Frauen machen seltener ein Master-Studium

18.04.2013 | 13:51 |   (DiePresse.com)

Ob nach dem Bachelor ein Master folgt, ist stark vom Fach abhängig: In den Geisteswissenschaften wird er generell seltener angehängt als in der Technik.

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Frauen nehmen nach einem Studienabschluss seltener ein weiterführendes Studium auf als Männer. Laut Studierenden-Sozialerhebung beginnen im Schnitt 88 Prozent der Männer, aber nur 81 Prozent der Frauen innerhalb von zwei Jahren nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium, nach dem Diplom-bzw. Masterabschluss schließen zwar 32 Prozent der Männer, aber nur 23 Prozent der Frauen ein Doktorat-/PhD-Studium an. Als Gründe sieht eine im Auftrag der ÖH erstellte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS), für die rund 3500 Studenten befragt wurden, die höhere Unsicherheit über Zukunftspläne bei Frauen sowie deren Studienwahl.

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"Frauen sind sich häufiger unsicher und entscheiden erst später, ob sie ein weiterführendes Studium anschließen", so Studienautorin Petra Wejwar. Nicht alle Unsicheren entscheiden sich dann auch tatsächlich für ein weiterführendes Studium. Dieser Faktor spielt vor allem beim Übertritt vom Bachelor- ins Masterstudium eine größere Rolle.

Zweiter wichtiger Faktor ist die Studienwahl von Frauen: Diese entscheiden sich häufiger für geisteswissenschaftliche Studien, während Männer stärker in technische Studienrichtungen strömen. In geisteswissenschaftlichen Studien wird aber generell seltener nach dem Bachelor ein Masterstudium angehängt als in der Technik. "Es kommt also nicht so sehr darauf an, ab man Frau ist oder nicht, sondern welches Fach man gewählt hat", so Wejwar. In der Technik wird dieser Effekt noch dadurch verstärkt, dass sogar innerhalb der Studienrichtung mehr Männer als Frauen ein weiterführendes Studium planen.

Kinderwunsch hat weniger Gewicht

Geringeres Gewicht haben der Kinderwunsch von Frauen, den diese offenbar häufiger vor dem Masterstudium realisieren und ein solches dann nicht mehr aufnehmen, und die von den Geschlechtern unterschiedlich wahrgenommene Arbeitsmarktrelevanz. "Männer treffen ihre Studienwahl häufiger als Frauen vor dem Hintergrund des erzielbaren Arbeitsmarkterfolgs", so Wejwar. Dieser werde auch anders definiert: Während Männer vor allem auf Einkommen und Reputation schauen, beziehen Frauen auch inhaltliche Kriterien wie fachliche Qualifikation ein.

Für den Übertritt vom Master bzw. Diplomstudium ins PhD-Studium sind die Erklärungsansätze ähnlich, werden aber anders interpretiert. So spiele die Arbeitsmarktorientierung eine wesentlich größere Rolle, so Wejwar. "Wichtig für die Übertrittswahrscheinlichkeit ist die Verwertbarkeit eines PhD am Arbeitsmarkt." Dieser gelte in den männerdominierten technischen Studien oft als nötig, um einer fachnahen Tätigkeit nachzugehen, in den Geisteswissenschaften dagegen eher nur dann, wenn eine weitere Uni-Karriere angestrebt wird. Geringere Rollen für die seltenere Aufnahme eines PhD-Studiums bei Frauen spielen die Vereinbarkeit mit der Familie und der Umstand, dass Frauen öfter angeben, aus finanziellen Gründen auf ein PhD-Studium zu verzichten.

Zur Schließung des "Gender Gaps" müsse man laut ÖH-Generalsekretär Christoph Huber (Fraktion Engagierter Studierender, FEST) bereits in der Schule ansetzen. Da der wichtigste Grund für den Geschlechterunterschied in der unterschiedlichen Fächerwahl liege, müssten Mädchen schon in der Schule gefördert werden, sich mit naturwissenschaftlichen Fächern auseinanderzusetzen. Finanzielle Probleme und Unsicherheit beseitige man am besten durch den Ausbau von Beihilfen und einem Grundstipendium für alle Studierenden. Außerdem müsse die Kinderbetreuung ausgebaut und eine Quotenregelung in den Hochschulgremien umgesetzt werden.

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9 Kommentare

weil

der depperte Bachelor aber auch garnix bringt! soll ich häuser bauen, die nur halb stehen, oder was ist die Logik dahinter ;)

Re: weil

fragen Sie mal nach einem Bachelor in Rechtswissenschaft. Wer lernt Gesetze zu schreiben, weiss auch über die Ausnahmen :-))
Als Logik kann ich Ihnen nur anbieten, dass man Uniabsolventen für den Staatsdienst hat, die nach Gehalt Matura entlohnt werden, da es im Schema keinen Bachelor gibt.

Re: weil

Das ist von Studium zu Studium anders
Ich kenn zB kein Technikstudum in den man ohne Master was anfangen kann
In den Geisteswissenschaften ists komplett egal;)

Re: Re: weil

und mitten in Bergen gibt's eine kleine feine Uni für die nach 8 Semestern Bachelor der 2 semestrige Master nur die Spezialisierung fürs Fachgebiet der Masterarbeit ist. Da ist doch die Entscheidung schon gefallen, oder?
Die grosse Chance für interdisziplinäre Studien, z.B. ein Bachelor in Ingenieurswesen-Wirtschaft und ein Master in Landschaftsplanung, das haben sich die Universitäten in ihrer Eifersüchtelei selbst verhagelt.

Ein altes Bonmot sagt:

Wenn eine Frau nach 8 Semestern keinen Doktor hat, muss sie ihn selber machen.

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, bedarf es keiner Studien.

Aber Hauptsache, so viele Frauen sind ganz tolle Akademikerinnen, die vom bösen Patriarchat schlecht bezahlt werden... Weil ein GeWi-Bakk ist ja auf dem Arbeitsmarkt genau gleich viel wert wie ein TU-Master, nicht?

Was noch bedenklicher ist....

Kinder deren Eltern nur einen Kleinwagen fahren, machen sltener einen Master, als jene Kinder, deren Eltern Bentley fahren. Dazu kommt noch die Wahl des richtigen Vornamens. Es ist ja nachweislich so, dass wenn ein Kind Ahmed oder Yussuf getauft wird, es statistisch gesehen viel seltener den Master schafft, als hätten es die Eltern Julius oder Franz-Ferdinand getauft.

Re: Was noch bedenklicher ist....

verdammt! meine eltern haben keinen führerschein! soll ich die anmeldung für die bachelorprüfung im sommer gar nicht abgeben??
:)

Re: Was noch bedenklicher ist....

auch ganz schlecht: werner


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