Österreich droht Psychologenmangel

02.04.2013 | 18:30 |  BERNADETTE BAYRHAMMER UND JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

In Salzburg sind 70 Prozent der Studienanfänger Deutsche. Die Psychologin Christiane Spiel warnt – und plädiert für bilaterale Verhandlungen mit Deutschland.

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Wien. Die Debatte um die internationalen Studierenden – und die Tendenz, dass diese Österreich nach dem Abschluss zumeist wieder verlassen wollen – geht weiter. Nun schlägt Christiane Spiel, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie, Alarm: In wenigen Jahren könnte sich in Österreich ein Mangel an Psychologen abzeichnen.

Denn immer mehr ausländische – zumeist deutsche – Studierende drängen an die österreichischen Universitäten, um dort Psychologie zu studieren. Nicht ohne Grund: Das Fach ist in Deutschland unter jenen mit dem strengsten Numerus clausus. Sprich: Wer bei der Matura einen Notenschnitt von über 1,5 hat, bekommt an so gut wie keiner Uni einen Platz.

An den heimischen Universitäten – an denen der Zugang zum Psychologiestudium seit Wintersemester 2010 auf insgesamt rund 1700 Studienanfängerplätze beschränkt ist – steigt der Anteil der deutschen Studierenden dagegen stetig. Im Unterschied zu Medizin gibt es in Psychologie allerdings keine Quote für Studienanfänger aus Österreich.

Die Folge: An der Universität Salzburg – jener, die der Grenze am nächsten liegt – waren vergangenen Herbst sieben von zehn Studienanfängern im Bachelor Deutsche. Auch in Innsbruck ist der Anteil der internationalen Studierenden überproportional hoch: 84 Österreichern stehen im laufenden Studienjahr – in Bachelor und Master – mehr als drei Mal so viele Studienanfänger aus Deutschland gegenüber.

(C) DiePresse Studienanfänge Psychologie

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Viele gehen nach dem Bachelor

Glaubt man der Auswertung der jüngsten Studierendensozialerhebung durch das IHS („Die Presse“ berichtete), hat aber – über alle Studienrichtungen hinweg – nicht einmal ein Drittel der ausländischen Studierenden vor, nach dem Abschluss auch zu bleiben. Psychologin Spiel bestätigt das für ihren Fachbereich: Auch in der Psychologie würden die internationalen Absolventen zu einem beachtlichen Teil in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald sie das Studium abgeschlossen hätten – viele von ihnen sogar direkt nach dem Bachelorabschluss.

„Längerfristig ist das wirklich problematisch“, warnt Spiel. Denn Psychologieabsolventen würden in vielen Bereichen gebraucht. Und der Bedarf werde in Zukunft sogar noch steigen – man denke beispielsweise an die Schulen, die händeringend Psychologen als Unterstützung für die Lehrer fordern, oder auch an den stetig wachsenden Bedarf in der Wirtschaft, sagt Spiel. Sie schätzt, dass die Problematik in fünf bis sechs Jahren beginnt, schlagend zu werden. Und: Je länger man untätig sei, desto dramatischer werde sich die Situation darstellen. Die Politik müsse sich daher rasch einschalten, so Spiel.

Eine Quote, die – wie im Bereich der Medizin – einen Großteil der Studienplätze für Österreicher reserviert, hält die Psychologin allerdings nicht für die beste Lösung. Einerseits habe sich in der Medizin gezeigt, wie umstritten eine derartige Quote auf EU-Ebene sei. Andererseits könne eine solche realistischerweise wohl erst beantragt werden, wenn man einen Mangel nachweisen könne – und dies käme zu spät: „Solche Maßnahmen greifen ja immer erst nach einiger Zeit – und man muss frühzeitig ansetzen“, so Spiel. Sie plädiert für bilaterale Verhandlungen mit Deutschland, um einen drohenden Mangel an Psychologen in Österreich zu verhindern.

Ob solche allerdings von Erfolg gekrönt sein können, ist zu bezweifeln. Zumindest zeigte sich die frühere deutsche Bildungsministerin, Annette Schavan, wenig kooperativ. Deutschland habe zwar „Verständnis für die schwierige Situation“ in Österreich, sagte Schavan 2011 im „Presse“-Interview. Es sei aber klar, dass jedes Land seine eigenen Regeln für den Hochschulzugang finden und zugleich dem „europäischen Gedanken“ Rechnung tragen müsse.

Auf einen Blick

Die Bleibequote der internationalen Studierenden ist gering. Nicht einmal jeder Dritte plant nach Abschluss des Studiums weiter in Österreich zu bleiben. Für rund 14Prozent steht fest, dass sie wieder zurück in die Heimat gehen. Weitere zehn Prozent planen, sich in einem anderen Land niederzulassen. Die Mehrheit ist noch unentschlossen. Das zeigt eine Studie des IHS.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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80 Kommentare
 
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OH MEIN GOTT...

...Psychologenmangel!!!

Warum sind es so viele deutsche StudentInnen?

Dies wäre die Frage, die vordergründig zu klären wäre.
Wenn die deutschen NC-Flüchtlinge bei den Aufnahmeprüfungen so viel besser sind als unsere Studienanfänger, liegt der Schlüssel vermutlich nicht in einer Quotenregelung, sondern in einer Verbesserung der Ausbildung vor der Uni!

Re: Warum sind es so viele deutsche StudentInnen?

So lange wie in Österreich jetzt am Bildungssektor geschlafen wurde (nicht Jahre, Jahrzehnte!) - wen wunderts dass es an allen Ecken und Enden kracht?

Natürlich wäre es sinnvoll die Bildungsproblematik auf allen Ebenen gleichzeitig ernsthaft anzugehen. Viel lieber wird aber ein kleines Detail nach dem anderen diskutiert. So ist gewährleistet dass sich nicht viel ändert. Gibt der Erfolg unserer Politik diesbezüglich Recht?

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Re: Re: Warum sind es so viele deutsche StudentInnen?

wer sagtden hier bitte, dass die österreichischen schüler / studenten so schlecht sind? wen sich viele deutsche bewerben werden auch einige diesen test schaffen...

ewiges gesudere... wirklich schon lästig :(

Viele Psychologen, aber keine Jobs

Es spielt keine Rolle, ob es einen Psychologenmangel gibt oder geben wird. Derzeit bietet der Arbeitsmarkt kaum Jobs für Psychologen, so dass viele gezwungen sind z.B. nach Deutschland zu gehen. Und nur zur Info: Nicht jeder Psychologieabsolvent bietet nach dem Studium psychologische Beratung an! Wird ja auch nicht jeder Jurist Scheidungsspezialist! Der Psychiater ist kein Therapeut und nicht jeder Patient braucht medikamentöse Behandlung. Klinische Psychologen helfen Menschen in Krisensituationen wie beispielsweise bei Verlust eines Menschen, schweren Diagnosen wie Krebs oder begleiten Menschen vor und nach Transplantationen etc.!

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Re: Viele Psychologen, aber keine Jobs

"Klinische Psychologen helfen Menschen in Krisensituationen wie beispielsweise bei Verlust eines Menschen, schweren Diagnosen wie Krebs oder begleiten Menschen vor und nach Transplantationen etc.!"

Das macht auch jeder gute Pfarrer bzw. Verwandter mit Einfühlungsvermögen.

Ich bezweifle ja nicht, dass manche Psychologen helfen können, vor allem bei sozial vereinsamten Menschen mit Gesprächsbedürfnis. Nur ist Psychologie deswegen noch lange keine Wissenschaft, sondern nichts anderes wie das althergebrachte Zuhören und Reden in pseudowissenschaftliches Gewand verpackt. Weiters ist Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen nichts was man sich mit einem Psychologendiplom anlernen kann.

Re: Re: Viele Psychologen, aber keine Jobs

Sorry, aber du solltest besser nichts zum Thema Psychologie hier absondern, denn dazu reicht dein Wissen nicht einmal ansatzweise.

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Re: Re: Re: Viele Psychologen, aber keine Jobs

Außer inhaltslose dafür persönlich beleidigende Ein- und Zweizeiler haben Sie hier noch nichts beigetragen. Falls Sie selbst Psychologe sind, sollten Sie sich ob Ihres zur Schau gestellten Drangs andere abzuwerten einmal fragen, ob Sie selbst die soziale Kompetenz besitzen um als Psychologe geeignet zu sein...

wann passiert jetzt endlich etwas herr töchterle?

Wie kann es sein dass deutsche staatsbürger die österreichischen universitäten überlaufen und nichts dafür zahlen müssen während österreichern die plätze weggenommen werden? Ich fordere daher eine endgültige regelung in folgender form: Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester. Im gegenzug erhöhung der familienbeihilfe auf selbe höhe 2 mal jährlich oder studienbeihilfe auf dieselbe höhe für jeden österreichischen staatsbürger.

Österreich droht Psychologenmangel

Psychopathenmangel haben wir auf jeden Fall nicht->http://diepresse.com/home/panorama/wien/1383800/Wiener-Polizist-durch-Messerstich-verletzt_Festnahme?from=gl.home_panorama

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grausam, wer wird uns dann psychologisch betreuen ?


Immer wieder erstaunlich....

dass im forum der e-ausgabe einer nachweislich ueberwiegend von a- und b-schicht lesern bevorzugten tageszeitung kommentare auf "kronen-zeitung-niveau" zu lesen sind. Wenn man-wie die meisten hier-keine ahnung von psychologie und dem weitreichenden berufsfeld fuer studienabsolventen hat, sollte man das nicht auch noch oeffentlich kundtun.

Re: Immer wieder erstaunlich....

Irgendwo muss sich ja die Gruppe der intellektuell und beruflich Benachteiligten austoben. Und hier lässt sich das relativ einfach umsetzen.

Re: Immer wieder erstaunlich....

Ja das Niveau hier ist leider überschaubar...

Re: Immer wieder erstaunlich....

Danke für den Kommentar, jeder der einmal an einer Uni vorbeigegangen ist fühlt sich als Experte berufen.

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Re: Re: Immer wieder erstaunlich....

Aha, Sie sind zwei mal vorbeigegangen...

Re: Re: Re: Immer wieder erstaunlich....

Ham ma no so an? Spassvogerl für geistig einfach strukturierte?

Re: Re: Re: Re: Immer wieder erstaunlich....

Warum? Suchst du deinesgleichen?

naja

eine kranke gesellschaft hat halt einen hohen bedarf an psychologen.

Jessas,...


...der Psychologen-Mangel wird uns genauso wirtschaftlich zurückwerfen wie das Fehlen von Sozial-Anthropologen, Politik-Wissenschaftlern, Publizisten, Philosophen und Gender-wasweißichabsolventinnen.

Zum Glück wurden wir zumindest der Techniker-Flut Herr.

Abzocke von Psychologen

Problematisch ist, dass das Psychologie-Studium keinen brauchbaren Berufsabschluss vermittelt.

Nachher muss man zB. eine sehr teure Ausbildung zum "Klinischen- und Gesundheitspsychologen" privat absolvieren. Wo man zum Teil Ähnliches nochmals hört, wie bereits auf der Uni. Nur diesmal muss man dafür zahlen.

(Während fertige Medizinstudenten immerhin einen bezahlten Turnus als Ausbildung zur Berufsberechtigung absolvieren können.)

Nach meinem Eindruck haben sich bei der Psychotherapeuten- und Psychologenausbildung einige ihre finanziellen Pfründe gesichert.

Re: Abzocke von Psychologen

in Deutschland hingegen verdient man in der "Ausbildungszeit" auch schon menschenwürdig.

warum sollte irgendjemand fur 400 euro/monat hier bleiben?

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Warnung vor dem Psychologenmangel

Na freilich. Psychologie ist nichts anderes wie der Versuch das althergebrachte Kommunizieren (also Zuhören und Reden) in wissenschaftlichem Gewand zu präsentieren. Psychologie ist allerdings ähnlich wissenschaftlich wie Theologie oder Esoterik, auch wenn die Psychologie versucht dies durch wissenschaftlich erscheinende Tests u.ä. zu verschleiern.
Eine Therapie beim Psychologen mag Menschen helfen die an die Wirksamkeit solcher Therapien glauben (ähnlich wie beim Placeboeffekt), für den überwiegenden Teil der Menschheit ist es jedoch wirkungsloses Gequatsche. Gute Psychologen (bzw. auch gute Priester) haben eine Menschenbeobachtungsgabe, eine gefestigte Persönlichkeit und ein Redetalent, schlechte Psychologen haben nichts davon und meistens einen psychischen Schaden, den sie selbst als normal empfinden und dem Patienten auftherapieren wollen. Von zweiterer Sorte haben wir leider schon reichlich und sie richten mehr Schaden als Nutzen an.

Wer wirklich ein ernsthaftes psychisches Problem hat, der gehört zum Psychiater, nicht zum Psychologen. Denn der Psychiater ist ausgebildeter Arzt und kann wirkungsvolle Medikamente verschreiben, der Psychologe kann nur Schwafeln, sonst nichts.

Re: Warnung vor dem Psychologenmangel

Ich lasse ich mich dazu herab, hier angesichts DEINER Schwafelei einen Kommentar abzugeben, obwohl mir angesichts solcher Postings graut u. angesichts solchen Nichtwissens etwas Mitleid aufkommt.

Die Psychologie ist eine Wissenschaft, deren (natirwissenschaftlichen, zunehmends auch kulturwissenschaftlichen) Erkenntnisse auf empirischen Methoden beruht. Sie ist daher nicht mit Esoterik zu vergleichen. Das Studium selbst hat mit Schwafelei nichts zu tun. Diese könnte man, wenn überhaupt, Psychotherapeuten unterstellen. Vielleicht wirfst du einmal einen Blick in die Studienplände des PSY-Studiums. Du wirst dort Fächer wie Testtheorie, Statistik, Neuroscience, Diagnostik etc. entdecken, aber wenige Fächer, die sich mit "Reden" befassen. Weiters ist mit dem Abschluss "Psychologe" nicht gewährleistet, Taxi-Fahrer zu werden. Psychologen ohne Zusatzausbildung arbeiten z.B. in der Testentwicklung. Damit wären wir auch beim nächsten Punkt: Testen/ Diagnostik. Du sagst, wer tatsächlich Probleme hat, muss zum Psychiater. Wie du offenbar nicht weiß, arbeiten Psychiater und Psycholgen (und auch Psychotherapeuten) häufig eng zusammen. Ohne die Diagnostik durch einen Psychologen (z.B. Intelligenzdiagnostik, Demenzdiagnostik etc.) wären Psychiater aufgeschmissen.

Empfehlung: Bevor du vermeintlich allwissend über Dinge postest, von denen du keinen Schimmer hast, informiere dich besser. Alles andere ist einfach nur peinlich.
Und: Lies' doch mal Psychology for Dummies.

Eine Berufsvertreterin

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Re: Re: Warnung vor dem Psychologenmangel

Sorry, habe Ihr Posting erst jetzt gesehen.

Wie ich schon schrieb, versucht sich die Psychologie ein wissenschaftliches Gewand zu geben, sie ist aber selbst keine Wissenschaft, sondern im Kern nichts anderes wie Schwafelei.
Was die Testauswetungen und -entwicklungen betrifft -> Da mögen sich Psychologen dafür eignen. Genauso gut eignen sich aber auch die Absolventen eines Dutzends anderer naturwissenschaftlicher Studiengänge.
Ähnliches gilt auch für die Diagnostik. Z.B. Demenz kann jeder Hausarzt oder Mediziner erstdiagnostizieren, Gewissheit bringen dann CT- bzw. MRT-Scans.
Psychologen können zwar da und dort einen gewissen Nutzen erbringen, im Prinzip sind sie aber überall ersetzbar.
Oder vereinfacht ausgedrückt: Für die von Ihnen genannten Tätigkeiten kann man einen Psychologen einsetzen, man muss es aber nicht. Denn auch ohne Psychologen werden Tests entworfen und ausgewertet und wird es einen Diagnostik geben, da die wissenschaftlichen Teile derer sich die Psychologie zur Camouflage ihrer Nichtwissenschaftlichkeit bedient, allesamt bereits in anderen Naturwissenschaften (Mathematik, Statistik, Medizin usw.) originär vorhanden sind.

Re: Warnung vor dem Psychologenmangel

Warum schreiben sie nicht zu themen,von denen sie wenigstens ein bisserl ahnung haben?

 
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