Faulhammer: Der heimliche Wissenschaftsminister

05.03.2013 | 18:13 |  BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Kaum einer dürfte über Uni-Gesetze und Budget besser Bescheid wissen als Friedrich Faulhammer. Dennoch wechselt Töchterles Generalsekretär nun als Rektor an die Donau-Uni.

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Die Reaktion war so vielsagend wie treffend. „Wer ist denn dann Wissenschaftsminister?“, wurde getwittert, nachdem bekannt wurde, dass Friedrich Faulhammer, Generalsekretär im nämlichen Ministerium, als Rektor an die Donau-Uni Krems wechseln würde. Wenig schmeichelhaft für den wahren Ressortchef Karlheinz Töchterle (ÖVP). Und dennoch: Der 49-jährige Faulhammer galt stets als einflussreicher Berater der (rasch wechselnden) Minister; sieben hat er schon erlebt. Kaum einer dürfte besser Bescheid wissen über Uni-Gesetze und Budget als Faulhammer. Wann immer es etwas zu erklären gibt, sitzt er garantiert mit am Tisch. Und er ist es auch, der als der „Experte“ angesprochen wird, wenn die Sache kompliziert wird (Töchterle, amüsiert: „Ich würde mich ja auch als Experte bezeichnen.“).

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Etwas, das für seinen zukünftigen Job mit Sicherheit von Vorteil sein wird. Immerhin hat Faulhammer drei Mal für das Ministerium die Leistungsvereinbarungen mit den Unis verhandelt. Und er gilt als harter Verhandler. Auch scharfe Töne werden ihm da nachgesagt, bis hin zu einer gewissen Arroganz, mit der er zuweilen aufgetreten sei, gar von „Befehlston“ ist die Rede. So habe er das keinesfalls empfunden, sagt Faulhammer. „Wenn man mehrere Stunden verhandelt, kann es schon sein, dass der Ton etwas schärfer wird.“ Er sei, sagt er, aber durchaus auch charmant bei Verhandlungen. Überhaupt ist er charmant, im Auftreten professionell, freundlich, humorvoll. „Da habe dann vielleicht ich das Bummerl“, scherzt er, wenn es um die Budgetverhandlungen in zwei Jahren geht: Er wird dann auf der anderen Seite des Tisches sitzen, wohl einem seiner bisherigen Kollegen gegenüber, und seinen Teil vom Kuchen erkämpfen müssen.

Warum ein Mann, der als derart kompetent gilt in seinem Bereich, aber nun an eine Uni geht, die öffentlich kaum beachtet wird, an der es zudem wiederholt zu internen Querelen kam (auch der bisherige Rektor Jürgen Willer warf nach Konflikten das Handtuch)? „Ich habe gesehen, welch schöne Gestaltungsmöglichkeiten die Unis haben“, sagt er selbst. Kolportiert wird, dass die Entscheidung womöglich auch damit zu tun habe, dass die ÖVP befürchte, nach der Wahl nicht mehr den Uni-Minister zu stellen – etwas, das Faulhammer aber von sich weist. Grund für den Wechsel sei – neben der „faszinierenden neuen Aufgabe“ – schlicht der Zufall des freigewordenen Rektorspostens in Krems.

Tatsächlich hat die Findungskommission ihn zum Hearing eingeladen, er hat sich nicht selbst beworben. Anders im Jahr 2009, als er von sich aus eine Bewerbung nach Krems schickte. Worauf Minister Johannes Hahn (ÖVP) ihn kurzerhand zum Generalsekretär machte (und dafür mitunter kritisiert wurde; das Ministerium sei für einen solchen Posten viel zu klein). Faulhammer zog die Bewerbung zurück. Und entschied sich noch einmal fürs Ministerium. Sein Ministerium, möchte man fast sagen. Wie sehr er sich damit identifiziert, zeigt eine Andekdote, die Mitte der 90er datiert. Er legte sich ein Wunschkennzeichen zu. Eines mit dem Kürzel des Ministeriums: BMWF15. „Viele dachten damals, ich arbeite für BMW“, erzählt er.

 

Ins Ministerium einberufen

Dabei beschäftigt er sich schon sein halbes Leben mit Hochschulpolitik. Nach drei Jahren als Assistent am Institut für Rechtsgeschichte wechselt er in die Rechtsabteilung der Uni Wien. Wenig später wird er, die Uni ist quasi noch eine Außenstelle des Ressorts, ins Ministerium einberufen. Seit 1990 ist er dort tätig. Mitgestaltet hat er unter anderem die Autonomie, den Ausbau der Fachhochschulen (die ihm, meinen manche, stets näher gelegen hätten als die Unis), die Qualitätssicherung, die Leistungsvereinbarungen.

Seit 2005 leitet er die Sektion I – Unis, FH, Privatunis. Auf diese Zusammenschau des tertiären Sektors muss er in Krems nicht einmal verzichten: Mit FH und PH, der öffentlichen Donau-Uni und demnächst auch der privaten Pröll'schen Med-Uni sind dort alle Hochschultypen versammelt. Spätestens mit September wird Faulhammer seinen Rektorsjob antreten.

Zur Person

Friedrich Faulhammer (49) ist seit 1990 im Wissenschaftsministerium tätig, zuletzt als Leiter der Hochschulsektion (seit 2005) und als Generalsekretär (ab 2009). Mitte Februar wurde der Jurist zum Rektor der Donau-Uni Krems gewählt, die auf Weiterbildung spezialisiert ist. Faulhammer ist verheiratet und Vater dreier Söhne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2013)

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3 Kommentare

Bravo

die beste Aktion von Töchterle den verbohrten "Modernisierer, Liberalisierer im ewig gestrigen Sinn" wegzuloben
Chapeau Herr Minister

Faulhammer - Pichl - Töchterle

Ich denke, die Entscheidung von Faulhammer wurde sicher durch andere Faktoren beeinflusst als im Artikel dargestellt. Mir fällt auf, dass strategische Aussagen von Elmar Pichl erfolgen und er eher mit BM Töchterle an einem teilweisen Rückbau arbeiten würde als Faulhammer, der diesen weitgehend falsch umgesetzten Gedanken der UNI-Autonomie zu verantworten hat. Dass an einer tiefgreifenden Novellierung des UG 2002 gearbeitet wird ist allgemein bekannt - leider nicht an einer Verbesserung der Situation der als Angestellte geltenden UNI-Mitarbeiter_innen - bei denen ist von den Rektoraten gelobte Autonomie nie angekommen - sondern das Ministerium will wieder mehr an Kontrollfunktion zurückgewinnen. Aber auch der Plan der Re-Integrierung der Medizinuniversitäten in die jeweiligen "Hauptunis" ist ein Beleg für einen fraglichen Gestaltungswillen des Kabinetts von BM Töchterle. Ob das alles mit einem strikten Vertreter des UG2002 wie Faulhammer so einfach gegangen wäre mag ich mal bezweifeln.

der ist also für das disaster verantwortlich


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