Neue Lehrerausbildung soll 2014 starten

09.11.2012 | 14:00 |   (DiePresse.com)

Künftig sollen Pädagogen zunächst einen vierjährigen Bachelor absolvieren und nach einer Einführungsphase ein 1- bis 2-jähriges Masterstudium absolvieren.

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Seit 2008 wird die Reform der Lehrerausbildung vorbereitet, nun soll es an die Realisierung gehen: Mit dem Studienjahr 2014/15 sollen erste Studienangebote starten, wie die Regierung am Freitag auf ihrer Klausur bekanntgegeben hat. Künftig sollen angehende Pädagogen zunächst einen vierjährigen Bachelor absolvieren, in einer ein- bis zweijährigen Induktionsphase von erfahrenen Lehrern in den Beruf eingeführt werden und berufsbegleitend ein ein- bis zweijähriges Masterstudium absolvieren, das Voraussetzung für eine Fixanstellung ist.

Vor Studienbeginn müssen Interessenten außerdem ein Eignungs- und Aufnahmeverfahren nach österreichweit einheitlichen Standards bestehen. Derzeit gibt es solche Verfahren nur an den Pädagogischen Hochschulen (PH), wo Lehrer für Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonderschule) ausgebildet werden. An den Universitäten, verantwortlich für Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) kann derzeit indes jeder eine Lehrerausbildung beginnen.

Die neue Ausbildung kann sowohl an Universitäten als auch an PH bzw. in Kooperationsformen stattfinden. Ob internationale Qualitätsstandards eingehalten werden und das jeweilige Studienangebot die Kriterien für eine Anstellung an Schulen erfüllt, entscheidet ein Zertifizierungsrat aus jeweils drei von Unterrichts- und Wissenschaftsministerium Nominierten. Dieser prüft u.a. die Studienpläne auf Wissenschaftlichkeit, Professionsorientierung und Einhaltung der zentralen Vorgaben sowie die Qualifikation des Personals. Die Zertifizierung und damit auch die Anerkennung der Ausbildung im Schuldienst soll zeitlich befristet sein.

Andreas Schnider, Leiter des derzeitigen Entwicklungsrats für die Lehrerausbildung, betont gegenüber der APA, dass die Umstellung auf die neue Studienarchitektur nicht auf einen Schlag passieren werde. Das Studienjahr 2014/15 sei als frühester Zeitpunkt zu verstehen, ab dem solche Angebote starten können. "Man wird schauen müssen, wo was angeboten werden kann. Man muss den Institutionen Zeit geben, vernünftige Curricula zu entwickeln." Außerdem müsse man bei der Reform beachten, dass es nicht durch die Umstellung zu Jahren ohne Lehramtsabgänger kommt. Derzeit dauert die Ausbildung für Pflichtschullehrer nur drei Jahre, künftig sollen es alleine für den Bachelor vier sein.

(APA)

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9 Kommentare

Fein!

Abgesehen davon, dass es fast unmöglich ist, die Eignung im vorhinein festzustellen, freue ich mich auf die (siehe Aufnahmetest Medizin) "gendergerechte" Einstellung von zukünftig 50% männlichen Lehramtsstudenten.

Jetzt liegts mal am Tisch:

http://bmukk.gv.at/ministeri... 121109.xml

Was fehlt, ist eine Information darüber, in welchem Ausmaß in der Induktionsphase unterrichtet werden soll, was dafür bezahlt wird (ich befürchte: wenig, eine zweijährige Einführungsphase riecht wieder nach finanzieller Einsparungsidee) und wie man neben dem Beruf ebensoschnell ECDS-Punkte sammeln soll wie vorher ohne ...

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...und didaktische Methoden sind seit 30 Jahren praktisch unveraendert! was sich in unseren Schulen abspielt ist ein Trauerspiel (ich habe 4 Kinder im Gymnasium) . Ich bin erschuettert was und wie in diesem Land unterrichter wird. Wie wenig Klassen und Schulen es gibt, die bilingual (und zwar Englisch

Re: Der Lehrplan und die didaktischen Methoden

Lieber dbohler, Lehrplan und didaktische Methoden haben sich in den letzten 30 Jahren massiv verändert, wie sie (jedenfalls bei den Lehrplänen) jederzeit verifizieren können. Wenn Sie mit dem Unterricht in einem Gymnasium nicht zufrieden sind, können Sie ja auch einen Wechsel ihrer Kinder in eine NMS (dazu: viel Vergnügen) bzw. eine ordentliche BHS anstreben - ohnehin seltsam, dass Sie immer wieder für Ihre Kinder diese Schulform gewählt haben, da Sie ja so unzufrieden sind?!?

Re: Der Lehrplan

So einfach mit dem bilingualem Unterricht ist das nicht - erstens fehlen die Lehrer und zweitens geht durch den Unterricht in einer fremden Sprache vieles verloren, was die Qualität des Unterrichts ausmacht - es ist eine erwiesene Tatsache, dass nur in der Muttersprache Unterricht mit "Zwischentönen" möglich ist - darum werde ich auch als UNI-Lehrer nie und nimmer auch nur eine Stunde an einer österreichischen Universität eine LV in Englisch halten - denn der Inhalt meiner Themen ist mir wichtiger als irgendwelche additional skills

bezahlung

na hoffentlich wird dann die berufsausübung neben dem MA ausreichend entgolten denn wer soll sich sonst den MA berufsbegleitend leisten können? oder nähern wir uns hier anderen ländern an wo die ausübung von zwei jobs erforderlich sein kann

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