Medizinstudenten: Die Deutschen gehen wieder

27.03.2013 | 18:14 |   (Die Presse)

Nur jeder siebente deutsche Medizinstudent plant, auch nach Studienabschluss in Österreich zu bleiben.

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Wien/Apa/J.n. Es wurde bereits seit Längerem vermutet, dass ausländische Medizinstudenten zwar die Ausbildung in Österreich genießen, nach Studienabschluss aber wieder in ihre Heimat zurückkehren. Beweisen konnte man das bislang aber nur schwer. Die Sonderauswertung der Studierenden-Sozialerhebung 2011 zeigt nun, dass die angestellte Vermutung nicht weit hergeholt ist.

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Laut Auswertung des Instituts für Höhere Studien (IHS) planen lediglich 15 Prozent der ausländischen Medizinstudenten, auch nach Studienabschluss weiter in Österreich zu bleiben (siehe Grafik). Für jeden Fünften steht bereits fest, dass er wieder in die Heimat zurückkehrt. Rund 13 Prozent wollen sich in einem anderen Land niederlassen. Der Großteil ist noch unentschlossen. Geht man davon aus, dass sich die Unentschlossenen nicht völlig anders entscheiden als jene, die bereits eine Wahl getroffen haben, würde das bedeuten, dass nur ein knappes Drittel nach der Ausbildung in Österreich bleibt.

Die größte Gruppe der ausländischen Medizinstudierenden, die Deutschen, sind dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil: Nur jeder siebente deutsche Medizinstudent plant, nach Abschluss des Studiums in Österreich zu bleiben – schließt man Unentschlossene aus, sind es immer noch nur 29 Prozent.

(C) DiePresse Medizinstudenten

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Positiv für Quotenregelung

Diese Zahlen könnten für Österreich noch von entscheidender Bedeutung sein. Und zwar in den Verhandlungen mit der EU über die Quotenregelung im Medizinstudium. Derzeit sind nämlich 75 Prozent der Medizin-Studienplätze für Personen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, 20 Prozent gehen an Bewerber aus EU-Staaten und fünf Prozent an Kandidaten aus Drittstaaten. Eine Regelung, die die EU voraussichtlich nur bis zum Jahr 2016 akzeptieren wird. So lange hat Österreich Zeit, um zu beweisen, dass der Wegfall dieser Quotenregelung negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung im Land haben würde. Dazu braucht es Fakten, und genau die wurden durch diese Zahlen zumindest teilweise geschaffen.

Doch nicht nur im Bereich Medizin kommen die Ausländer zum Studieren nach Österreich und verabschieden sich dann wieder. In der Veterinärmedizin ist die „Bleibeabsicht“ mit elf Prozent (mit Unschlüssigen) bzw. 24 Prozent (ohne Berücksichtigung der Unschlüssigen) noch niedriger. Demgegenüber rechnen immerhin 41 Prozent der ausländischen Jus- und 38 Prozent der Lehramtsstudenten mit einem Verbleib in Österreich. Die vergleichsweise hohe Bleibeabsicht hat vorwiegend mit dem Studieninhalt, der auf eine Tätigkeit in Österreich hinzielt, zu tun.

Hohe Bleibeabsichten müssten eigentlich im Interesse Österreichs sein. Denn die Zahl der Ausländer, die in Österreich studieren, steigt stetig. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich sogar mehr als verdoppelt (siehe Grafik). Damit ist derzeit in etwa jeder fünfte Student in Österreich Ausländer – im internationalen Vergleich eine sehr hohe Zahl, die nur von Zypern übertroffen wird.

Angesichts dessen lobt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) die „besonders starke Internationalisierung“. Ein Wermutstropfen bleibt aber: Ausländische Studierende brechen ihr Studium deutlich häufiger ab als andere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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93 Kommentare
 
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das ist keine "Internationalisierung"


wie es Töchterle nennt sondern einfach nur eine Schar von deutschen Hyänen die den oesterreichischen Studenten und dem oesterreichischen Land NICHTS Gutes tun....

wieso setzen sich unsere politiker nie ein?

also in der eu
die nummerus clausus regelung verursacht dass wahnsinnig viele deutsche Studenten zu uns kommen und nicht genausoviele von uns nach Deutschland.
dass die noten in der schule absolut nichts über die Begabung aussagen sollte jeder wissen
und die deutschen verbauen ihren eigenen Leuten die möglichkeit auf einen guten platz.
wieso setzen sich unsere Politiker nicht einmal dafür ein dass diese schwachsinnsregelung abgeschafft wird
weil so würden die deutschen eher eine möglichkeit sehen in ihrem eigenen land die Ausbildung zu machen wenn sie eh von vorn herein nicht in ö. bleiben wollen und alle wären um ein stück glücklicher weil die Österreicher eine genauso gute chance haben in Deutschland genommen zu werden wie die deutschen bei uns

alles kopfbezogen, wie im Kino.

Kaum ein Bezug auf sachliche Themen. Die "Kamera" schwenkt immer auf Gesichter :-(((

was, da gibts noch welche, die sich die hiesigen verhältnisse antun möchten und hierbleiben wollen ?



Widrige Arbeitsbedingungen in Österreich

Die Entwicklung in Richtung zunehmend sinnlosere "Immigrations-Sozialstaat-Medizin" auf den Spitalsambulanzen neben fachlich anspruchslosem Hilfsarbeiterturnus bei unattraktiven Wochenarbeitszeiten führen dazu, dass viele österreichische Mediziner ins nordwestliche Ausland fliehen - warum sollten also die Deutschen bleiben wollen?

Kein Wunder

dass viele junge Mediziner nach Deutschland wandern, denn die Gehälter von jungen Ärzten in Österreich sind einfach nur ein Witz!

Auch Österreicher gehen nach Deutschland!

...das ist nämlich die andere Seite der Medaille! Österreich tut immer so, als ob wir die Größten wären und alle sich danach sehnen, bei uns im Turnus Hilfsjobs zu übernehmen...fragen Sie einen Wirtschaftsabsolventen nach 6 Jahren Studium, ob er den Handlanger und Systemerhalter spielen will - der wird Sie auslachen und ins Ausland gehen. Und genau das passiert inzwischen auch mit den Ärzten. Wenn ich noch einmal höre, wie toll in Ö alles ist und wie wichtig der Turnus und dass es eh keinen Ärztemangel gibt, dann wird mir schlecht! Es gibt einen Ärztemangel und in Regionen, wo es den noch nicht gibt, kommt der in den nächsten Jahren. Punkt, aus. Und Ö wird sich wieder mit 10 Jahren Verspätung überlegen, wie man dieses Problem lösen könnte. Inzwischen sind viele gute Mediziner abgewandert - man sollte einmal fragen, wie viele von denen wiederkommen.

Danke Herr Minister, Danke an die Spitalserhalter, Danke an die Sozialversicherungen!

Bei diesen Arbeitsbedienungen und Bezahlung ist es kein Wunder!
Bald werden wir nur noch von Ostärzten mit fragliche Qualifikation und kaum Deutschkenntnissen "behandelt".

Ausnutzen!

system ausnutzen solange es geht ! ich studier grad und werd dann auch ins ausland gehen wo sehr viel besser ist! warum schulde ich dem "staat" was ? ich nutze nur die mir zur verfügung stehenden mittel!

und wieder ohne plan und ziel

der österreichische steuerzahler finanziert die ausbildung, die wertschöpfung für den staat (=einkommenssteuern etc.) erfolgt woanders. stattdessen sollte man dem wahren wert der ausbildung entsprechende studiengebühren einführen, die dann zu 100% steuerlich absetzbar sind. dann kann es sich der fertig studierte ja aussuchen, ob er ins ausland geht und damit auf seinen studiengebühren sitzenbleibt (oder ein anderer staat sie als abzugsfähig anerkennt; das ist dann dessen problem) oder hier bleibt und die studiengebühren absetzen kann.

Angeblich gehen nicht nur deutsche Medizinstudenten

wieder nach DE, sondern auch sehr viele Österreicher. Es sollen die Bedingungen dort deutlich besser sein.

Schlimm....

Es soll ja auch tatsächlich noch Menschen geben, die etwas mehr von der Welt sehen wollen als unser kleines Österreich !

Wenn ich so manche Kommentare hier lese, verstehe ich sogar warum.


Was für eine Überraschung!

Und was wird die nächste?

Nicht nur die Deutschen !

Kaum ein Student - und nicht nur Mediziner - arbeitet dann an dem Ort wo er studiert hat. Die wenigsten der deutschen Mediziner die in Österreich tätig sind haben in Österreich studiert.
Das gilt auch für andere Berufsgruppen, höher qualifizierte Fachleute wollen auch wir anlocken ("die uns nützen und nicht die die uns ausnützen"), egal woher sie ihre Ausbildung haben.
Die Studienwerberproblematik ließe sich mit Studiengebühren und Stipendien regeln, auch im Sinne der Hochschulen. Kubanische Verhältnisse (kostenloses Studium mit lebenslangem Ausreiseverbot) möchte hier wohl keiner.

In der Privatwirtschaft

gibt es im Dienstvertrag eine Klausel, dass bei Verlassen der Firma die Ausbildungskosten (Fortbildungsseminare etc) zurückgezahlt werden müssen.
Für den Abwerber ist dieser gut ausgebildete Mitarbeiter also nicht "gratis"!

Das könnte man doch auf ausländische Studenten umlegen.

Re: In der Privatwirtschaft

warum kleckern, klotzen! führen wir doch gleich generell eine flächendeckende wegzugsbesteuerung für all die miesen säcke ein, die der meinung sind, woanders bessere berufsaussichten zu haben. ich denke da so an 50% des erwarteten (=staatlich geschätzten) zukünftigen Lebenseinkommens. Wenn sich nach Ableben des steuerpflichtigen herausstellt, dass das Lebenseinkommen zu hoch geschätzt war, dann erfolgt eine Rückzahlung in den Nachlass. Dieser Betrag muss dann selbstverständlich Erbschaftsversteuert werden. Denn sonst würden ja die Erben etwas bekommen, wofür sie nix geleistet haben. Ach was, wenn schon denn schon: setzen wir den Erbschaftssteuersatz gleich mit 100% an. Niemand soll von Leistungen, die er nicht selbst erbracht hat profitieren! Freundschaft Genossen!

Re: In der Privatwirtschaft

Das ist eine sehr gute Idee! Studenten, die an einer österreichischen Universität studiert haben, sollten verpflichtet werden, solange in Österreich zu arbeiten, solange das jeweilige Studium gedauert hat.

Sollte der Student vor dieser Zeitdauer Österreich verlassen, so sind für die Differenz zur Studiendauer Ausbildungskosten nachzuzahlen.


Re: Re: In der Privatwirtschaft

jawoll, am besten in einem sozialistischen umerziehungslager, in dem dem betreffenden dann auch gleich das richtige sozialistische weltbild vermittelt werden kann. es kann ja nicht sein, dass diese studierten gfraster immer nur auf ihren eigenen vorteil schauen.

Re: Re: In der Privatwirtschaft

dieses Prinzip gabs in Ägypten, führte dazu dass Hochschulabsolventen bei den Staatsbahnen Fahrausweise kontrollierten, kurzum nennt man das System Staatssozialismus Mubarak.

Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft

ich studier auch gratis hier und zieh dann in die schweiz wo ich das dreifache verdien ;) neidisch ? ich pick mir nur die rosinen aus dem leben!

Re: Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft

In der Schweiz muss es ja schon eine Inflation von Akademikern geben, wenn alle dorthin auswandern, drückt das nicht die Löhne?

Irgendwas muss in der Schweiz falsch laufen, wenn sie so viele Genies aufnimmt!

Re: Re: Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft

da läuft nix falsch, das ist so eine Art Karussell. Schweizer, und nur Schweizer bekommen Jobs bei internationalen Organisationen - gehn nach Asien, Afrika usw., deshalb ist schon jeder zweite Arzt in der Schweiz ein gebürtiger Deutscher. Sie können das beliebig weiterspinnen . . . :-))

Re: Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft

wenn Sie vorher 5 Jahre bei der ÖBB als Kontrollor tätig waren bin ich Ihnen nix mehr neidig - eigenartige Vorstellung von Rosinen haben Sie ? Ihr Studium könnens auch vergessen weil alles veraltet.

Re: Re: Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft

öbb kontrolleuer ? what ? als mediziner ist man immer gefragt egal ob in der schweiz, österreich oder deutschland nur die bedienungen zum arbeiten sind im ausland besser ;)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: In der Privatwirtschaft


'bedienungen' ist gut ... ! :)

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Kostenumlage

Bei der Bildung sollte auf jeden Fall berücksichtigt werden, wer das finanziert. Somit kann es nur heißen, Studiengebühren für alle.

Für jene Studierenden, deren Familien in Österreich ansässig sind und hier Steuern zahlen, eine Teilrefundierung mit der Kinderbeihilfe. Für alle anderen der volle Studienbetrag, da ja auch nichts zum österreichischen Budget beigetragen wird.

Ich würde das kostenneutral und fair finden und somit ist das dann ganz unabhängig davon, wohin der Absolvent danach geht.


 
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