21.11.2009 20:29 | Meine Presse Merkliste0

Studiengebühren schrecken ab

22.10.2008 | 11:54 |   (DiePresse.com)

Einer Studie zufolge lassen viele junge Menschen in Deutschland wegen der Gebühren eine universitäre Ausbildung bleiben. Besonders betroffen sind Frauen und Arbeiterkinder.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Befürworter der Studiengebühren sehen in diesen das Heilmittel gegen ein niedriges Ausbildungsniveau und Massenunis. Gegner sprechen von einem Stolperstein, die Studenten zur Berufstätigkeit zwingt und Maturanten von den Hochschulen fernhält. Nun ist eine deutsche Studie erschienen, die Wasser auf den Mühlen der Kritiker ist.

Kein Studium wegen der Gebühren


Denn Studiengebühren schrecken doch deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Das zeigt eine Studie im Auftrag der deutschen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Untersuchung wird seit Wochen in ihrem Ministerium unter Verschluss gehalten, sie liegt der Deutschen Presse-Agentur dpa vor.

Für die strittige Untersuchung wurden Studienberechtigte des Abiturjahrgangs 2006 befragt, wie sie auf die Einführung von Studiengebühren reagieren. Die Nachrichtenagentur dpa nannte das zentrale Ergebnis: Bis zu 18.000 jungen Menschen haben sich 2006 gegen ein Studium entschieden, weil sie keine 500 Euro pro Semester Eintrittsgeld an der Hochschule zahlen wollen oder können. Das sind 1,5 bis 3,8 Prozent aller Studienberechtigten.

Frauen und Arbeiterkinder verzichten


Insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern verzichten der Untersuchung zufolge wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Die Bildungspolitik ist fast ausschließlich Sache der Länder. 2006 hatten erst zwei deutsche Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen - Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern.

Die Studie liegt dem Bundesbildungsministerium offenbar schon seit geraumer Zeit vor, wurde aber bisher nicht veröffentlicht. Aus Sicht der SPD ist die Sache klar: Die Ergebnisse belegen die abschreckende Wirkung von Studiengebühren - darum bleiben sie unter Verschluss. Das Ministerium widerspricht und führt an, die Untersuchung solle zusammen mit einer zweiten Studie, einer Befragung von Studienanfängern im Jahr 2007, veröffentlicht werden.

Autoren mahnen zur Diffferenzierung


Die Autoren der Studie haben die Abschreckungswirkung von Studiengebühren inzwischen relativiert. Erstens hätten nur 1,5 bis 3,8 Prozent aller Studienberechtigten wegen der Studiengebühren auf ihre Uni-Ausbildung verzichtet. Im Gegenzug hätten zwei Prozent gezielt zu einer Hochschule mit Studiengebühren gehen wollen, weil sie sich dort eine bessere Ausstattung und Betreuung erhofft hätten.

Zweitens hielten andere Dinge junge Menschen viel stärker von einem Studium ab: Der Wunsch, sofort zu verdienen oder das Interesse an einer praktischen Tätigkeit etwa.

(Ag/Red.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Bildung

  • Hahn: "Ein Teil der Kritik ist berechtigt"
    Wissenschaftsminister Johannes Hahn lädt kommenden Mittwoch zum Hochschuldialog. Mit dabei sind auch die seit fünf Wochen protestierenden Studenten. Wäre er nicht Minister, wäre es »naheliegend« gewesen, ins besetzte Audimax zu gehen, gibt Hahn zu.
    Aufstand in den Kindergärten
    Die Kindergärtnerinnen wollen nicht mehr lieb, nett und geduldig sein: Sie gehen für bessere Artbeitsbedingungen auf die Straße. Die Forderungen der Pädagoginnen sind ebenso umfassend wie klar umrissen. „Die Reichen sollen zahlen.“
    Schule der Sängerknaben macht Türen für Mädchen auf
    Ab Herbst gibt es eine neue Oberstufe mit Schwerpunkt Vokalausbildung. Der Besuch ist auch Mädchen erlaubt, aber die Schüler müssen einen Eignungstest bestehen.
    Edlinger-Ploder dürfte Hahn als Ministerin folgen
    Die steirische Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder, zuständig für Wissenschaft, Forschung, Verkehr und Technik, soll dem nach Brüssel wechselnden Johannes Hahn folgen.
  • Keine Frau bewarb sich: Rektorat neu ausgeschrieben
    Die Salzburger Kunst-Uni wiederholt die Ausschreibung für den Rektorenposten. Es gab elf Bewerbungen von Männern, aber keine einer Frau. Daher forderte der Gleichbehandlungs-Arbeitskreis die Neuaustragung.
    Kinderbetreuung: Notstand bei Krippenplätzen
    Die Einführung des Gratiskindergartens in Wien hat zu einem Engpass an Plätzen für unter Dreijährige geführt. Die Wartezeit beträgt bis zu drei Jahre.
    Nationalrat macht sich für Kreuze in Klassen stark
    Alle Parlamentsparteien außer den Grünen fordern die Regierung auf, das Aufhängen von Kreuzen in Schulklassen auch in Zukunft sicherzustellen. Der Gerichtshof für Menschenrechte hatte dies zuvor infrage gestellt.
    Wiener Student macht NS-Verbrecher ausfindig
    Recherchen eines Wiener Studenten haben zur Anklage gegen den mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher Adolf S. geführt. Andreas Forster war im Rahmen eines Uni-Projekts auf den Namen gestoßen.
  • Fachhochschule: Rechtlose FH-Studenten
    Keine Einsicht in Prüfungprotokolle, kaum Mitspracherechte in den Gremien - Die ÖH fordert eine Änderung des Studiengesetzes.
    Schwierige Schüler für Lehrer größtes Problem
    Die meisten Lehrer sind mit ihrer Arbeit zufrieden, besagt eine Studie unter Salzburger Pflichtschullehrern. Die größten Probleme gibt es mit verhaltensauffälligen Kindern.
    Uni Wien startet Fortbildung für Imame
    In dem zweisemestrigen Kurs stehen Recht, Politik und säkuläre Gesellschaft auf dem Lehrplan. Die Veranstalter sind überrascht über den großen Andrang: 81 Menschen haben sich für die 30 Plätze beworben.
    Schulreform: Koalitionsstreit um Finanzierung
    Unterrichtsministerin Claudia Schmied spricht sich für noch mehr Schulversuche aus, die ÖVP bremst. Die Ministerin rechnet damit, dass auf mindestens 200.000 Plätze aufgestockt werden muss.