Das Doktorat als Lückenfüller

19.02.2013 | 18:22 |  von Julia Neuhauser (Die Presse)

In den Rechts-, Geistes- und Sozialwissenschaften absolvieren immer mehr Studenten das Doktorat aus Mangel an Alternativen. Die Wissenschaft reizt sie nicht.

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Wien. Die Zahl der Doktoranden hat in Österreich mit 26.000 einen neuen Höhepunkt erreicht (siehe Grafik). Damit gibt es nun rund ein Drittel mehr Doktoranden als noch im Jahr 2000. Daraus zu folgern, dass es für Studierende attraktiver geworden ist, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen, wäre dennoch ein Trugschluss. Denn die neu entdeckte Lust am Doktoratsstudium hat viele – häufig durchaus zweifelhafte – Gründe. Das zeigt der Zusatzbericht zur jüngsten Studierendensozialerhebung, der der „Presse“ exklusiv vorliegt.

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Großen Einfluss auf den Anstieg der Zahl der Doktoranden haben demnach etwa die Studiengebühren. Als diese 2001 eingeführt wurden, verloren viele die Lust am Doktoratsstudium. „Mit der Einführung der Studiengebühr verabschiedeten sich zahlreiche Scheininskribierende“, sagt Martin Unger vom Institut für höhere Studien (IHS). Damit sind jene Studierenden gemeint, die zwar inskribiert waren, aber keine Prüfungen absolvierten. Die Abschaffung der Gebühren im Jahr 2009 sorgte wiederum für einen sprunghaften Anstieg der Zahl an Doktoranden. Soll heißen: Das Wegfallen der 363,36 Euro pro Semester führte dazu, dass im Sommersemester 2009 um 43 Prozent mehr Doktoratsstudierende als im vorangegangenen Semester inskribiert waren.

 

Doktorat als Ersatz für den Job

Eine Rolle dürfte dabei aber auch die Umstellung der Doktoratsstudienpläne auf stärker strukturierte Studienpläne gespielt haben. Im Frühling 2009 war es in vielen Fächern zum letzten Mal möglich, im alten Studienplan zu inskribieren. Nicht außer Acht gelassen werden darf die Wirtschaftskrise. Der Arbeitsmarkt sei für Jungakademiker damals weniger aufnahmefähig gewesen, so Unger. Der Beginn eines Doktorats könnte eine willkommene Alternative gewesen sein.

Und dennoch: Dass die Zahl der Doktoranden immer noch hoch ist, dürfte vor allem mit der Abschaffung der Studiengebühren zusammenhängen. Das wiederum ist ein Indiz dafür, dass viele ihre Entscheidung, ein Doktorat zu beginnen, nicht vom Wunsch, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen, abhängig machen. Das bestätigt auch die Sozialerhebung. So geben rund 71 Prozent der Doktoranden an, dass sie das Doktorat mitunter deshalb begonnen haben, weil sie in Wissenschaft und Forschung arbeiten wollen. Im Umkehrschluss heißt das, dass 29 Prozent der Doktoranden nicht einmal damit spekulieren, später als Wissenschaftler zu arbeiten. Hauptmotiv bleibt mit 94 Prozent das Interesse am Fach selbst.

Was Studierende dazu bewegt, ein Doktorat zu beginnen, hängt stark von den gewählten Fachgebieten ab. Studierende der Geistes- und Kulturwissenschaften beginnen überdurchschnittlich oft deshalb ein Dokorat, weil sie mit ihrem Erstabschluss keinen passenden Arbeitsplatz gefunden haben. Mehr als jeder fünfte Doktorand in diesem Bereich gibt das als eines der Motive für die Studienwahl an. Außerdem wollen 17 Prozent der Doktoranden in den Geistes- und Kulturwissenschaften unter anderem einfach nur „länger Studenten sein“.

Die Studierenden eines rechtswissenschaftlichen Doktorats werden indes von einem anderen Motiv geleitet. 58 Prozent von ihnen geben an, das Doktoratsstudium unter anderem deshalb begonnen zu haben, da sie sich davon ein „höheres Ansehen“ erhoffen. Im Vergleich dazu tun das insgesamt nur 39 Prozent der Doktoranden. Außerdem wollen Juristen das Doktorat vergleichsweise oft „ausprobieren“ und einfach „länger Studenten“ sein. Viele hatten aber auch „keine bessere Idee“. Am seltensten von allen haben die Juristen ihr Doktoratsstudium aufgenommen, um in die Forschung zu gehen. Das unterscheidet sie vor allem von den Doktoranden in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Diese streben überdurchschnittlich oft einen Job im Bereich Wissenschaft und Forschung an. 82 Prozent der Techniker und 83 Prozent der Naturwissenschaftler nennen das als Motiv.

Generell scheinen die Doktoranden häufig unzufrieden zu sein. So geben lediglich 58 Prozent an, dass ihre Betreuer die Erwartungen erfüllen können. Nur 41 Prozent der Doktoranden halten die Einbindung in die Forschungstätigkeit für ausreichend.

Auf einen Blick

Die Zahl der Doktoranden stieg seit dem Jahr 2000 um mehr als 6000. Den Ausbau der Doktoratsstudien lässt sich das Wissenschaftsministerium einiges kosten: 18 Millionen Euro werden zusätzlich investiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

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16 Kommentare

2017

spätestens 2017 ist es mit der Doktorenschwemme (ausgenommen Juridicum und Med. Uni) vorbei

Mangels Alternativen....hmmm

...wette 2 Kisten Bier, dass es bei 75% mangels Job oder Aufstiegsmoeglichkeit passiert...

Re: Mangels Alternativen....hmmm

Wer macht eine Ausbildung denn NICHT wegen Aufstiegsmöglichkeiten?

Vollkommene Nullinformation.

Vielleicht finden Sie ja einen Doktoranden, der ein Doktorat anstrebt, um seine Berufsaussichten zu verkleinern. Ohne Job wirds außerdem schwer werden, weil sich die meisten Doktoranden schon selbst versichern müssen. Daher muss man als Doktorand einen Job annehmen. Sonst ist man unversichert. "mangels Job" ist also eine Falschinformation. Weil einen Job hat man als Doktorand. Vielleicht will man aber einen besseren Job. Wer will das nicht? Sind Sie schon Bankdirektor?

Frau Neuhauser ist nur eine kleine, schlechte Journalistin bei einem drittklassigen Blatt. Vielleicht sollte sie einen Dr. anstreben.

aber nein... das wird nix... mit so einer Magisterarbeit findet man keinen Doktorvater :)

Re: Re: Mangels Alternativen....hmmm

..bin für ein Schreibverbot für benedetto...dumm, dümmer, benedetto!!!!!

Re: Re: Mangels Alternativen....hmmm

Abgesehen davon, dass es mir völlig schleierhaft ist, wie sie von diesem Artikel zu Frau Mag. Neuhausers Diplomarbeit eine Verbindung knüpfen, dürften Sie sich anscheinend persönlich angegriffen fühlen. Ihr Kommentar ist nicht nur weit entfernt von konstruktiver Kritik, sondern letztklassig und grenzt schon fast an üble Nachrede.
Ich hoffe jedoch, dass es sich bei Ihnen um keinen Akademiker/in handelt. Denn von einem(r) Akademiker/in erwarte ich mir mehr Würde und Respekt.

Re: Re: Mangels Alternativen....hmmm

Und was bist du genau nochnmals, das es dich so aufregt was andere deiner unwichtigen Meinung anch für Abschlussarbeiten schreiben?

Schon von der Mama zuhause ausgezogen oder passiert das doch nicht nach dem 40er sondern eher nach dem 50er weils ja zuhause so schön gemütlich und kuschlig ist?


Jeder soll sich ein Leben lang weiterbilden können, nicht nur in der Volkshochschule sondern auch auf Universitätsniveau.

Wenn jemand unbedingt einen Doktortitel haben will, dann soll er die Chance bekommen sich ihn zu erarbeiten. Lebenslanges Lernen schützt vor Alzheimer. Warum sollte man nicht auf hohem Niveau lernen dürfen? Es gibt keine Alternative zur Universität.
Wenn die reine Wissensvermittlung vom Staat finanziert wird, ist das noch irgendwie plausibel, selbst bei älteren Semester. Es gibt aber absolut keinen Grund, warum die Allgemeinheit für die persönlichen Bedürfnisse der Studenten während des Aufenthalts in der Universität aufkommen soll (Heizung, Strom, Wasser, Reinigung, Klopapier .....). Die Studiengebühr von 360€ pro Semester ist nur ein Betrag für die Unkosten die durch die physische Anwesenheit der Studenten verursacht werden. Es ist nur fair, wenn die Studenten vom Bachelor bis zum Doktor die Kosten für ihre persönlichen Bedürfnisse selbst bezahlen.

Wenn Studenten oder Doktoranden nicht wirklich studieren oder forschen, sondern nur den Beitrag bezahlen, ist das für die Uni kein Nachteil.

Re: Jeder soll sich ein Leben lang weiterbilden können, nicht nur in der Volkshochschule sondern auch auf Universitätsniveau.

die allgemeinheit profitiert von den Akademikern massiv!

Personen mit tertiärer Ausbildung liefern im Schnitt 40% MEHR an den Staat ab als Personen sekundärer Ausbildung!

OSZE Bildung 2010!

Beim Ausfüllen des AMS-Antrages

kommt das Dr. vorm Namen sicher gut bei der Arbeitslosenverwalterin an.

Re: Beim Ausfüllen des AMS-Antrages

es bleibt Ihnen frei Ihr Titel anzugeben oder auch nicht. Aber das tun ohnehin 99,9% aller Österreicher, sogar Ing. welcher eigentlich kein akademischen Titel ist, werden angegeben, sofern man/Frau hat.

Re: Re: Beim Ausfüllen des AMS-Antrages

na wenn danach gefragt wird?

Quatsch

das muss man dem Artikel lassen - soviel Quatsch derart Komprimiert zu schreiben muss man erst mal schaffen

Re: Quatsch

Ihr Nickname sagt alles. Ihre Einstellung zum Leben: Themenverfehlung!

Re: Re: Quatsch

also für ihren Kommentar wäre eine etwas tiefergehende Erklärung nötig - ein Doktorat ist alles andere als eine 'Beliebigkeit' - über die Zulassung entscheidet ein Gremium, der Finanzierungsplan muss klar sein usw. - und es wird ein Vertrag zwischen Universität und Diss. Kandidaten abgeschlossen ! Ob das jetzt alles so gut ist bezweifle ich - aber man geht nicht aus Jux an eine Diss

uebersetzung

waehrend die soziale realitaet in korruption und nationalsozialismus untergeht den die "doktoren" bewirken weiss die akademische welt sehr viel darueber, weil sie es verursacht. die lueckenbuesser in dem artikel sind arme leute und nicht der doktortitel. nein, mir hilft das nicht, wenn ich das schreibe! ha ha ha

Re: uebersetzung

Sie sind wohl ein sehr beschränkter Zeitgenosse...

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