Wie sieht jemand aus, der mit 19 sein Jusstudium in der Tasche hatte? Der jetzt, mit 21, Doktor ist, an seinem Master arbeitet und an der WU Vorlesungen hält? Unwillkürlich kreist die Vermutung um Kostüme, Perlenstecker, Kaschmirpullis, Logos mit Ponys oder Krokodilen und andere Insignien von „erwachsen“ und „erfolgreich“. Schwarz-gelbe Sneakers und eine sportliche Kapuzenjacke kommen dabei nicht vor.
Komisch eigentlich. Denn genau das trägt Agnes Pürstl, als sie im Foyer der WU auf das „UniLive“-Team wartet. Und gleich einmal mit Klischees aufräumt. „Ich bin nicht jeden Tag um sieben Uhr aufgestanden, um dann zehn Stunden zu lernen“, stellt die Wienerin klar. „Aber viele glauben mir das nicht.“ Nachsatz: „Würde ich auch nicht.“
Tatsache ist, dass Agnes Pürstl schon in der Schule flott unterwegs war. „Man hat mir schon in der Unterstufe angeboten, eine Klasse zu überspringen.“ Getan hat sie es erst in der fünften. „Nicht, weil mir fad war. Aber ich wollte gerne in eine bestimmte Klasse. Und außerdem früher fertig sein und dann mehr Zeit haben.“ Doch dann wurde eine andere junge Wienerin mit 19 Jus-Magistra. „Solche Geschichten spornen mich an“, gesteht Pürstl. „Und außerdem: Was man hat, hat man.“
Dass sie studieren würde, stand für sie immer fest. Nicht aber, was: „Jus war keine Sandkastengeschichte.“ Da ihr Vater Jurist ist, habe sie schon früh daran gedacht, „dazwischen hatte ich aber ganz viele andere Ideen“. Die endgültige Entscheidung sei dann sehr spontan gefallen. „Im Hinterkopf hatte ich natürlich die Aussicht auf den Beruf. Und die Tatsache, dass man Jus damals noch wirklich schnell studieren konnte.“
„In Vorlesungen war ich nie“
Ihr ursprünglicher Schlachtplan sah fünf Semester fürs Studium vor – bei einer Mindeststudienzeit von acht. „Ich musste mir von Anfang an einen Plan machen und Puffer einbauen“, erzählt sie. In Vorlesungen war sie nie, auf der Uni nur für Pflichtübungen. Gelernt wurde tagsüber; der Abend blieb für Freunde und Hobbys (Fitness, Tanzen, Klavier, Kino, Bridge und „phasenweises Fortgehen“) reserviert.
Bald habe sie gesehen, dass das Ganze „auch in vier Semestern machbar“ sei: „Es ist sich gut ausgegangen: alle zwei Monate eine große Prüfung.“ Das habe ihrem Rhythmus entsprochen. „Wenn ich zu lange Pause mache, komme ich nicht wieder ins Lernen rein.“ Daher sei sie auch einmal prompt nach Weihnachten durchgefallen.
Mittlerweile hat sie nicht nur, mit 21, den Doktortitel vor dem Namen stehen, sondern arbeitet auch seit einem Jahr am Institut für Wirtschaftsstrafrecht der WU. Wo sie jetzt auch eine eigene Vorlesung hat. 60 bis 70 Bachelor-Anwärter, viele davon älter als sie, werden von ihr in Strafrecht unterrichtet. „Beim ersten Mal hab ich mir überlegt, was ich Lustiges sagen kann, damit sie nicht ganz abgeschreckt sind“, erzählt die Neolektorin.
Was sie über die Langsamkeit ihrer Exkollegen denkt? „Ich würde nicht sagen, dass ich Vorbildwirkung haben sollte, das liegt einem oder eben nicht“, meint Pürstl. „Mich hat auch niemand angetrieben, das war mein persönlicher Egotrip.“ Der Vorteil: „Wer schneller ist, kann länger herumprobieren, was einem wirklich taugt“, glaubt sie. Und: „Wer schnell studiert, hat mehr Chancen und früher ausgesorgt.“ Viele hätten sie gewarnt, die „schönsten Jahre“ nicht zu verpassen. „Aber es war schön. Und die Fortgeh- und Feierphasen sind bei mir eben nur Phasen, das brauche ich nicht sieben Jahre lang dreimal die Woche.“ Wieder ein Nachsatz: „Das verstehe ich aber auch.“
Zumindest bis sie ihren Master in Wirtschaftsrecht hat, will sie an der Uni arbeiten. Und dann? „Keine Ahnung“, meint Pürstl. „Ich sollte sicher mal ins Ausland.“ Sicher nicht will sie ans Gericht. Eher könne sie sich Steuerberaterin oder Wirtschaftsprüferin vorstellen. „Aber wenn ich meinen Traumjob finde, und der ist ganz was anderes, dann sag ich auch nicht nein.“
Studieren im Zeitraffer: Das war mein persönlicher Egotrip
01.12.2008 | 20:58 | Von TERESA SCHAUR (Die Presse)
Agnes Pürstl ist 21 und Frau Doktor. Ihre Gründe für ein Studium im Schnell-
Studiengebühren Wo man künftig zahlen muss - und wo nicht
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











Engagement, WG-Geständnisse und Sparpaket Das neue UniLive
