Ausbildung für heimische Imame kommt

11.11.2012 | 18:20 |  von ERICH KOCINA (Die Presse)

Österreich will nicht länger von Imamen aus dem Ausland abhängig sein. Eine universitäre Institution zur Ausbildung von muslimischen Vorbetern ist bereits in Griffweite, noch wird an letzten Details gearbeitet.

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Wien. Die Imame in Österreichs Moscheen sind nach wie vor Gastarbeiter, zumindest ein gewichtiger Teil von ihnen. Denn immer noch greifen die etwa 300 Moscheevereine vor allem auf Vorbeter zurück, die sie aus dem Ausland anwerben – und die oft nur für eine begrenzte Zeit bleiben. Allein Atib, die größte türkische Dachorganisation in Österreich, beschäftigt 65 Imame, die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt werden und die nach maximal fünf Jahren wieder in die Türkei zurückkehren.

Darüber, dass das kein idealer Zustand ist, ist man sich weitgehend einig. Schließlich gelten gerade die Imame in den Moscheen als Schlüsselfiguren der Integration. Und gerade die aus dem Ausland geholten Religionsgelehrten können mit der österreichischen Lebensrealität nicht wahnsinnig viel anfangen – geschweige denn, hilfesuchenden heimischen Muslimen einen Rat geben. Dass ob dieser Schwierigkeiten nicht längst österreichische Imame in den Moscheen tätig sind, liegt daran, dass es hierzulande nach wie vor keine Ausbildung für sie gibt.

 

Abbau von Sprachdefiziten

Zwar gibt es bereits einige Fortbildungsmöglichkeiten und Kurse (s.Artikel rechts), doch dienen diese vor allem dazu, Defizite auszugleichen – etwa Kenntnisse über die österreichische Kultur oder der deutschen Sprache. Doch eine akademisch-theologische Ausbildung können diese Kurse nicht ersetzen.

Dass eine solche Ausbildung bald kommen wird, gilt allerdings als ziemlich sicher. Im Dialogforum Islam, das Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz Anfang 2012 initiiert hat, beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe damit, wie sich dieses Vorhaben umsetzen lässt. Ein Endbericht zu diesem – und auch einigen anderen – Vorhaben wird für Ende November bis Anfang Dezember erwartet, die beteiligten Experten halten sich demnach noch bedeckt. Doch die Stoßrichtung dürfte klar sein: Es geht in Richtung einer universitären Ausbildung, die in die Bologna-Architektur passen soll – also mit einem Master als Abschluss.

Die wahrscheinlichste Variante ist, dass dafür ein eigenes Institut für islamische Religionsausbildung ins Leben gerufen wird, vermutlich an der Universität Wien. Und klar ist, dass dort nicht nur Fächer wie Koranrezitation und islamisch theologische Fächer gelehrt werden – denn für einen Imam, der gleichzeitig auch Seelsorger und Mittler sein soll, braucht es auch soziale Fähigkeiten, die erst antrainiert werden müssen.

 

Werden Absolventen akzeptiert?

Neben einer guten Ausbildung gibt es aber noch einen zweiten wichtigen Punkt: Die Moscheevereine müssen die Absolventen akzeptieren. Das ist eine mögliche Bruchstelle – denn ist die Ausbildung zu liberal oder progressiv, könnte das bei konservativeren Moscheevereinen für Ablehnung sorgen. Um hier gegenzusteuern und auch die Moscheevereine einzubinden, könnte eine Praktikumsphase ins Spiel kommen, bei der die angehenden Religionsgelehrten direkt in den Moscheen Dienst machen.

Mit ein Grund, warum sich Österreich beeilen sollte, die Ausbildung der Imame auf die Beine zu stellen, ist, dass Deutschland hier schon sehr stark ist. An vier Standorten werden islamisch-theologische Nachwuchswissenschaftler ausgebildet – Osnabrück/Münster, Tübingen, Frankfurt/Gießen und Nürnberg Erlangen. Sind diese Zentren einmal im Vollbetrieb, besteht die Gefahr, dass sie bereits die besten verfügbaren Lehrer angezogen haben. Und dass eine österreichische Institution dann mit dem übrig gebliebenen Personal vorliebnehmen muss.

Bleibt noch die Variante, einen Weg zu bestreiten, wie ihn die Schweiz etwa bei den Medizinern vorexerziert – man lässt im Ausland studieren und lockt die Absolventen mit hohen Gagen wieder zurück. Allein, die österreichischen Moscheevereine sind nicht annähernd in der Lage, derart attraktive Gehälter zu bezahlen. Damit ist einem solchen Versuch wohl wenig Erfolg beschieden. Generell wird man sich in der Frage der Bezahlung noch neue Modelle überlegen müssen.

Eine Möglichkeit wäre, die Tätigkeit eines Imams mit verpflichtendem Religionsunterricht an einer Schule zu kombinieren – ein Modell, wie es etwa in der evangelischen Kirche praktiziert wird. Gerade, was islamische Religionslehrer angeht, gibt es in Österreich ja auch schon positive Erfahrungen: Mit der Einrichtung des privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion an den Pflichtschulen und dem Masterstudium „Islamische Religionspädagogik“ hat man die entsprechenden Einrichtungen zur Ausbildung bereits geschaffen.

Auf einen Blick

Dialogforum Islam: Seit Jänner 2012 tagen auf Initiative von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz mehrere Arbeitsgruppen für eine bessere Integration der Muslime in Österreich. Ein Thema dabei ist die Ausbildung von Imamen in Österreich – eine Empfehlung für eine eigene universitäre Einrichtung gilt als wahrscheinlich. Ein Endbericht wird für November oder Dezember erwartet.

Aktuelles Buch: Ednan Aslan (Hg.): „Zwischen Moschee und Gesellschaft. Imame in Österreich“, Peter Lang Verlag, 56,30 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)

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18 Kommentare
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Ausbildung für heimische Imame kommt

es sollte nicht diskutiert werden ob Ausbildung oder nicht, der Imame, es sollte die Chance ergriffen werden die Ausbildung auf eine Kombination christlicher Glaube - mit dem Islam kombiniert zu werden. Desweiteren sollte verhindert werden unsere eigeneTradition und die eigene Kultur des eigenen Volkes untergraben zu lassen.
Die ausgebildeten Imame sollten in ihren Kulturkreis zurückkehren um einen westlichen Islam zu lehren, damit verhindert wird, dass fast jeden Tag Christen verschiedener Religionen ermordet werden. In Schweden haben zum Beispiel die letzten 849 Juden die Koffergepackt. Dieses Land wird faktisch judenfrei gemacht. In manchen westlichen Ländern tragen die Oberen der jüdischen Gemeinden Waffen zu ihrem Schutz.
Die Archillesferse unserer Kultur ist unsere Toleranz die sehr oft ausgenutzt wird. Natürlich haben wir Religionsfreiheit aber wir haben auch Gesetze und eigene Kultur und diese sollten wir uns nicht nehmen lassen.
Der größte Schwachpunkt von Menschen die aus diesem Kulturkreis kommen ist die Ausbildung. Bildung ist die Voraussetzung des gegenseitigen Verstehens und Toleranz. Das darf aber nicht soweit gehen, dass nur eine Seite gezwungen wird zu verstehen, während die andere Seite es ablehnt verstehen zu wollen.

Da haben die aber die Rechnung ohne dem (Ober)Wirtengemacht, ohne dem unvergleichlichen HC.

Aber gerade bei Integrationsfragen ist es ja verpflichtend die Blauen zu konsultieren, denn die haben ja ab 2000 die Massen ins Land geholt und buhlen ja auch um jeden geldigen Russen.

Die bei uns auf unsere Kosten ausgebildeten Imame

Werden ganz sicherlich in den Moscheen predigen, dass die eingebürgerten Muslime die ÖVP wählen und Herrn Kurz ihre Vorzugsstimme geben sollen!

Institut für xy-religionsausübung

Bitte solche Institute (egal welcher Religion) nicht mit meinem Steuer Geld finanzieren! Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun und daher gehört es auch nicht in zum Ausbildungsauftrag einer Universität. Religion ist Privatsache.

wer zahlt?


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Bravo

Was diese Leute brauchen ist Bildung, und nicht einen zertifizierten Märchenbuchvorleser.

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Re: Bravo

Bildung schützt vor Radikalität nicht.

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Erst informieren dann Meinung äußern!

Immer diese vorurteile.... :)

Herr Kurz, ich stelle mich einmal dumm und frage sie:

Werden in der Türkei auch katholische Religionspädagogen auf Kosten der Türkei ausgebildet, damit sie die dort lebenden Christen besser verstehen?

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Frage

Ich frage mich nur ob der Staat in die Bildung und Schulung von Hahamen und Priestern so einfach einmischen kann?

Man schämt sich nicht über einen modernen Islam zu sprechen, wenn wir gestern an den 74. Todestag von Mustafa Kemal Ataturk gedacht haben! Ataturk hatte genau das
vor 80 Jahren gemacht. Nur, Amerika,
Deutschland, Österreich und Saudi Arabien haben sich quer gelegt und die Islamisten gefördert. Wir dürfen auch nicht vergessen,
dass Khomeini durch Frankreich zur Macht gebracht wurde. Auch Deutschland hatte seine
Khalif bis 11. September toleriert! Alles klar?

Wie gesagt, den richtigen Weg hatte uns Atatürk vor lange Zeit gezeigt, nur das passte
den Imerialisten und Colonialisten nicht ins Schema. Nach seinem Tod (10.11.1938) haben
die türkischen Konservativen mit Hilfe Amerikas da gegen gearbeitet. Der einzige Wiederstand kam von den türkischen Militär, nur, nach die
Enttauschung Amerikas wegen Iraq und die
fehlende Bereitschaft seitens der türkischen Armee in Iraq mit zu machen, würden sie zum Abschuss freigegeben. Resultat war, dass AKP
wie Khomeini in Iran zu macht kam. Also, Allahu Akhbar oder Long live America, Jesus und Maria!

Re: Frage

Sie sollten Geschichte lernen, und nicht immer anderen die Schuld geben.

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Illusionen ?

Die "Gutmenschen" in Europa denken, wenn der islamische Alltag, wie er in fast allen islamischen Ländern existiert, einige "unschöne" Aspekte hat (Zwangsehe, Vielehe, Unterdrückung der Frau, Klitorisverstümmelung, Homosexuellenhatz, Verfolgung anderer Religionen und andersdenkender, allgemeine Unfreiheit, ...), dann könnten die Europäer durch Übernahme der Ausbildung von Religionslehrern in den EU Ländern einen "modernen humanen Islam" schaffen, der die Werte der Aufklärung aufnimmt, sie glauben vielleicht sogar das das dann gleichsam als Vorbild für den weltweiten Islam dienen wird. Sie träumen sich die Welt zurecht wie sie es gerne hätten. So wie sie sich die sog. Islamische Revolution in Ägypten, Libyen usw. auch hingeträumt haben als Aufstand von modernen jungen Leuten, die eine humane, demokratische Welt im Maghreb schafft.

Re: Illusionen ?

Das was sie hier beschreiben ist allein das mediale Bild das wir in Europa vom Islam haben. Das mag auch zu treffen für einzelne Länder oder extreme Gruppen vor allem in Zentralafrika und das ist auch keinesfalls zu unterstützen. Ich möchte sie lediglich darauf hinweisen das diese Bilder stark verzerrt sind. Weil wenn sie sich nach selbigen richten müssten sie auch davon ausgehen das das Christentum eine lange Tradition an Verfolgung (vgl. Inquisition), Krieg (Kreuzzüge, Conqusita) und aktuell Homophobie und Kindesmissbrauch hat. Ich möchte hier auch niemandes Gefühle verletzen sondern lediglich auf diesen Unterschied hinweißen. Es gibt auch einen gemäßigten Islam der von vielen Millionen Menschen tagtäglich praktiziert wird nur hören wir davon nichts in Europa.

Ich brauche keine Medien ...

... offene Augen genügen mir für ein Bild. Und es ist kein gutes...

Re: Illusionen ?

Die Werte der Aufklärung wird man nicht vermitteln können, es ist aber von zentraler Bedeutung, diesen unglaublichen direkten Einfluss der türkischen Regierung in unser Land via ATIB zu beenden.
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass unser Staat die Regeln für seine Lehrerausbildung, auch in Religion, selber definiert.
Ohne die Entmachtung er ATIB, zu der die Wegnahme der Imamverantwortlichkeit nur der erste Schritt sein kann, wird es niemals eine Integration der Türken geben.

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Re: Illusionen ?

Euch kann mans auch nicht recht machen oder?

Schonmal überlegt, dass diese islamischen Länder alle sehr arme Länder sind? Wo Menschen wenig haben, müssen sie viel beten und sind somit noch abhängiger von Relgionsführern.

Ich kenne einige Moslems, die auch gerne mal über den Durst trinken und noch nie jemanden gesteinigt haben.
Wohlstand macht Religion zur Privatsache, deshalb ist die Frage des radikalen Islams eine Frage der Armut in diesen Ländern.

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Re: Illusionen ?

Das mit dem "Welt-zurecht-träumen" trifft wohl eher auf Sie selber zu. Denn vom Islam haben Sie keine Ahnung, so viel steht aufgrund Ihres polemisierenden Kommentars fest.
Informieren Sie sich bitte erst mal gründlich(Stichworte "Weiße Türken", "Schwarze Türken", "Fethulla Gülen", "Hizmet" usw.), dann können Sie auch sachlich schreiben und würden nicht so wie jetzt Ihrer Xenophobie freien Lauf lassen.

Re: Re: Illusionen ?

Als "Islam" wird halt in der öffentlichen Meinung nun mal der nahe-salafistische Sunnismus saudischer Ausprägung angesehen. (Genau das war übrigens die Position der Schakfeh-Baghajati IGGiÖ)

Anstatt sich zu beklagen sollten sich die Muslime mal die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte und was sie dagegen machen könnten.

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