären, so eine Befürchtung Krismers, viele Betriebsvereinbarungen des Klinikpersonals z.B. zu Nachtdiensten mit der Fusion plötzlich ungültig. Als vehementeste Gegnerin der Fusion gilt Uni-Ratschefin Gabriele Fischer. Rektor Lochs äußerte sich lange nicht klar, was ihm den Vorwurf der Führungsschwäche einbrachte. Nun bevorzugt er die „strategische Allianz“.

4Was sagt die Uni Innsbruck zu den Vorwürfen?

Er fahre einen Kurs, angesichts dessen die Uni keinesfalls saniert werden müsse, sagt Märk zur „Presse“. Man werde ausgeglichen bilanzieren. Auch die Eigenmittelquote der Uni sei laufend gestiegen. Sie liege bei 32 Prozent und nicht bei den zuletzt kolportierten fünf Prozent. Auch den Vorwurf, dass Märk für die Fusion 20 Millionen Euro mehr Budget bekomme, weist er zurück: „Ein reines Gerücht.“ Was stimme: Für Kooperationen könne man aus dem „Strukturfonds“ des Ministeriums Mittel beantragen. Ob man wirklich Geld erhalte, sei aber völlig unklar. Der Vorwurf, dass seine Uni das gemeinsame Papier zur Fusion vor der Veröffentlichung tendenziös überarbeitet habe, ärgert Märk: An dem Bericht sei Med-Uni-Professor Lukas Huber beteiligt gewesen, beiden Rektoren sei er vorab vorgelegt worden. Med-Uni-Senatschef Krismer spricht – wie Lochs – trotzdem von „Interpretationen“ im Endpapier, die „wohl nicht der von beiden Seiten ausgedrückten Meinung entsprechen“.

5 Wie geht es jetzt – vor allem an der Med-Uni – weiter?

Der Med-Uni-Senat hat Lochs von der Kandidatenliste für die Rektorswahl gestrichen. Grund seien „Reibepunkte in der täglichen Arbeit“, sagt Krismer. Für alle Beteiligten heißt es nun also abwarten, wie die neue Rektorin sich positioniert. Als Favoritin gilt die derzeitige Vizerektorin Helga Fritsch. Allzu fusionsfreudig wird sie sich vorerst nicht zeigen. Sonst macht ihr der Rat unter Gabi Fischer einen Strich durch die Rechnung. Vor März ist generell keine Bewegung mehr zu erwarten: Da werden die Uni-Räte neu bestellt. Fischer verlässt die Med-Uni. Und das Ministerium wird im Gegenzug versuchen, Befürworter einer Fusion in dem Gremium zu platzieren. Märk hofft auf Bewegung: „Meine Wahrnehmung ist, dass es sehr viele Mitarbeiter der beiden Unis gibt, die sich diese Zusammenführung sehr gut vorstellen können.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)

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22 Kommentare

die Trennung war eine Schnapsidee von Schuessel - Gehrer ....

und diente nur dazu, fuer einige Auserwaehlte lukrative Posten zu schaffen - auf Kosten der Allgemeinheit !

Antworten Gast: Schnaps in Tirol
23.10.2012 08:57
2 0

Re: die Trennung war eine Schnapsidee von Schuessel - Gehrer ....

Ja, das stimmt! Aus der Schnapsidee ist aber mittlerweile etwas Schönes, Brauchbares geworden (zugegeben, war alles viel zu kostenaufwändig und die Hintergründe haben Sie richtig aufgezeigt).

Das nun rückgängig zu machen, wäre allerdings die allergrößte Schnapsidee. Und wieder stehen allein persönliche Interessen dahinter - wie Bayrhammer/Schwarz in ihrem Artikel sehr gut offenlegen.

Wenn es noch so etwas wie Moral und Ethik im österreichischen öffentlichen Leben gibt, dann müsste die Fusion nach diesem Artikel eigentlich gestorben sein.

Antworten Antworten Gast: Gilom
24.10.2012 08:51
0 0

Re: Re: die Trennung war eine Schnapsidee von Schuessel - Gehrer ....

Wieso soll sie nach diesem Artikel gestorben sein?

Natürlich haben viele involvierte Personen Eigeninteressen und niedere Bedürfnisse - auf beiden Seiten! Das sollte aber in keinem Fall der entscheidende Punkt sein.

Entscheidend für oder gegen eine Fusion darf nur folgende Frage sein: Ist eine Fusion langfristig (die nächsten 10-100 Jahre) für den Unistandort Innsbruck vorteilhaft (Kosten, Synergien, Output, Reputation, internationale Sichtbarkeit)

Antworten Antworten Antworten Gast: WWR
24.10.2012 12:24
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Re: Re: Re: die Trennung war eine Schnapsidee von Schuessel - Gehrer ....

Ja, sehr intelligent, Planungen auf 100 Jahre vorzunehmen. Einen so langen Planungshorizont hatte offenkundig auch Frau Gehrer im Auge...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gilom
24.10.2012 13:29
0 0

Re: Re: Re: Re: die Trennung war eine Schnapsidee von Schuessel - Gehrer ....

Zwar auch untergriffig....

Aber: wollte damit sagen dass man langfristig denken soll, und nicht nur daran wieviel die Fusion kostet und welche Einzelpersonen heute gekränkt werden.

Antworten Antworten Gast: vesna1988
23.10.2012 23:36
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UMIT

Wenn Fusion, dann MedUni Innsbruck und UMIT Hall.

Die UMIT (Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik) gehört dem Land Tirol, Platter soll seine "Privat"universität als Fakultät der MedUni IBK eingliedern, wenn er schon Unis zusammenlegen will.

Antworten Antworten Antworten Gast: evolutionär
24.10.2012 09:51
0 0

aber nein

das UMIT ist doch etwas Schönes und Brauchbares geworden und Evolution kann man nicht rückgängig machen und so...

oder was hier an schwachmatischen Begründungen sonst so angeführt wird

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: WWR
24.10.2012 12:21
0 0

Re: aber nein

Die UMIT ist jetzt das, was aus der MedUni wird, wenn sie in die Uni IBK eingegliedert wird.

Lassen wir das also lieber sein. Schon möglich, dass MedUni alle möglichen Gelüste weckt, aber auf fusionierende "Retter", die sich bei der MedUni die fehlenden Ressourcen holen wollen, können wir gerne verzichten.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gilom
24.10.2012 13:27
0 0

Re: Re: aber nein

"Medizin" ist keine von der Erde losgelöste Wissenschaft. Die MUI wird dann wohl auch auf Ressourcen der Volluniversität zugreifen.

Das finanzielle ist erst zu verhandeln.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gilom
24.10.2012 08:42
0 0

Re: UMIT

Die UMIT hat Kooperationen und Überschneidungen mit mehreren Fakultäten der Uni Innsbruck (Technik, Informatik, Psychologie, Wirtschaft...).

Wenn dann eine Fusion mit der LFU mit Kooperationen mit der FH Gesundheit und MUI.

Besser wäre aber sie bei einer Fusion der LFU und MUI gleich miteinzubeziehen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: WWR
24.10.2012 12:22
0 0

Re: Re: UMIT

Wenn die UMIT in die Uni Ibk eingegliedert wird, dann wächst zusammen, was zusammen gehört. Und vielleicht sind dann Töchterle, Platter und Märk zufrieden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gilom
24.10.2012 13:23
0 0

Re: Re: Re: UMIT

Entschuldigung, aber Sie schreiben jetzt einfach nur irgendeinen Stuss: den anderen einfach ordenlich mit Dreck bewerfen um selbst sauberer dahzustehen....

Zum Inhalt: selbstverständlich will Platter genau das NICHT. Die UMIT ist der Schrebergarten des Landes, den man nie und nimmer aus der Hand geben will.

Sie beschäftigen sich also nicht mit der Materie (UMIT usw), wollen sie aber sehr wohl für Untergriffe verwenden....

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: WWR
24.10.2012 18:06
0 0

Re: Re: Re: Re: UMIT

Nein, was Sie sagen wollten, ist mir schon klar und die Situation in Tirol kenne ich sehr wohl.
UMIT - Schrebergarten des Landes: auch einverstanden.

Was ich sagen wollte: Töchterle, Platter und Märk wollen eine erweiterte Spielwiese. Uni und MedUni sind zusammengenommen ein paar Nummern zu groß. Legt Uni mit UMIT zusammen, vielleicht begnügen sie sich dann damit.

Gast: Tirolerleut
22.10.2012 11:56
3 0

Unheilige Allianzen im heiligen Land Tirol

Sehr gut auf den Punkt gebracht! Ein Kompliment der "Presse"!

mal so mal so

da kann man doch in graz nachfragen, wie das vor der abspaltung der med-uni so war ;-)

@redaktion:
ad "4Was sagt die Uni Innsbruck zu den Vorwürfen?"
liest irgendwer artikel durch vor der veröffentlichung?

Gast: Gilom
22.10.2012 09:43
3 4

"Kritiker der Fusion argumentieren, dass man eine „Evolution“, wie die Entwicklung der Med-Uni eine sei, nicht einfach umkehren könne."

Das ist ein Nichtargument.

Prinzipiell kann man sie natürlich rückgängig machen - wenn man will. Nicht jede Mutationen in der Evolutionsgeschichte stellt sich als vorteilhaft heraus. Im Gegenteil: die meisten sind es nicht.

Antworten Gast: Katze beißt sich in den Schwanz
22.10.2012 10:04
3 4

Re: "Kritiker der Fusion argumentieren, dass man eine „Evolution“, wie die Entwicklung der Med-Uni eine sei, nicht einfach umkehren könne."

ja, aber um das zu verstehen, bräuchten die Mediziner die Biologen, und die sind ja jetzt weit weg an einer anderen Uni...

Antworten Antworten Gast: Herr Kollege
22.10.2012 12:43
3 2

Re: Re: "Kritiker der Fusion argumentieren, dass man eine „Evolution“, wie die Entwicklung der Med-Uni eine sei, nicht einfach umkehren könne."

Ein bisschen mehr Mäßigung, Herr Kollege...

So untergriffig braucht die Diskussion dann auch nicht geführt zu werden...

Aber wenn einem die Argumente für die Fusion ausgehen, dann ist das vielleicht der einzige Weg?

Antworten Gast: GegensinnloseSandkastenspiele
22.10.2012 09:58
4 3

Re: "Kritiker der Fusion argumentieren, dass man eine „Evolution“, wie die Entwicklung der Med-Uni eine sei, nicht einfach umkehren könne."

Die MedUni IBK ist nun eine kompakte, dynamische Einheit, die lokal und international (insbesondere in der Wissenschaft) sehr effizient operiert. Eine Rückführung würde einen sinnvollen Evolutionsschritt unnötigerweise rückgängig machen.

Gast: Zell am See
22.10.2012 08:50
4 1

Eitelkeiten eines Rektors und zweier Politiker

Eine international renommierte Uni-Klinik wird mit großem persönlichen und finanziellem Aufwand hin- und hergeschoben, nur um die Eitelkeiten eines Rektors und zwei bedrängter Politiker zu befriedigen? Das klingt ja nach Bananenrepublik.

Gast: Innwalzer
21.10.2012 21:16
5 2

Diese Tiroler

sind ja schlimmer als die Wiener.

Gast: Gameover02
21.10.2012 21:03
4 0

Heimspiel in Tirol

Zumindest das Heimspiel in Tirol muss Töchterle gewinnen.

Schlagzeilen Bildung