RH: Immer schlechtere Betreuungsrelationen an Unis

08.11.2012 | 16:03 |   (DiePresse.com)

Der Rechnungshof kritisiert in einem Bericht das Fehlen von Konsequenzen für nicht erfüllte Leistungsvereinbarungen und den nicht vorhandenen Hochschulplan.

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Immer schlechtere Betreuungsrelationen an den meisten Universitäten stellt der Rechnungshof (RH) in einem am Donnerstag veröffentlichten Prüfbericht fest. Demnach sank an der Mehrzahl der Unis zwischen den Leistungsvereinbarungsperioden 2007 bis 2009 und 2010 bis 2012 das pro Student zur Verfügung stehende Globalbudget. Bei den Leistungsvereinbarungen vermisst der RH aufgrund des nach wie vor fehlenden Hochschulplans eine "Einbettung in eine universitäre Gesamtstrategie", beklagt "defensive Zielsetzungen" und mangelnde Konsequenzen bei Nichterfüllung der Leistungsvereinbarungen.

Konkret überprüfte der RH die Leistungsvereinbarungen zwischen Wissenschaftsministerium sowie der Universität für Bodenkultur (Boku) und der Uni Klagenfurt. Darin werden die Budgets bzw. die dafür zu erbringenden Leistungen der Unis festgelegt.

Boku-Budget am stärksten gesunken

Dabei stellte der Rechnungshof fest, dass das Globalbudget pro Studierendem und Jahr zwar an Unis mit Zugangsbeschränkungen (also Medizin- und Kunstunis) zwischen den Perioden 2007 bis 2009 und 2010 bis 2012 angestiegen sei. "An allen anderen Universitäten sank das Globalbudget je Studierenden im selben Zeitraum" - am stärksten an der Boku (minus 14,2 Prozent), der Technischen Universität (TU) Wien (minus zwölf Prozent) und der Montanuniversität Leoben (minus elf Prozent). Grund sind wachsende Studentenzahlen.

Konsequenz: An der Boku und der Uni Klagenfurt verschlechterten sich die Betreuungsrelationen stark. So kamen im Wintersemester 2010/11 an der Boku 187 Studenten auf einen Professor - um fast 66 mehr als noch drei Jahre davor. An der Uni Klagenfurt verschlechterte sich das Betreuungsverhältnis im selben Zeitraum um 27 auf 137 Studenten pro Professor.

Kritik wegen fehlendem Hochschulplan

Kritik übt der RH daran, dass der mehrfach angekündigte Hochschulplan zur Abstimmung des Hochschulsystems noch immer nicht präsentiert wurde. Außerdem vermisst er Konsequenzen bei Nichterfüllung von Leistungsvereinbarungen: Obwohl an den überprüften Universitäten bis zu rund einem Viertel der Vorhaben nicht umgesetzt und ein Drittel der Ziele nicht erreicht wurden, "erfolgten keine weitergehenden Konsequenzen oder Sanktionen" seitens des Ministeriums.

Eine Empfehlung des RH wurde dagegen bereits umgesetzt: Die "Intransparenzen" im sogenannten Formelbudget der Unis, mit dem die Hochschulen zusätzliche Mittel nach bestimmten Indikatoren erhalten, wurden insofern beseitigt als das Formelbudget insgesamt durch den sogenannten "Hochschulraum-Strukturfonds"abgelöst wurde.

 

(APA)

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2 Kommentare

Wahnsinn

Wahnsinn - das hätte ich nicht geglaubt - ja bin ich froh, dass es den RH gibt - wie hätten wir das sonst erfahren - gut den Bericht des RH gibt es jetzt seit drei Monaten - daher "warum lesen wir das gerade jetzt" - und für diese "epochale" Erkenntnis braucht es den RH ?

eine schon alte idee

es gibt für viele - nunmehr recht häufige - berufe keine basisausbildung - zb naturwissenschaft. dh es fehlt so etwas wie eine fh ausbildung zb für geophysiker....
hier sollte man auf breiter ebene fachhochschulausbildung ermöglichen -unter der voraussetzung der mobilität der studenten - und die universitätslaufbahn erst mit dem master beginnen können. somit fällt der druck der universitäten weg, zur forschung eher mehrheitlich ausbildungsstätte zu sein - speziell in den modernen fächern.

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