Britische Unis: Quote für weiße Männer?

Unis sollen weiße Männer aus der Arbeiterschicht bevorzugen - ähnlich wie ethnische Minderheiten. Der Vorschlag des britischen Uni-Ministers sorgt für Wirbel.

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Britische Unis Quote fuer
(c) AP (Matt Dunham)

London/Red. Sollten junge, weiße Arbeitersöhne mit den Angehörigen von ethnischen Minderheiten in einen Topf geworfen werden? Wenn es nach dem britischen Uni-Minister David Willetts geht, ja. Dann nämlich, wenn es um die Aufnahme an einer Uni geht. Im britischen „Telegraph“ schlug Willetts kürzlich eine Männerquote an den Unis vor: Konkret sollen junge, weiße Männer aus der Arbeiterschicht an den britischen Universitäten bevorzugt werden.

Der Grund dafür: An den britischen Unis sind die Frauen zunehmend im Vormarsch. Rund 984.000weiblichen Studierenden stehen 713.000 männliche Kollegen gegenüber. Und: Die Prognosen zeigen, dass sich dieses Ungleichgewicht noch verstärken wird. Die Bewerbungen von jungen Männern an den Unis gehen weiter zurück. Unterrepräsentiert sind vor allem weiße, junge Männer aus Arbeiterfamilien.

Deshalb hat der Uni-Minister eine ungewöhnliche Idee entwickelt: Er will sie ähnlich behandeln wie die Studienbewerber, die etwa einer ethnischen Minderheit angehören. Diese werden in Großbritannien von den Unis gezielt angeworben und gefördert.

 

„Minderleistung junger Männer“

Der konservative Politiker will die Frage nach einer etwaigen Quote für junge, weiße Männer mit dem Direktor des Office for Fair Access (Offa) diskutieren – der Institution, die bereits jetzt die Zugangsberechtigungen für verschiedene benachteiligte Gruppen überwacht. „Ich verstehe nicht, warum das Offa nicht auch auf weiße Arbeitersöhne schauen kann“, so Willetts. Denkbar wäre etwa, dass auch ihre Bevorzugung in die Zulassungsvereinbarungen der Hochschulen aufgenommen wird. Diese müssen die Unis unterschreiben, wenn sie mehr als 6000 Pfund (umgerechnet 7400 Euro) an Studiengebühren pro Jahr einheben wollen.

„Ich bin besorgt über das, was nach einer zunehmenden Minderleistung junger Männer aussieht“, sagte Willetts. Mittlerweile ist die Zahl der Bewerbungen von Männern niedriger als die der Frauen, die tatsächlich ein Studium an einer britischen Uni beginnen.

Leistungsunterschiede zwischen Burschen und Mädchen beginnen schon in der Schule: Maturantinnen haben zumeist bessere Noten als ihre männlichen Kollegen. Für Uni-Minister Willetts ist das „der Höhepunkt eines jahrzehntelangen Trends“. Den Burschen falle es offenbar schwerer, Lernschwierigkeiten zu bekämpfen. „Das ist eine Herausforderung für alle Verantwortlichen.“

Willetts Vorschlag ist alles andere als unumstritten: Privatschul- und Hochschulvertreter äußerten sich gegenüber dem „Telegraph“ kritisch. Es dürfe nicht sein, dass Bewerbungen von Mädchen der Mittelklasse zugunsten von Burschen der Arbeiterklasse abgelehnt würden. Und: Die Universitäten allein könnten das Problem jedenfalls nicht lösen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2013)

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