Die Presse: Die Uni-Ärzte am Wiener AKH sind total im Spitalsbetrieb eingesetzt, sie kommen nicht mehr zum Forschen.
Thomas Szekeres: Ja, wir haben eine Umfrage: Die Kolleginnen und Kollegen geben an, dass sie über 80 Prozent ihrer Zeit mit der Routineversorgung von Patienten beschäftigt sind – bei einer durchschnittlichen 70-Stunden-Arbeitswoche. Gleichzeitig gibt es einen Bedarf an zusätzlichen 150 Ärzten im AKH. Das wird auch vom Rektorat und Uni-Rat so gesehen. Wir hoffen, dass eine Finanzierung für diese Stellen möglich wird.
Was sind die vordringlichen Forschungsbereiche?
Szekeres: Die Universität benennt Schwerpunkte in der Forschung, wobei Immunologie, Onkologie und Hirnforschung Schwerpunkte sind, in denen seit Jahren erfolgreich geforscht wird.
Es wird im Sparbudget kaum das geforderte Personal geben. Welchen Ausweg schlagen Sie vor?
Szekeres: Man muss für die erforderlichen Stellen Geld in die Hand nehmen, es ist auch notwendig, den Kollektivvertrag zu finanzieren (siehe Beitrag auf dieser Seite), weil nur dadurch die Einstiegsgehälter auf ein international konkurrenzfähiges Niveau angehoben werden können.
Wer soll das für das AKH, das größte Spital Wiens, finanzieren?
Szekeres: An sich sind sämtliche Ärzte des AKH Mitarbeiter der Medizin-Uni, sie werden durch das Wissenschaftsbudget finanziert. Die finanzielle Vereinbarung über den sogenannten klinischen Mehraufwand erfolgt zwischen der Universität und der Stadt Wien. Der Vertrag läuft bis 2013. Unser unmittelbarer Ansprechpartner ist Minister Hahn. Was notwendig wäre, ist die Definition des Leistungsumfanges des AKH, die ist nie erfolgt. Etwa, wie viele Patienten und welche Patienten behandelt werden sollen.
Der Kollektivvertrag lässt noch auf sich warten. Was sind Ihre Erwartungen für die neue Regelung?
Szekeres: Der neue Kollektivvertrag würde zwei wesentliche Vorteile bringen: Der erste wäre eine flachere Gehaltskurve, das heißt, man beginnt mit höheren Einstiegsgehältern, was sinnvoll ist, weil die Uni für Jüngere attraktiver werden würde. Das Zweite, was notwendig ist, ist ein österreichweites Karrieremodell, das auch einen Wechsel zwischen den Universitäten erlaubt und begabten, erfolgreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Perspektive bietet. Im Moment ist das leider nicht der Fall.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2009)

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