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Studiengebühren: Neuer Bürokratie-Exzess an den Unis

05.11.2008 | 18:22 |  ERICH WITZMANN (Die Presse)

Studiengebühren-Befreiung erfordert tausende Bescheide. Rektoren-Präsident Badelt spricht von "hellem Wahnsinn". Der Aufwand sei kaum administrierbar.

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WIEN. „Ein heller Wahnsinn.“ Rektorenpräsident Christoph Badelt kann nur den Kopf schütteln. „Völlig absurd“, so lässt er im Gespräch mit der „Presse“ neuerlich seiner Empörung freien Lauf. Zielscheibe der Kritik sind die Ausnahmebestimmungen von der Ausnahme bei der Befreiung der Studiengebühren. Also: Befreit sind alle Inländer und EU-Staatsbürger, ausgenommen jene, die einen Studienabschnitt um mehr als zwei Semester überschritten haben.

Aber auch bei Überschreitungen gibt es Ausnahmen: Der Erlass des Studienbeitrages trotz längerer Überschreitung wird jenen gewährt, die Praxiszeiten an einer ausländischen Uni verbracht haben; weiters jenen, die nachweislich mehr als zwei Monate durch Krankheit oder Schwangerschaft am Studium gehindert waren; oder jenen, die sich überwiegend der Betreuung von Kindern bis zum siebenten Geburtstag gewidmet haben; oder jenen, die im Kalenderjahr vor dem jeweiligen Semesterbeginn durch eine Erwerbstätigkeit in Anspruch genommen waren, „durch die sie ein Jahreseinkommen zumindest in der Höhe der 14-fachen Betrages gemäß 5 Abs. 2 ASVG“ erzielt haben (UG § 92); und schließlich jenen mit einer mindestens 50-prozentigen Behinderung.

 

Tausende werden um Befreiung ansuchen

Verwirrend? Das nicht, sagt Badelt, aber es sei eben kaum administrierbar. An seiner eigenen Wirtschaftsuniversität gibt es etwa 5000 Studierende mit einer Zeitüberschreitung von mehr als zwei Semestern, an der Uni Wien sind es 24.000 bis 25.000. Das bedeute einen beträchtlich höheren Verwaltungsaufwand, er rechne an der WU mit zusätzlichen zehn Personen. Zumindest in der ersten Hälfte des Wintersemesters. Es ist damit zu rechnen, dass die meisten Studierenden ein Arbeitsverhältnis oder einen der anderen der aufgezählten Gründe namhaft machen. Die Universität muss dies überprüfen und bescheidmäßig erledigen. Dann können die Betroffenen noch den Bescheid anfechten, worauf die Uni-Leute neuerlich Akte anlegen müssen.

Badelt ärgert sich vor allem über die Politiker, die dieses Gesetz am 24. September im Nationalrat beschlossen haben. Damals hätten sie zu den Bedenken der Universitäten gemeint, dass diese berechtigt seien und man Lösungen suchen werde. Seit der Wahl herrscht aber Funkstille. Der Nationalrat hat noch nicht einmal einen Wissenschaftsausschuss konstituiert, die SPÖ beispielsweise hat zudem noch keinen Wissenschaftssprecher (nach dem Abgang von Josef Broukal).

Der Rektorenchef will nicht noch einmal in die Grundsatzdebatte über die (von ihm abgelehnte) Aufhebung der Studiengebühren einsteigen, sieht jetzt aber nur noch zwei Lösungsvarianten: Die Gebührenbefreiung sollte alle Inländer und EU-Bürger betreffen, auch die Studienbummler; oder es wird generell bei einer Studienzeitüberschreitung eingehoben. Ohne Ausnahmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2008)

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10 Kommentare
Gast: Gast
12.11.2008 22:13
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Typisch SPÖ- Arbeit

Das war ja weider mal klar wenn die SPÖ bei der Gesetzgebung was anpackt. Faymann und Genossen können nur mittels Kronepopulismus und Gieskannenprinzip Geschenke verteilen und zusätzlich noch ein wenig Sand in die Augen, damit ja keiner auf den "Geniestreich" vor dem Wahltag draufkommt.
Hoffentlich erkennen jetzt die Menschen die Unfähigkeit der Roten und erteilen ihnen beim nächsten mal eine deutliche Absage.

wolfentfj
11.11.2008 21:30
0 0

...jetzt triffts mal den Richtigen!

Guten Appetit bei der eigenen Kost Herr Badelt.
Da ärgert sich ein Rektor über bürokratische Auswüchse und ist gleichzeitig mit seiner Institution der größte Hürdenproduzent im Lande. Ständige Studien-, Instituts-, und Fächeränderungen - keine administrative Hürde ist zu groß um Studenten unnötig (da qualifikationsfrei) zu quälen.
Ich musste z.B. nach einem so vielgelobten Auslandssemester nur für das Anrechnungsprozedere der bereits vorab notwendig abgestimmten und bewilligten (da anrechnungswürdigen) Lehrveranstaltungen ganze 14mal auf die WU fahren!
Das Ganze zaubert nun ein Lächeln auf mein Gesicht!
;-)))

winston
03.12.2008 17:47
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Re: ...jetzt triffts mal den Richtigen!

Dann hätte man sich vielleicht vorher informieren sollen, wo man hingehen muss...
Ein Studienkollege von mir hat das viel schneller erledigt..

Gast: michelle
06.11.2008 10:15
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dankt doch

dem kronefaymann und dem hansonkel ! die sollten den papierkram machen. die katastrophe faymannn wird uns noch länger zu schaffen machen.....

Kito
06.11.2008 10:00
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Empfehlung an Herrn Badelt

Herr Badelt möge vorerst mal die Sauwirtschaft im eigenen Hause in den Griff bekommen.
Unfaßbar, wie eine Einrichtung, die das Führen und Leiten von Konzernen ausbildet, nicht mal Lehrbetrieb organisieren kann.

Antworten Gast: alumnus
06.11.2008 11:10
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Re: Empfehlung an Herrn Badelt

Mit diesem Jargon werden Sie - sofern sie ihn in den Prüfungen dämpfen können und dahinter Substanz aufscheint - höchstens in den (roten) Kammerorganisationen unterkommen können. Insgesamt: Ein peinlicher Auftritt.

parapente
06.11.2008 09:29
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Der Studienplatz für Österreicher

wackelt kräftig. Wir werden uns von deutschen Studenten nicht mehr retten können. Dort gelten nach wie vor numerus clausus und Studiengebühren!
Also ab ins kleine Österreich - und alles überschwemmen!

Acht Millionen Steuerzahler bilden gratis ausländische Akademiker aus, die dann wieder nach Haus verschwinden.

Bravo!

Gast: Alma
06.11.2008 04:29
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na man wird doch den Ausbildnern unserer zukünftigen Eliten

ein bisserl Organisieren zumuten können, wer, wenn nicht die schaffen sowas mit LINKS!

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Re: na man wird doch den Ausbildnern unserer zukünftigen Eliten

Meinen Sie das ernst?Ich verstehe Ihren Beitrag als lächerlichen Witz!

Gast: hp
05.11.2008 19:38
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Schildbürgertum

In Österreich regiert eben "Hirnlosigkeit"! Universitätspolitik wird von Politikern betrieben, die eine Universität oft nur von außen gesehen haben. Der Populismus bringt das Fass dann noch zum Überlaufen.
Vielen Dank Rektor Badelt, dass Sie sich kein Blatt vor den Mund nehmen. Dass die österreichischen Universitäten noch nicht kollabiert sind liegt vor allem daran, dass es (trotz der zahllosen Reformen) viele engagierte Professoren gibt. In anderen Bereichen der Bundesverwaltung hätte es längst endlose Streiks gegeben.
Wenn die Politik aber in dieser Form weitermacht, dann werden sie es tatsächlich noch schaffen die Unis am Boden zu zerstören. Vielleicht sollte man gleich damit beginnen und den FH's das Promotionsrecht einräumen. Als Betreuer könnten ja die nebenamtlichen Lektoren aus der Wirtschaft fungieren.

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