Rektorenchef: „Überlegen, Fächer einzustellen“

Heinrich Schmidinger über drohende Kürzungen, „Sündenfälle“ bei den Med-Unis und „unausweichliche“ Österreicherquoten für Psychologie.

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(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Presse: Zuerst haben die Unis 1,6 Milliarden Euro Budgetplus gefordert, dann nur noch eine Milliarde, zuletzt gaben Sie sich mit 615 Millionen zufrieden – und jetzt müssen Sie daraus auch die Mehrkosten bei den Ärzten zahlen. Die Grünen sagen schon: Der Minister versuche, die Unis für dumm zu verkaufen. Lassen Sie sich für dumm verkaufen?

Heinrich Schmidinger: Nein. Wir haben eine sehr gute Gesprächsbasis mit dem Minister. Das zeigt sich auch darin, dass er kommende Woche ins Plenum der Universitätenkonferenz kommen wird.


Letztlich wird den Unis aber weniger Geld zur Verfügung stehen. Wann ist es vorbei mit dem Verständnis für die Politik?

Die Bezahlung der Mehrkosten der Ärzte aus den 615 Millionen ist erst seit Dezember Thema. Und seitdem habe ich keinen Augenblick ausgelassen zu sagen, dass dies ein immenses Problem ist.


Sie haben jüngst mit „Reduktionen“ gedroht, sollte den Unis dadurch ein dreistelliger Millionenbetrag abhandenkommen. Was heißt das: Drehen Sie die Heizung ab? Streichen Sie Fächer?

Das wird jeder Universität überlassen sein. Aber wenn nachhaltig eingespart werden soll, kann es nur bei Personal und Gebäuden sein.


Sie sind ja auch Rektor der Uni Salzburg: Wo sparen Sie dann?

In diesem Fall werden wir bei Neuberufungen zurückhaltend sein – vor allem in teuren Bereichen wie Naturwissenschaften und Technik. Und dann werden wir genau hinsehen müssen, ob wir uns Studienrichtungen, bei denen die Nachfrage sehr gering ist, wirklich in Zukunft noch leisten können.


Sie überlegen also, sogenannte Orchideenfächer einzustellen?

Das ist natürlich eine Überlegung.


An welche Fächer denken Sie da?

Es gibt an allen Fakultäten Fächer, wo die Nachfrage sehr gering ist. Auch unabhängig vom Sparzwang muss man sich überlegen, ob man diese auf Dauer finanzieren kann.

 

Was wäre da die Untergrenze?

Wenn eine Lehrveranstaltung weniger als fünf Hörer hat, ist es problematisch, sie fortzusetzen. Bei Fächern, in denen dies der Fall ist, muss man sich Gedanken machen.


Sie haben auch gesagt, Sie sähen nicht ein, dass das Uni-Budget für Ärztegehälter herangezogen werden soll. Ist das ein Appell an das Gesundheitsressort?

Der Sündenfall hat begonnen, als vereinbart wurde, dass der klinische Mehraufwand (der Uni-Kliniken entsteht, wenn sie Forschung und Lehre betreiben, Anm.) aus dem Uni-Budget finanziert wird. Es hätte schon damals eine saubere Trennung geben müssen zwischen dem, was Wissenschafts- und Gesundheitsressort übernehmen.

 

Heißt das jetzt: Die Gesundheitsministerin soll Geld zuschießen?

Ich hielte es für naturgemäß, dass Ärztegehälter an den Uni-Kliniken aus dem Gesundheitsbereich finanziert werden. Natürlich haben sie eine Verbindung zu den Unis. Aber der Großteil sollte vom Gesundheitsressort getragen werden.


Bald wird wieder über Zugangsbeschränkungen in Fächern wie Wirtschaft und Architektur verhandelt, die Ende des Jahres auslaufen. Was muss sich ändern?

Ich halte nicht viel davon, wenn Fächer nach nationalen Gesichtspunkten beschränkt werden. Die Zugangsregeln müssten sich nach den Kapazitäten der einzelnen Unis richten. Die Unis sollten entscheiden, wo sie beschränken müssen.

 

Die Beschränkungen werden ja auch evaluiert. Die SPÖ fürchtet, dass sie Kinder aus benachteiligten Familien noch mehr benachteiligen. Wären damit auch für Sie Schranken vom Tisch?

Ich rechne nicht damit, dass es zu solchen sozialen Benachteiligungen kommt. An vielen ausländischen Universitäten, an denen der Zugang rigoroser geregelt ist als bei uns und wo zum Teil auch hohe Studienbeiträge zu zahlen sind, ist die soziale Durchmischung besser als bei uns. Und selbst wenn es so sein sollte, muss man abwägen. Es nützt niemandem, an einer Uni zu studieren, wo er oder sie schlecht betreut wird.


Im Notfall also für gute Betreuung und gegen die sozial Schwachen? Das ist sehr hart.

Ich bin der Letzte, der dafür ist, Menschen aus prekären Verhältnissen zu behindern, an die Uni zu kommen. Aber man löst das Problem nicht dadurch, dass man alle Zugangsregelungen aufhebt. Da gibt es andere Möglichkeiten: Beihilfen zum Beispiel.


Inwiefern helfen Beihilfen, Hürden beim Zugang zu bewältigen?

Oft halten ja ökonomische Ursachen Jugendliche davon ab, ein Studium nur in Erwägung zu ziehen. Wenn sie wüssten, dass sie echte Chancen auf finanzielle Unterstützung haben, würde sich dies positiv auswirken. Selbst dort, wo es Zugangsregelungen gibt, würden sie es zumindest versuchen.


Immer wieder wird vor einer Unterversorgung des Landes mit Psychologen gewarnt, weil die Zahl der deutschen Studenten so hoch ist. Ab wann brauchen wir eine Österreicherquote?

Ich kenne die Versorgungssituation nicht, aber es ist ein grundsätzliches Problem. Es kann nicht sein, dass am Schluss 100 Prozent jener, die bei uns Psychologie studieren, aus Deutschland kommen.


In Salzburg sind es 75 Prozent.

Das ist eine Marke, die nicht mehr überschritten werden darf. Wenn weniger als ein Viertel der Plätze von Studierenden aus Österreich belegt wird, ist eine Quotenregelung unausweichlich.

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