PISA für Unis: Wer sind die besten auf der Welt?

Nach den Schülern sollen nun auch Studenten mit standardisierten Tests regelmäßig geprüft werden. Die meisten Unis sind dagegen – sie fürchten die daraus resultierenden Rankings.

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(c) AP (Joon Soo Kim)

Tiefe Skepsis und weitgehende Ablehnung“ brachten die Rektoren der öffentlichen Universitäten Österreichs Anfang Juli einem Plan der OECD entgegen: Die Organisation für Wirtschaft und Zusammenarbeit wird eine Art „Studenten-PISA“ erstellen. Damit soll in den nächsten Jahren ein Instrument zum Vergleich der universitären Bildung unterschiedlicher Länder entstehen.

Die Rektoren sehen bei einheitlichen Standardtests die universitäre Freiheit und die individuellen Profile der Hochschulen in Gefahr – und hegen Zweifel an der Durchführbarkeit eines solchen Tests. Im Übrigen, so die Rektoren, würden sie zu Vergleichen und Rankings führen, einer „Simplifizierung“, die mehr schade als nütze.

„Durch den globalen Wettbewerb in Wissenschaft, Forschung und Bildung ist eine Vergleichbarkeit nationaler Bildungsniveaus unbedingt gewünscht“, meint dagegen Hans Pechar, Soziologe und Hochschulforscher der Uni Klagenfurt. „Vor allem von der Wirtschaft im Hinblick auf die Standortwahl – und natürlich vom Staat als Geldgeber des öffentlichen Bildungswesens.“

Einen direkten Vergleich könne man nur mit einem Test erzielen, wie ihn die OECD vorschlägt. Er solle allgemeine Kompetenz international vergleichbar machen und kein oder nur wenig Fachwissen prüfen – womit das Argument entkräftet wäre, dass Standards die universitäre Freiheit bedrohen. Auch PISA testet an 15- und 16-Jährigen bei Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften eher Fähigkeiten als Fachwissen.

Dass die Durchführung eines „Studenten-PISA“ anspruchsvoll wäre und vor allem im ersten Jahr viele Schwächen hätte, das erwartet Pechar. Das sei aber kein Grund, den Test prinzipiell abzulehnen: „Bei der OECD sitzen doch keine Dilettanten, da sind international angesehene Bildungsexperten tätig, die sehr wohl erkennen, welche Schwächen ihre Arbeit hat und wie man sie verbessert.“

 

Vergleiche in USA längst üblich

Auch die Tests für PISA würden schließlich immer weiter optimiert. In den USA, wo Hochschulen auf sehr unterschiedlichen Niveaus ausbilden, sind zentral verwaltete Standardtests für Uni-Absolventen auch bei der Zulassung für Master- und PhD-Programme schon seit Jahrzehnten üblich und ausgereift. Warum also solle das bei uns nicht möglich sein, fragt Pechar.

Er versteht dennoch, dass sich die Rektoren gegen eine „Prüfung“ sträuben – testet sie doch auch den Erfolg der Unilehre insgesamt, und die wird bisher ohne seriöse Daten gerne künstlich hochgelobt: „Im Vergleich zu den angeblich so leichten angloamerikanischen Hochschulen werden den Absolventen heimischer Unis oft mirakulöse Kompetenzen nachgesagt“, kritisiert Pechar. Kreativität, Individualität, Selbstständigkeit und eine besonders breite Bildung gelten nach dem europäischen Ideal als Stärken der österreichischen Hochschulbildung – Beweise dafür gibt es freilich keine.

„Vor zehn Jahren haben Gymnasiallehrer auch die deutschsprachigen Mittelschulen in höchsten Tönen gelobt, was man seit PISA so nicht mehr hört.“ Heute müssten auch die Unis fürchten, dass ihre Selbsteinschätzung überprüfbar wird – und unter Umständen wenig erfreulich ausfallen könnte.

Indes kein Nachteil, so Pechar: Eine objektive Rückmeldung sei Voraussetzung für ständige Verbesserungen im Bildungswesen, ebenso wie die Anerkennung von Stärken. Vor allem deshalb seien viele Universitätsprofessoren auch durchaus für die OECD-Studie.

Privatunis und Fachhochschulen drängen seit langem auf objektive Vergleiche. Sie greifen auf private Ranking- und Akkreditierungsinstitute zurück, um die Qualität ihrer Ausbildung zu messen. „Qualität und Methoden einzelner Rankings sind sicher zu hinterfragen“, sagt Andrea Koblmüller von der PEF Privatuniversität für Management in Wien. Grundsätzlich seien fundierte Rankings aber wertvoll.

 

Mehr Kompetenz, mehr Gehalt

Egal, ob Unis, Staat oder Wirtschaft für oder gegen Vergleichbarkeit sind – der internationale Trend geht in Richtung Standardisierung und Tests. „Kompetenzstufen nach Schul- und Hochschulbildung, aber auch nach Berufserfahrung sind bei Organisationen mit internationaler Ausrichtung heute gang und gäbe“, bestätigt Martin Unger vom Institut für Höhere Studien. Bei solchen Kompetenzstufen geht es oft um die Einordnung in das Gehaltsschema eines Unternehmens; entsprechend stark wird dabei auf Objektivität gepocht. Und um die zu gewährleisten, führt an zentralen, unabhängigen Tests kein Weg vorbei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2008)

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