Neue BIFIE-Chefs: Viel Ruhe, wenig Widerstand

02.04.2013 | 18:28 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Martin Netzer und Christian Wiesner sind die neuen Chefs des Bundesinstituts für Bildungsforschung. Netzer bezeichnet sich selbst als „wissenschaftliches Nackerpatzerl“, Wiesner ist dafür medial unerfahren.

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Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) macht keinen Hehl daraus, was sie sich vom neuen Direktorium des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE) erwartet: weniger negative Schlagzeilen, mehr Ruhe am Forschungsinstitut selbst und eine engere Zusammenarbeit mit dem Ministerium. Angesichts dessen scheinen die beiden neuen Direktoren für den Job geradezu prädestiniert zu sein.

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Da wäre einmal der gebürtige Vorarlberger Martin Netzer. Er ist für Ministerin Schmied kein Unbekannter. Ganz im Gegenteil: Der 49-Jährige arbeitete die vergangenen elf Jahre im Unterrichtsministerium, zuletzt als stellvertretender Leiter der Sektion II. Damit war er jahrelang für das berufsbildende Schulwesen und die Erwachsenenbildung zuständig. Die Ministerin kann sich also ziemlich sicher sein, dass Netzer ihrem Ressort gegenüber nur wenig skeptisch ist – obwohl er den Chefposten angeblich auf Wunsch der ÖVP erhielt. Netzer schickt selbst voraus: „Große Projekte können wir nur als Partner – also gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium – umsetzen. Widerstand hat in dieser Position keinen Platz.“ Nachsatz: „Das heißt nicht, dass wir unkritisch sind.“

Dennoch kommen diese Aussagen einer Trendwende am BIFIE gleich. Bis vor rund einem Jahr gab es mit Josef Lucyshyn – der neben Günter Haider als BIFIE-Direktor fungierte – einen Institutschef, der nicht vor öffentlicher Kritik am Ministerium zurückscheute. Lucyshyn wurde im März 2012 von der Ministerin abgesetzt. Der offizielle Grund dafür: ein zu lockerer Umgang mit Steuergeldern.

Hier kommt quasi der zweite neue Mann an der Spitze des Bildungsinstituts ins Spiel: Christian Wiesner. Der 43-Jährige war auch schon bisher im Bundesinstitut für Bildungsforschung tätig, als Zentrumsleiter des Zentralen Managements. Soll heißen: Ihm oblag die Verwaltung und das Budgetmanagement am BIFIE. Dass es gerade da zu Ungereimtheiten kam – inklusive einer harschen Kritik des Rechnungshofes –, wirft kein gutes Licht auf ihn. Wiesner gibt sich aber offensiv: „Ich liebe jede Form von Kritik.“ Nur so könne man lernen und sich verbessern.

 

BIFIE-Chef zu sein ist Traumjob

Die beiden neuen BIFIE-Chefs verstehen ihren Job anders als ihre Vorgänger. Denn sowohl Lucyshyn als auch Haider sahen ihre Eignung als BIFIE-Chefs mitunter durch ihre wissenschaftliche Qualifikation begründet. Anders Wiesner und Netzer. Letzterer gibt sogar zu, dass er ein „wissenschaftliches Nackerpatzerl“ sei. Und auch Wiesner gesteht: „Ich hätte eine wissenschaftliche Karriere einschlagen können – habe ich aber nicht.“ Die beiden sind sich einig: „Wir machen Wissenschaftsmanagement.“ Ziel sei es, den Wissenschaftlern am BIFIE ein optimales Umfeld zu bieten. Sie selbst würden sich vor allem um kaufmännische Aufgaben, strategische Entscheidungen und die Präsentation nach außen kümmern.

Den ersten Medienauftritt haben die beiden Neuen schon hinter sich gebracht. Gestern, Dienstag, wurden sie durch die Ministerin vorgestellt. Nicht nur was ihren Werdegang anbelangt, unterscheiden sich die beiden Direktoren, auch ihr Auftreten könnte nicht unterschiedlicher sein. Auf den ersten Blick scheint klar: Sprachrohr nach außen wird Netzer sein. Er wirkt locker, eloquent und kompetent. Es scheint ihm Spaß zu machen, endlich in der ersten Reihe zu stehen. Den Posten als BIFIE-Direktor bezeichnet er als „Traumjob“. Damit sei er im Hotspot der Bildungslandschaft angelangt. Aber: Als Bildungspolitiker möchte er sich dennoch nicht verstanden wissen.

Wiesner wirkt vorsichtiger, ruhiger – und im Umgang mit Medien etwas unsicher. Sich Interviewfragen zu stellen und für Fotografen und Fernsehkameras zu posieren ist ihm sichtlich unangenehm.

Kein Wunder: Denn Wiesner war bislang der Mann im Hintergrund. Dennoch: Er habe aber nicht lange darüber nachgedacht, ob er tatsächlich in die erste Reihe vorrücken wolle, sagt Wiesner. Darauf, dass bei Wiesner bislang die Fäden des BIFIE zusammenliefen („Ich kenne die Projekte und kenne die Kosten“), will sich künftig auch Netzer stützen. Er bezeichnet seinen Kollegen als „Insider, der aus dem Nähkästchen plaudern kann“.

Etwas, das die beiden neuen Direktoren gegenüber den Medien – anders als Haider und Lucyshyn, die ihre Meinungsverschiedenheiten öffentlich austrugen – nicht tun sollten. Auf diese Weise soll wieder Ruhe ins BIFIE einkehren. Netzer und Wiesner haben schon einmal den Grundstein dafür gelegt. Zwar haben sie sich bislang nicht gekannt, in den vergangenen Wochen haben sie aber schon viel Zeit miteinander verbracht, um sich kennenzulernen. Ihr Fazit: So unterschiedlich, wie es scheint, seien sie gar nicht.

 

„Keine politische Besetzung“

An einem Strang ziehen die beiden Direktoren bereits, wenn es um den Vorwurf geht, dass die Chefposten am BIFIE nach Parteiinteressen besetzt werden. Bei der Besetzung seien die Kompetenzen der Bewerber im Vordergrund gestanden, so Wiesner. „Wäre es eine politische Besetzung gewesen, wäre ich todunglücklich“, wehrt sich auch Netzer. Ihm wurde nachgesagt, dass er das „ÖVP-Ticket“ erhalten hat. Netzer entgegnet: Es sei kein Geheimnis, dass er Büroleiter von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) gewesen sei. Dass Ministerin Schmied seinen Vertrag im Ministerium bereits einmal verlängert habe, sei aber Beweis genug, dass er gute Arbeit leiste.

Zu den Personen

Martin Netzer (49) und Christian Wiesner (43) sind die beiden neuen Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE). Netzer war bislang als stellvertretender Leiter der Sektion II im Unterrichtsministerium tätig und damit u.a. für das berufsbildende Schulwesen zuständig. Außerdem war er Büroleiter von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP). Netzer wird den Standort in Wien leiten und ist damit für die Zentralmatura verantwortlich. Wiesner war bisher im BIFIE für Verwaltung und Budgetmanagement verantwortlich. Er bleibt in Salzburg und übernimmt die Verantwortung für die Bildungsstandards. Beide sind bis 31.März 2018 bestellt.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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2 Kommentare
2 0

wozu gibt's das eigentlich?

sind ja eh alle Beamte oder ...

10 0

Netzer bezeichnet sich selbst als „wissenschaftliches Nackerpatzerl“, Wiesner ist dafür medial unerfahren.

Optimale Besetzung!

Danke Frau Unfähigkeitsministerin Schmied.
Ein paar Monate noch!

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