Jeder Zehnte machte im Vorsemester keine Prüfung

01.03.2013 | 11:49 |   (DiePresse.com)

Studierende legen vor allem aus beruflichen Gründen keine Prüfungen ab. Nur rund die Hälfte hält einen Abschluss in Mindestzeit für möglich. Am ehesten glauben die Studenten der zugangsbeschränkten Unis daran.

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Fast jeder zehnte Student hat im Wintersemester 2010/11 nach eigenen Angaben keine Prüfung abgelegt bzw. kein Zeugnis erworben. Das zeigt ein am Freitag präsentierter Zusatzbericht der im Sommersemester 2011 durchgeführten Studierendensozialerhebung. Als Ursache dafür werden berufliche Gründe genannt (40 Prozent), gefolgt von der Arbeit an der Abschlussarbeit (34 Prozent), privaten Gründen (20 Prozent), Auslandsaufenthalten (13 Prozent) und Trägheit (zwölf Prozent).

Bei den Zahlen müsse man mitbedenken, dass darin nur jene Studenten erfasst wurden, die nach ihrem Semester ohne Leistungsnachweis auch tatsächlich weiter inskribiert waren und ihr Studium nicht abgebrochen haben, so Studienautor Martin Unger (Institut für Höhere Studien) bei einer Pressekonferenz. Dass Studenten keine Prüfungen machen bzw. Zeugnisse erwerben, heißt aber noch nicht, dass sie überhaupt nicht studieren.

Nur vier Prozent sind absolut untätig

Rund die Hälfte der Studenten ohne Leistungsnachweis ist trotzdem studienbezogenen Tätigkeiten nachgegangen - sie haben etwa an ihrer Abschussarbeit gearbeitet, ein Auslandssemester oder Pflichtpraktikum absolviert, für eine große Prüfung gelernt oder die geforderte Prüfung nicht bestanden. Nur vier Prozent waren studientechnisch gesehen absolut untätig.

An wissenschaftlichen Universitäten ist der Anteil der Studenten, die im vorangegangenen Semester keinerlei Zeugnisse erworben haben, mit zehn Prozent am höchsten, an den Kunstunis betraf dies sieben Prozent, an Fachhochschulen (FH) drei und an Pädagogischen Hochschulen (PH) zwei Prozent der Studierenden. Am häufigsten ohne jeglichen Leistungsnachweis blieben an den Unis Studenten in individuellen (16 Prozent), theologischen und medizinischen Studien (14 Prozent).

Abschluss in Mindestzeit unwahrscheinlich

Weiteres Ergebnis der Studie: Insgesamt 47 Prozent der Uni-Studenten sind der Ansicht, dass die universitären Rahmenbedingungen keinen Abschluss in Mindeststudienzeit zulassen. An der Wirtschaftsuniversität (WU) beträgt dieser Prozentsatz sogar 70 Prozent, an der Uni Wien 54 und an der Technischen Universität Wien 51 Prozent.

Am ehesten an die Chance eines schnellen Studiums glauben die Studenten an zugangsbeschränkten Unis wie den Medizin-Unis (Innsbruck: elf Prozent, Wien: 19 Prozent, Graz: 21 Prozent), der Veterinärmedizinischen Universität (23 Prozent) und diversen Kunstunis (Linz: 19 Prozent, Mozarteum: 23 Prozent).

FH-Studenten sind am zufriedensten

Am zufriedensten sind die Studenten übrigens mit dem Umgang der Studenten untereinander (74 Prozent), gefolgt von der inhaltlichen Ausrichtung des Studiums (70 Prozent) und der Bibliotheksausstattung (65 Prozent). Am unzufriedensten zeigten sie sich mit der Förderung von interdisziplinärem Wissen (40 Prozent) sowie dem Praxisbezug des Studiums, der Verfügbarkeit von Lernplätzen für Gruppenarbeit und der Vermittlung von sozialen Kompetenzen (je 42 Prozent).

Generell sind FH-Studenten deutlich zufriedener mit der Studiensituation als ihre Kollegen an Unis und FH - an den Unis wiederum sind die Studierenden an kleinen Unis zufriedener als ihre Kollegen an großen Wiener Unis.

Verbesserungsbedarf bei Geschwindigkeit

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) sieht bei der Studiergeschwindigkeit einen "gewissen Verbesserungsbedarf". Er sei zwar der Meinung, "dass man nicht durch die Universität durchrasen muss mit Scheuklappen - man kann schon auch nach links und rechts schauen". Wenn Studenten aber wegen fehlender Plätze in Lehrveranstaltungen Zeitverluste erlitten, müsse man dies beheben. Er setzt in diesem Zusammenhang auf die Studienplatzfinanzierung.

Für die Erhebung wurden im Sommersemester 2011 rund 44.000 Studenten befragt.

(APA)

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20 Kommentare

Geld wächst auf grünen Bäumen

Und wieder kosten uns irgendwelche möchtegernstudenten einen haufen geld...

Re: Geld wächst auf grünen Bäumen

Sie haben den Artikel nicht verstanden. "vegetation" unten hat schon einen guten Ansatz, aber der Artikel selbst sollte eigentlich klar sein. Die 10% hören sich nach viel an, um ise auf eine Schlagzeile zu klatschen - mit 4% haut man keinen vom Hocker.
Aus eigener Erfahrung kann ich ihnen sagen, dass das Studium in Wien hauptsächlich ein "Selbststudium" ist und die Betreuung eigentlich gar nicht existiert (Biologie). Die Vortragenden sind gar nicht so übel, aber die Distanz zwischen Vortragenden/Studenten und Theorie/Praxis ist einfach zu groß... man müsste wirklich mehr Geld (Betreuer) in die Hand nehmen, um da etwas zu bewirken, nur unterstützt das die Bevölkerung nicht.

egal

wer sich auch nur irgendwie auskennt weiss, dass Bumelstudenten keine Kosten verursachen - so hat die Universität Wien 92.000 Studierende - wovon im Sommersemester 2012 56.000 als aktiv studierend geführt wurden - d.h. wenigstens eine Prüfung ablegten - dazu kommen aber um die 15.000 Studierende, die im Stadium der Diplomarbeit / Masterarbeit sind und bereits alle Prüfungen hinter sich haben und nicht zu vergessen die Doktorarsstudierenden - so sind es ca. 70.000 aktiv Studierende von 92.000 - ein sehr guter Schnitt

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im wievielten semeseter ist eigentlich kickl


Re: im wievielten semeseter ist eigentlich kickl

was?
kickl hat die studierreife?
da muss man sich wirklich sorgen um das niveau der studierenden machen!!

Re: im wievielten semeseter ist eigentlich kickl

Ist "semeseter" ein Verb oder ein Adjektiv? Die Übersetzung verlange ich gar nicht, weil die haben Sie bestimmt selber schon vergessen. Aber Sie fallen generell schon auf hier, weil Sie sozusagen intellektuell den absoluten Tiefpunkt markieren.

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Ich habe mich immer schon gefragt...

... wie sogenannte "Bummelstudenten" Kosten verursachen können? Laut Definition besuchen sie ja keine Vorlesungen, keine Seminare und keine Prüfungsplätze, sprich, sie verbrauchen genau null Ressourcen.

Eigentlich sollten die Befürworter von Studiengebühren froh darüber sein, dass es Bummelstudenten gibt. Sie sind es nämlich, die heutzutage schon Studiengebühren zahlen.

Re: Ich habe mich immer schon gefragt...

nur, weil man keine Prüfung absolviert heißt das nicht, dass man Plätze nicht belegt, denn hören kann er viel, der Bummler

Re: Re: Ich habe mich immer schon gefragt...

überbelegt sind vor allem Einführungslehrveranstaltungen der "Massenstudienfächer". Die hört sich aber kein Bummler mehr an.

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nasowas

mir scheint, dass überall dort, wo das studium straff organiseirt ist, und ernsthafte kandidaten am werk sind, ein jedenfalls höherer prozentsatz abschließt, als in jenen bereichen, wo leute keine klare vorstellung und nur vage ziele bezüglich eines berufes haben.
eigentlich typisch österreichisch. schau ma mal, man wird schon sehen, wo man hinkommt.
das ist ein wesentliches element großer teile der gesellschaft, und damit auch der studierenden.
vielleicht hat sich noch nicht herumgesprochen, dass studium auch arbeit,- leider ohne bezahlung- ist, und dass das studentenleben für viele (leider) auch entbehrungen mit sich bringt.
meine studienzeit war auch eher karg, heute wollen das viele nicht mehr.

Re: nasowas

das problem dabei ist, dass ein strukturiertes studium nicht überall sinnvoll ist. bei vielen studien geht es nun mal nicht nur darum, wie in der schule, möglichst viel wissen in kurzer zeit in sich hineinzustopfen, um es dann bei der prüfung abzurufen und dann gleich wieder zu vergessen.

wenn jemand ein zwei sprachen lernt oder sich nebenbei andere fähigkeiten aneignet, die nicht unmittelbar mit dem studienplan in verbindung stehen, ist er wesentlich besser ausgebildet, als jemand der das studium in mindeszeit macht. ausserdem ist ja die selbstorganisation eine fähigkeit für sich, die man während des studiums ganz gut lernt

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Jeder zehnte machte im Vorsemester keine Prüfung ....

no, das wäre doch eine lösung:

ein semester ohne prüfung (ausnahme krankheit), und du zahlst studiengebühr oder bist raus.

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Re: Jeder zehnte machte im Vorsemester keine Prüfung ....

Dieser Meinung bin ich auch, außer die Studenten gehen einer Arbeit nach und machen das Studium nebenbei. Bei den anderen sehe ich das nicht ein. Entweder aus der Uni raus oder zahlen. Meine Tochter hat jedesmal Probleme, in Kurse reinzukommen. Sie geht dann trotzdem zu den Vorlesungen und manche Professoren honorieren das und nehmen die Fleißigen in die Kurse und werfen diese raus, die zwar bei der Anmeldung Glück hatten, aber dann selten erscheinen. Finde ich persönlich ok.

sie haben keine ahung

ich arbeite normal und mache nebenbei das doktorat. die paar prüfungen für das doktoratsstudium habe ich schon längst absolviert, ich schuster noch an der arbeit herum, mache aber natürlich keine prüfungen und falle in diese statistik. nebenbei habe ich noch zwei andere fächer inskribiert, rein interessenshalber, da mache ich momentan auch keine prüfungen, weil es sich zeitlich nicht ausgeht - das kostet aber dann auch niemand etwas. ich falle also gleich 3 mal in diese statistik. lasse mir aber als jemand der 60-80 stunden in der woche arbeitet sicher nicht vorwerfen, dass ich faul bin

Re: sie haben keine ahung

aber Doktoratsstudierende sind ja nicht einmal annähernd ein Thema in diesem Zusammenhang - das ist eine ganz eigene Gruppe, die aus den "Studierenden- Diskussionen" ausgenommen sind

sorry - ich geb ihnen recht ...

wär eben eine einfache lösung, und einfache lösungen sind selten gut.

Jetzt nicht verwunderlich.

Die Zeit, wo man zwar schon alle erforderlichen Prüfungen absolviert hat, und sich mit der Abschlussarbeit rumquält, zieht sich in machen Studien.

Die Frage, ob und in welchen Umfang eine Abschlussarbeit erforderlich ist, sollte bei des Studienwahl nicht ganz unberücksichtigt bleiben.

Es...

..'studieren' viele, die an einer Universität nichts verloren haben.

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Re: Es...

Ja, Sie haben ja so recht!
Diese Aussage liesse sich doch generalisieren, z.B. auf das Presse-Posting- Forum...

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Re: Es...

Oh wie recht Sie haben ..

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