Immer mehr deutsche Professoren

02.04.2013 | 11:52 |   (DiePresse.com)

An der Uni Wien wird jede dritte Neuberufung mit einem Bewerber aus Deutschland besetzt. Diese seien gut qualifiziert, sagt der Wissenschaftsminister.

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An österreichischen Universitäten studieren nicht nur immer mehr deutsche Studenten, sondern es lehren und forschen auch immer mehr deutsche Professoren. Von insgesamt 2255 Professorenstellen sind 532 mit Deutschen besetzt, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil".

An der Uni Wien und an der Uni Salzburg sind demnach jeweils knapp 38 Prozent der Professoren deutsche Staatsbürger, an der Uni Innsbruck 25 Prozent. An der Uni Wien wird jede dritte Neuberufung mit einem Bewerber aus Deutschland besetzt.

„An unseren Universitäten herrscht ein brutaler Verdrängungswettbewerb“, zitiert das Magazin die Leiterin des Europa-Lehrstuhls an der Universität Salzburg. Auch der der frühere Wissenschaftsminister Erhard Busek übt Kritik: „Die Uni Innsbruck ist eigentlich schon fast eine deutsche Universität“, wird er zitiert. „Die aus Deutschland berufenen Professoren sind gut vernetzt und nehmen auch gerne Assistenten mit, was zu Reibereien mit dem einheimischen Mittelbau führt. Doch darüber will niemand öffentlich reden.“

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Töchterle: Deutsche gut qualifiziert

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sieht darin kein Problem. "Es gibt natürlich auch aus anderen Ländern Berufungen", erklärt er. "Aber allein wegen der Größe, der gleichen Sprache und geographischen Nähe Deutschlands gibt es von dort für jede ausgeschriebene Stelle deutlich mehr Bewerber. Außerdem sind die neu berufenen Professoren aus Deutschland in der Regel sehr gut qualifiziert."

"Gewisse Schmerzen" bereitet Töchterle allerdings der Trend zur Dominanz des Englischen in der Wissenschaft. "Noch bis in die Mitte das 20. Jahrhunderts war Deutsch die führende Sprache in der Wissenschaft. Da tut es schon weh, wenn man zusehen muss, wie Deutsch allmählich als wissenschaftlicher Dialekt gesehen wird."

(Red.)

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86 Kommentare
 
12 3

besser Deutsche

"nochbesser" Österreicher als ...

Töchterle

..ist ja selbst Schwabe.

Österreichs Unis sind nun Mal zweitklassig. Warum sollten Sie dann erstklassige Professoren produzieren?

Das eine ergibt das andere. Traurig aber wahr.
Daher kommen so viele aus Ländern mit besseren Unis.

Re: Österreichs Unis sind nun Mal zweitklassig. Warum sollten Sie dann erstklassige Professoren produzieren?

also das ist absoluter Blödsinn, den sie hier von sich geben

Immer mehr deutsche Professoren

kein Abitur war so schwer wie das an den humanistischen Gymnasien in Österreich/Bayern/Baden-Württemberg. Früher gab es noch die DDR.
Abiturienten von anderen Ländern hatten bis auf Ausnahmen keine Chance in den oben genannten Ländern studieren zu können. Früher hat es immer geheißen, dann gehen wir eben nach Österreich studieren.

Was liegt also näher auch die Uni Professoren nach Österreich zu bringen.
Es ist wie in jedem Land, der eigene Prophet im Land gilt nichts.

Da in jedem Land die selben Systeme sind, ist also durchaus anzunehmen das Österreichische Kapazitäten das Land verlassen und dafür Deutsche Kapazitäten nach Österreich kommen.
Denn beide haben in ihrem Land die selben Probleme.

Es hat sich jedoch bewahrheitet, die Sozialisten werden dafür sorgen das die Anforderungen in den Schulen so herunter geschraubt werden, dass jeder studieren kann und dadurch das Studium an sich total entwertet wird.

Ein System verträgt bessere Leute oder Querdenker nicht die das System in Gefahr bringen kann.

Deswegen gehen jedem Land immer die besten Leute verloren. Sie gehen dahin wo noch die Freiheit der Lehre etwas gilt.

Re: Immer mehr deutsche Professoren

Haben die Sozialisten auch die Kommaregeln abgeschafft?

Entwicklung

Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe.
1. Österreicher gönnen einander individuell keinen Erfolg, außer in einer Seilschaft, weil dann auch für einen selbst etwas abfallen könnte.
b) Österreich und Deutschland sind traditionell ein gemeinsamer Wissenschafts- und Kulturraum (außer unter Metternich).
c) Österreichs Universitäten sind seit den Siebzigern sehr stark gewachsen. Dadurch gibt es viele neue Stellen, die freies (daher billigeres) Personal aus D anziehen.
d) Mit EU und Globalisierung sind österreichs Universitäten extrem xenophil geworden. An vielen Instituten würde man sowieso gerne nur mehr Bewerber mit "Migrationshintergrund" einstellen.

Bei dieser Entwicklung wird die Bezeicnnung "österreichisch" bald nur mehr darauf verweisen, dass die Universitäten vom österreichischern Steuerzahler finanziert werden, Personal und Inhalt werden "supranational" sein. Die "Piefkes" werden dann auch nicht mehr auffallen.

kein Wunder

In Ostdeutschland werden sie viel schlechter bezahlt

irre..

da kennt man sich vor lauter abschafferei, wer jetzt sich selbst und wer die anderen, überhaupt nimmer aus.

Es war nur eine Frage der Zeit...

..bis diese Diskussion (Deutsche an den Universitäten und Hochschulen) auch in Österreich ausbricht.
Wer die NZZ liest, kennt die Situation an schweizerischen Unis schon lange.
Auch dort ist man wenig erbaut über die hohen Anzahl von deutschen Professoren an den Universitäten.
Aber die Selbstkritik der Schweizer Kollegen ist auch ausgereift, sie verweisen auf die Tatsache, dass die Schweiz selbst zu wenig tut um den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs so zu fördern (und zu fordern) dass dieser gegen internationale Konkurrenz bestehen kann.
Allerdings wird auch nicht verschwiegen, dass auch in der CH deutsche Seilschaften wirksam sind.

Und ins Burgtheater braucht man auch nicht mehr gehen.

Wenn man die österreichische Sprache liebt.

hihi

boese Zungen würden sagen die Wahl zwischen Seilschaft und Piefke (Sorry, is nett gemeint). da nimmt mal halt doch lieber den Nachbarn. aber ich glaub die Auswahlverfahren sind mittlerweile besser als wir meinen und es gibt halt auch viele gute Bewerber aus dtl. (sind ja auch 10x so viele) für die Unis ist ein bissl Internationalität gut, wobei wir in den meisten Disziplinen auch noch außerhalb des dts sprachigen Raums suchen sollten. nur so können wir unseren Wettbewerbsvorteil in der Wirtschaft halten

Danke, Herr Minister. Wieder eine Glanzleistung...

... aber dann Jammern, das sich die Jungakademiker nach Erlangungen des begehrten Titels so bald wie möglich aus Österreich schleichen um im Ausland etwas aufzubauen.

Der Vorname Karlheinz hat offenbar etwas Magisches. Gratulation zu so viel geballter Kompetenz...

Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Die Reihenfolge, in der in Österreich Kandidaten bei einer Berufung zum Zug kommen ist recht logisch:

1. Erste Wahl ist jemand, der ein Parteibuch hat, und der in den richtigen Netzwerken ist (sprich: der immer brav beim vorigen Professor in der Übung aufgezeigt hat, und ihm dann als Assistent ein paar Jahre die Arbeit abgenommen hat). So einem "golden boy" werden dann schon gerne mal gewisse Schwächen im Lebenslauf nachgesehen - ist ja nicht schwer, das Ganze findet weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

2. Wenn man niemand dieser Art zur Hand hat, dann nimmt man, was man bekommt - aber nur Leute, die nicht Österreicher sind. Nachdem sich um die vergleichsweise unattraktiv bezahlten (!) und mit unnötiger Bürokratie umgebenen österreichischen Jobs die erste Garnitur ausländischer Kandidaten nicht bewirbt, wird es meist ein Deutscher aus der 2. Garnitur. Wer anderer tut sich das nicht an, alleine schon wegen der Tatsache, dass man Deutsch können muss, um hier zu überleben. Zweitrangige Leute sind den Etablierten auch deswegen lieber, weil die (um meinen ehemaligen Chef zu zitieren) "keine Wellen" machen.

3. Ganz sicher wird es niemand, der Österreicher ist, und nicht zu den engen Freunden der wichtigen Professoren gehört. Egal wie qualifiziert man ist, aber so jemand würde - im Gegensatz zu den Deutschen aus der 2. Reihe, die diesbezüglich meist eher ihre Ruhe haben wollen - in der Schlangengrube Uni-Selbstverwaltung potentiell eine Gefahr darstellen.

Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Pkt. 1 ist insofern ein richtiger Blödsinn, als Hausberufungen sowieso nicht in Frage kommen.

Pkt. 2 bildet die Wirklichkeit auch nicht ab, was sich leicht überprüfen läßt, wenn man sich die Leute, die herkommen ansieht. Ist Körtner zweite Garnitur? Sloterdijk? Etc. etc.

Pkt 3 siehe 1. Letztlich zählen Publikationen, und zwar nicht irgendwelche, sondern die richtigen.


Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

"aw" hat völlig richtig analysiert. Schauen Sie sich doch das Berufungsverfahren in Innsbruck für die Professur aus "Europarecht, Völkerrecht und Internationale Beziehungen" an! Der Hauskandidat hat keinen einzigen Ruf, nicht einmal einen einzigen externen Listenplatz und wurde - gegen die Gutachten - zum Professor bestellt. Und dies bei gleichzeitig laufendem Aufsichtsbeschwerdeverfahren und trotz punktueller Befangenheitsvorhaltungen gegenüber mehreren Kommissionsmitgliedern. Da kann man ja nur mehr lachen über solche Situationen!

Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

1. Wer sagt, dass ich von direkten Hausberufungen geredet habe? In sehr vielen Gebieten gibt es in .at eine oder max. zwei graue Eminenzen, die alle Fäden in einem Fach uni-übergreifend in der Hand haben. Wo niemand etwas wird, der nicht in deren Netzwerk ist. Da werden (ehemalige) Assistenten von einer Uni zur anderen verschoben. Wo sie dann als Prof. brav Teil des Netzwerks sind - man weiss, wem man alles verdankt (weswegen wirklich hervorragende Assistenten auch suspekt sind - die wären eventuell später einmal unabhängig). Oder die gewünschten Wunderkinder sind zum richtigen Zeitpunkt gerade mal 1, 2 Jahre an einem ausgelagerten Forschungszentrum gewesen. Alles nur eine Frage der Planung. Bevor ein Außenstehender ran gelassen wird, muss schon sehr viel passieren.

2. Sie reden von Geisteswissenschaften, ich von Technik und Naturwissenschaften. Mag sein, dass es bei Ihnen anders ist. In meinem Bereich weiss ich, wer Weltspitze ist. Diese Leute sind woanders.

3. Und diese Ansicht ist lieb und naiv, aber eben... naiv. Die Statistiken, die in Berufungskommissionen in geduldigen Excel-Tabellen erstellt werden, geben genau die Kriterien wider, die man braucht, um die "richtigen" Leute vorzureihen. Jede Disziplin hat andere Schwerpunkte und Gewichtungen - nicht mal die Indizes der Zeitschriften kann man vergleichen. Ein Standard-Verfahren für Berufungen ist kaum machbar. Deswegen herrscht diesbezüglich Narrenfreiheit, und die wird weidlich ausgenützt.

Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Ihre Analyse ist völlig zutreffend, auch für die "Geistes"wissenschaften.

Eigentlich ein Skandal, das Ganze! Diese Ränkespiele werden ja mit öffentlichen Mitteln gespielt. Die Berufungsverfahren (aber auch die Habilitationsverfahren) in Österreich müssten drngend reformiert werden. Es kann nicht sein, dass die lokalen Machthaber bzw. überhaupt der "Kronprinz" (ob Hausberufung oder Schüler des Freundes, der dann auch noch in der Habilitationskommission sitzt) die Zusammensetzung der Kommission bestimmen. Da lacht ja die ganze akademische Welt darüber!

Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Die Nichtgenommenen werden immer allem und jedem die Schuld geben außer sich selbst. Das ist eigentlich kein besonders schwer ergründbares Phänomen. Jetzt sind es mal die Deutschen und das System.

Tatsache ist, daß zumindest der Univ. Wien Hausberufungen nicht vorgesehen und auch nicht in jüngster Zeit vorgekommen sind. Daß andererseits Lehrstuhlinhaber ein Mitspracherecht darüber haben, wer in ihrer Gruppe arbeitet, ist nicht nur normal, sondern selbstverständlich.


Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Was Sie da sagen hat schon etwas für sich. Es wäre in diesem Zusammenhang halt extrem wichtig, wenn die Kriterien, nach denen Bewerbungen gereiht werden, *vorab* detailliert bekannt gegeben werden. Und wenn die Ergebnisse der Reihung (und die Protokolle aller Sitzungen der Berufungskommissionen bis hin zur Erteilung des Rufs an den Erstgereihten) nach Abschluss des Verfahrens für alle öffentlich einsehbar wären. Was ja eigentlich das mindeste sein sollte, nachdem es da um Steuergeld geht, und man als Wissenschaftler ohnehin eine öffentliche Biographie hat. Der Schutz der Privatsphäre der Bewerber also kein Argument ist.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Auch wenn das schwer verständlich ist: Es spielen viele Faktoren eine Rolle bei der idealen Besetzung, die legitim, zugleich aber schwer in Form von vorher festgelegten Kriterien einfangbar sind. Insofern finde ich das Ideal von objektivierbaren Kriterien gerade da, wo es um "weiche" Faktoren geht, die aber für eine Forschungszusammenarbeit unabdingbar sind, schlicht fehl am Platz - abgesehen davon, daß Objektivität bei derartigen Gruppenentscheidungen sowieso mehr Wunsch als Wirklichkeit ist.

Daß Steuergelder im Spiel sind, ist wiederum schon gar kein Argument - oder jedenfalls kein spezifisch hier Anwendbares. Der Steuerzahler hat - sofern überhaupt - Interesse an guter Forschung, aber gewiss kein Mitspracherecht, wer berufen wird; und ein Recht auf Mitwissen ist auch schwer ableitbar, zumal in einem Staat der noch das Amtsgeheimnis auch bei Prozessen kennt, die wesentlich öffentlichkeitsrelevanter sind.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Das Ganze ist überhaupt nicht schwer verständlich. Leute wie Sie wollen auf gut Deutsch Postenbesetzungen auf den Unis weiterhin völlig nach eigenem Gutdünken durchführen, ohne dass man Ihnen dreinreden kann. Oder dass die Öffentlichkeit ein Recht bekommt zu erfahren, aufgrund von welchen Kriterien irgendjemand einen der sehr raren, lukrativen und interessanten Jobs an der Uni bekommen hat. Nur weiter so, kann ich da nur sagen - unterwegs zur Dritte Welt Uni.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Es tut mir leid, jetzt für einen Moment persönlich zu werden, aber ich habe den Eindruck, daß Sie vom Forschungs- und Lehralltag nicht viel Ahnung haben. Das ist weniger ein Vorwurf als eine Feststellung.

Und der Öffentlichkeit Forschungsthemen oder die ja doch relativ subtilen Faktoren einer guten Forschungszusammenarbeit zu erklären, ist in der Tat vergebene Liebesmüh und obendrein ein enormer Verwaltungsaufwand.

Man kann Objektivierungen, Quoten, etc. etc. einführen; letztlich ist die Frage, ob eine solche vermeintliche (und tatsächlich immer nur vermeintliche) Öffnung des Prozesses zu besserer Forschungsleistung führt oder nicht.

Zur Frage, ob Ausrichtung an guter Zusammenarbeit und Fähigkeit zu guter Forschung jenseits "objektiver Kriterien" zu guter oder schlechter Institutsarbeit führt: Das kann man von innen besser als von außen beurteilen, also warum von außen Kriterien aufdrängen?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Ich weiß zwar nicht, wer hinter dem nick "aw70" steckt, habe aber den Eindruck, dass es sich dabei um einen sehr guten Kenner der österreichischen Universitätswelt handelt.
Bei SoStehtEs habe ich das Gefühl, dass es sich um einen durch und durch integren Idealisten handelt, der aber die Realität nicht wahrhaben will.
Die Kollegen suchen die besten aus? Selbst wenn sie es wollten, kölnnten sie es in vielen Fällen nicht, da sie seit ewigen Zeiten in keine Fachzeitschrift mehr hineinschauen. Ihre Zeit brauchen sie für die paar Lehrveranstaltungen und vor allem für universitäre Machtkämpfe.
Sie ahnen allerdings instinktiv, wer ihnen gefährlich werden könnte und den/die werden sie verhindern.
Die Berufungsverfahren in Österreich sind völlig anachronistisch - und haben wesentlich zu den schlechten Rankings beigetragen!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Das ist eine nette Beschreibung, wie käme ich dazu, zu widersprechen? Hoffentlich stimmt sie wenigstens ein bisschen ... Ich will nur ergänzen, daß ich das ganze Procedere von innen her kenne und meine Erfahrung, auch in Hinblick auf mich selbst, eine sehr gute ist. Ohne Parteibuch, Bücklingsarbeit, Intrigen, und dergl.; zumindest hab ich von letzeren nichts mitbekommen - sie waren also nicht sonderlich entscheidungswirksam. Mein "Idealismus" ist also in erster Linie ein Erfahrungsrealismus.

Und ich weiß auch, daß ich mich an derartigen Intrigen nicht beteiligen würde, weil sie ganz falsche Kriterien in den Prozess einfließen lassen. Zugleich meine ich aber, daß es außerwissenschaftliche Faktoren gibt (etwa das menschliche Miteinanderkönnen, die Persönlichkeitsstruktur des Bewerbers, etc.), die man schwer objektivieren, geschweige denn ausschreiben kann - die aber über das Wohl und Wehe eines Instituts bestimmen können.
Solche Dinge auszulassen ist, gelinde gesagt, kontraproduktiv. Und da soll auf einmal der Steuerzahler, dem ja auch sonst nichts transparent gemacht wird, auf einmal eingeschalten werden? Cui bono?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Um das weiter unten gesagte zu präzisieren:

Es ist auch noch denkbar, dass SoStehtEs aus einem der wenigen funktionierenden Rückzugsgebiete stammt, in dem die österreichische Uni-Welt noch einigermassen in Ordnung ist. Der Mathematik, z.B., die an der Uni Wien den Ruf geniesst, auch im internationalen Vergleich fachlich hervorragend besetzt zu sein. Und wo sehr wohl Leistung zählt. Was dem Vernehmen nach daran liegt, dass der Dekan keiner der üblichen Machtpolitiker ist, sondern bei Berufungen neben der fachlichen Qualifikation auch sehr darauf achtet, dass Neuzugänge vom menschlichen her keine Widerlinge sind. Ergebnis: fachliche Exzellenz, gepaart mit gutem Arbeitsklima. Ist aber leider eine Ausnahme, dass es so läuft.

So etwas wie die Wiener Mathematik geht halt nur, solange keine <zensiert> unter den Professoren sind. Sobald solche Leute sich einmal im Uni-Betrieb eingenistet haben, überwuchern sie im Lauf der Zeit alles. Denn sie haben im Gegensatz zu den normalen Wissenschaftlern, die mit ihrer Arbeit beschäftigt sind, meist wenig fachliche Ambitionen. Deswegen umso mehr Zeit, sich in Ausschüssen und Kommissionen ihrem eigentlichen Lebensziel zu widmen: Macht. Sehr oft sind die Machtpolitiker fachlich selbst zweit- oder drittklassig, und verbringen ihre Karriere damit, es den wirklich begabten "heimzuzahlen".

Und ja, ich bin in dieser Branche tätig. Mittlerweile seit Jahren im Ausland an einer Uni - seit der Habilitation.

 
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