UniClub: Den Weg zur Universität eröffnen

19.02.2013 | 18:22 |   (Die Presse)

Im UniClub der Uni Wien entdecken bildungsbenachteiligte Jugendliche ihre Potenziale, die Uni und den Arbeitsalltag von Absolventen. Ein Lokalaugenschein beim Austrian Institute of Technology.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien/Beba. Eine überdimensionale Garage irgendwo in einem Industriegebiet in Floridsdorf, ein Labor des Austrian Institute of Technology. Die Physikerin Sara Gasparoni steht zwischen gut einem Dutzend Jugendlicher vor einer vier Meter hohen Lärmschutzwand und erklärt, was sie hier tagtäglich macht. Herausfinden nämlich, in der Regel via Computersimulation, wie diese Wand auf den Schall wirkt. Oder, etwas simpler erklärt: Sie versucht, die Menschen rechts und links der Autobahn vor Lärm zu schützen.

Einfache Erklärungen sind hier wichtig, denn der Großteil der Jugendlichen kann mit hochtrabenden wissenschaftlichen Erläuterungen nicht viel anfangen. Viele von ihnen sind noch nicht allzu lange in Österreich, manche leben überhaupt als Flüchtlinge im Integrationshaus. Andere kommen aus klassischen bildungsfernen Familien. Und dann sind da noch einige, die aus Begabtenförderprojekten kommen. Eine wilde Mischung.

Es ist der sogenannte UniClub, der hier gemeinsam mit Betreuerin Sonja Siegert den Arbeitsalltag von Universitätsabsolventen erkundet. Entstanden im Rahmen des Diversitätsmanagements der Uni Wien, ist der UniClub eine Fortsetzung der Initiativen, die das Kinderbüro bei der alljährlichen Kinderuni bietet – etwa mit den Tagestickets für bildungsbenachteiligte Kinder. Im Club treffen sich insgesamt 40 bis 50 Jugendliche ab 13 Jahren zwei- bis dreimal pro Monat. Sie machen Workshops, treffen Wissenschaftler und Studierende, die sie dann auch an die Uni begleiten können, erhalten eine Führung durch die Universität Wien und machen Exkursionen wie jene zum AIT.

 

Nicht jeder muss studieren

Das Ziel des Projekts ist ein wichtiges in einem Land wie Österreich, wo die Chancen auf Bildungsaufstieg nachgewiesenermaßen gering sind: Bildungsbenachteiligten Jugendlichen soll ein Weg an die Uni eröffnet werden. Die Idee sei aber nicht, alle zwingend zu einem Studium zu bringen, sagt Kinderbüro-Geschäftsführerin Karoline Iber. „Es geht vielmehr darum, dass die Jugendlichen erkennen: Das ist für mich eine Option – und die wollen mich auch. Ob sie es dann tun oder nicht, ist offen.“ Nicht jeder muss studieren – aber sie sollen die Möglichkeit haben, sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden.

Dabei geht es auch um die Vermittlung von grundsätzlichem Wissen – dass Studieren nicht den Superreichen vorbehalten ist –, um Unterstützung, die ihnen ihre Familien teils nicht geben können sowie darum, die eigenen Kompetenzen erkennen zu helfen. Und darum, die Uni anfassbar zu machen. „Die Berufsbilder sind dafür zentral“, sagt Iber. Je abstrakter, desto schwieriger ist es für die Jugendlichen – und auch für ihre Familien –, den Sinn eines Studiums zu erfassen. „Je klarer das Berufsfeld, desto einfacher ist es für Menschen, die die universitären Riten nicht kennen, sich dahin zu arbeiten.“

Dass es nicht immer leicht ist, sein Berufsfeld so zu erklären, dass es auch bei den Jugendlichen ankommt, erlebt indessen trotz Bemühungen Sara Gasparoni. Quantenteleportation, Photonen, Interferenz: Gasparoni, die bei Quantenphysiker Anton Zeilinger dissertiert hat, gehen komplizierte Begriffe doch allzu leicht von den Lippen. Manche der Jugendlichen des UniClub, zumal jene, die noch nicht so lange in Österreich leben, sind damit überfordert.

Zuletzt überrascht aber Ali aus Afghanistan, seit weniger als anderthalb Jahren in Wien. Er scheint an dem Bereich nämlich wirklich Gefallen gefunden zu haben. Sein Fazit: „Alle Berufe sind gut, aber Physik interessiert mich echt.“

Auf einen Blick

Der UniClub ist die Fortsetzung jener Initiativen, die das Kinderbüro der Uni Wien etwa mit Tagestickets für benachteiligte Jugendliche bei der Kinderuni bietet. Mitmachen können alle Jugendlichen ab 13 Jahren, vorrangig aber jene, in deren Familien noch niemand ein Studium absolviert hat.

Das neue UniClub-Semesterstartet am 2. März. Nähere Infos dazu unter: www.uniclub.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare

mit einem iq...

wie ein stein kann man trotz förderungen auch nicht viel rausholen. das reicht nur für die sozialhilfe. ich weis doch für was und wenn ich steuern zahle. mach ich doch gerne.

und dann grad Füsik?

Damit bleibt er/sie nach mühsamem Studium doch wieder nur ein Schani.

AnmeldenAnmelden