Med-Uni: Keine Plätze für Praktikanten

06.01.2013 | 18:39 |  BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Wegen der Umstellung der Studienpläne benötigt die Medizin-Uni Wien doppelt so viele Praktikumsplätze. Studenten werden teils in andere Bundesländer ausweichen müssen.

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Wien. Die Umstellung der Studienpläne an der Medizin-Uni Wien – oder besser gesagt, deren Konsequenzen – sorgt derzeit für Wirbel. Denn für jene Studierenden, die im Sommer 2014 die Ausbildung abschließen, könnte ihr letztes Studienjahr mehr als mühsam werden: Für einen Teil von ihnen wird es im kommenden Studienjahr in Wien voraussichtlich keine Praktikumsplätze geben.

Doch von vorne: Mehr als die Hälfte des sechsten, also letzten, Studienjahres bestand für die angehenden Mediziner an der Med-Uni Wien bisher aus verpflichtenden Praktika. Konkret geht es dabei etwa um Fächer wie Gynäkologie, HNO oder Psychiatrie. Durch die Umstellung der Studienpläne – die mit der Einführung eines sogenannten klinisch-praktischen Jahrs zu Studienende einhergeht (siehe Factbox) – wurden diese Praktika nun in das fünfte Studienjahr verlegt.

Das bedeutet, dass kommendes Jahr statt bisher rund 700 Praktikumsplätze nunmehr 1400 Plätze in Lehrspitälern gefunden werden müssen – für den letzten Jahrgang nach dem alten und für den ersten Jahrgang nach dem neuen Studienplan.

Viele der angehenden Mediziner befürchten, dass sie für ihre verpflichtenden Praktika in andere Bundesländer werden ausweichen müssen. Die Plätze in den Wiener Lehrkrankenhäusern dürften längst nicht für alle ausreichen. Vor allem für Studierende mit Betreuungspflichten oder einem Nebenjob in Wien sei das fatal.

 

Med-Uni nennt keine Zahlen

Das Rektorat der Medizin-Uni bestätigt das Problem: Ja, es werde im kommenden Studienjahr nicht möglich sein, dass alle betroffenen Studierenden ihre Praktika in Wien absolvieren. Die Uni versucht aber auch, zu beschwichtigen: Es werde mit Sicherheit „sehr viele“ Plätze in der Hauptstadt geben. Zahlen will das Rektorat allerdings noch keine bekannt geben: Man habe die Gespräche mit den verschiedenen Spitälern in und außerhalb Wiens überwiegend abgeschlossen und werde in den kommenden Wochen zusammenfassen, wo es welche Plätze geben wird.

Spätestens Anfang Februar werde man dann kommunizieren, wie viele Praktikumsplätze kommendes Studienjahr wo angeboten werden könnten. Für jene Studenten, die – aus beruflichen oder aus privaten Gründen, aufgrund eines Jobs etwa, wegen eines Kindes oder ähnlichen Gründen – vom Standort Wien abhängig seien, werde es eine Voranmeldung geben. Es sollen auch Härtefälle vermieden: Niemand, der dringend in Wien sein müsse, werde irgendwo anders „hinverpflichtet“, versichert das Rektorat.

Man wisse auch, dass längst nicht alle der betroffenen Studenten ein Problem damit hätten, ihre Praktika in Spitälern außerhalb der Hauptstadt abzuleisten: Es gebe vielmehr zahlreiche Studierende aus den anderen Bundesländern, die die Praktika auch gerne in ihren jeweiligen Heimatorten absolvieren würden. Auch hier sei aber noch nicht definitiv klar, welche Spitäler im kommenden Jahr welche und wie viele Plätze anbieten werden können. Die Medizin-Uni müsse schließlich auch sichergehen, dass die Kriterien am jeweiligen Standort so beschaffen seien, dass die Studierenden die Praktika dort entsprechend gut absolvieren könnten.

 

Mehr E-Learning geplant

Auch die Befürchtungen einzelner Studierender, dass die Qualität der Lehre leiden werde, wenn sich ein Teil der Studenten nicht in Wien, sondern anderswo befinde, weist das Rektorat zurück: Bisher seien bereits Onlineplattformen in der Uni-Lehre genutzt worden. Das E-Learning werde in diesem Übergangsjahr stärker zum Einsatz kommen – allerdings wird es nach wie vor auch reguläre Lehrveranstaltungen geben.

Auf einen Blick

Medizin. Vor knapp einem Jahr hat die Med-Uni Wien entschieden, ihr Studium neu zu organisieren: Das sechste und letzte Studienjahr wird ab dem Wintersemester 2014/15 zum sogenannten klinisch-praktischen Jahr (KPJ). Auch das Curriculum im vierten und fünften Studienjahr wurde daher entsprechend adaptiert. Die Med-Uni will mit dem KPJ die Praxisorientierung erhöhen: Es wird insgesamt 48 Wochen umfassen. Derzeit besteht das letzte Studienjahr noch aus einem Mix aus Vorlesungen und Praktika. Das KPJ sorgte aber bereits für Kritik: Das Jahr wird finanziell nicht abgegolten. Viele Studierende sind aber im letzten Studienjahr schon zu alt, um Familienbeihilfe zu beziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2013)

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7 Kommentare

ritschls zeiten

ja bald kommts wieder so weit daß zu herrn ritschls zeiten an der gynäkologie fest geschmiert werden mußte, daß man einen praktikumsplatz, wunschprüfer und eine gute note bekommt. die zeiten ändern sich wohl nie.

haha

Mich würde mal interessieren, was der VfGH zu solch tollen Plänen sagen würde! Ich hoffe ein Betroffener klagt der Meduni die Kacke aus dem Leib!

Re: haha

Finde auf der MedUni passieren einige Sachen, die mit unserem Rechtssystem nicht im Einklang stehen.
Auch diese Warteliste, die einigen Studenten Jahre gestohlen hat (sie bekam keinen Studienplatz, trotzt erfüllten Vorausetzungen) hat sich als gesetzeswidrig erwiesen, da jemand geklagt hat und den Prozeß sogar gewonnen hat.
Noch eine zweite bescheidene Frage: Gelten Gesetze für Meduni nicht, dürfen die Verantwortlichen dort WIRKLICH alles machen, bzw. MUSS man sich dort wirklich alles gefallen lassen, weil angeblich alles kostenlos????
So wie ich das Gesetz kenne und interpretiere, ist Meduni VERPFLICHTET die Plätze zu schaffen.
Ich kann z.B. auch nicht aufhören meine Verpflichtungen zu vrnachlässigen, weil ich jetzt gerade irgendwelche Änderungen ins Leben gerufen habe!!!!

Re: Re: haha

gemeint ist natürlich Verpflichtungen zu erfüllen nicht zu vernachlässigen!!! Sorry

Also bitte, was soll dieser Blödsinn????

Ziel einer Studienplanänderung sollte auf keinen Fall die Studenten benachteiligen. Man soll natürlich schauen, dass die Verbesserungen gemacht werden, jedoch nicht so, dass dann nicht ausreichend Studienplätze zur Verfügung stehen.
Vor nicht so langer Zeit gab es sogar eine Warteliste (auf unbestimmte Zeit) für Studenten, die alle Voraussetzungen zum Weiterstudieren erfüllen, jedoch trotzdem keinen Studeinplatz bekommen konnten, weil zu wenig vorhanden war.
Wenn ich mich nicht täusche betrifft es genau diese Jahrgänge, die jetzt auch ohne Studienplatz in Wien da stehen werden.
Bei aller Liebe finde ich diese Form v. Änderungen auf den Rücken v. Studenten, die um ihr Studium finanzieren zu können arbeiten müssen, denen zusätzlich immer weniger Zeit angerechnet wird und die Studienbeihilfe immer mehr gekürzt wird - eine freche Zumutung
Meine bescheidene Frage: Was soll mit jenen Begabten passieren, die daneben erfolgreich noch ein zweites Studium absolvieren. Sollen sie bestraft werden, weil sie bereit sind mehr zu arbeiten als die Anderen?

Finanzielle Abgeltung eines kostenlosen Studienplatzes

Zur Fact-Box:
"Das KPJ sorgte aber bereits für Kritik: Das Jahr wird finanziell nicht abgegolten. ..... "

Auch die anderen 5 Jahre werden nicht "abgegolten". Das 6. Jahr wurde auch bisher nicht "abgegolten". Also ändert sich diesbezüglich genau nix. Normalerweise (in anderen Ländern) wird einem auch das Studieren nicht "abgegolten", sondern vielmehr muß man dafür zahlen, oft nicht zu knapp. Also bitte die Relationen nicht verlieren.

Ziel einer Studienplanänderung sollte sein, die Ausbildung zu verbessern. Das soll mit dem KPJ im praktischen Bereich erzielt werden.

Re: Finanzielle Abgeltung eines kostenlosen Studienplatzes

Sie haben sich aber auch sicher so weit informiert, dass Sie wissen was KPJ heißt:

48 Wochen / 40 Stunden

und nebenbei arbeiten?

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