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Bologna-Prozess: Die Vision vom europäischen Studium

19.04.2009 | 17:46 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Bis 2010 müssen die Unis in allen Studienrichtungen das internationale Bachelor- und Masterstudium anbieten. Doch bei der Qualität gibt es noch Probleme.

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WIEN. Zehn Jahre ist es her, dass sich die Minister von 29 europäischen Staaten in der italienischen Stadt Bologna auf ein ambitioniertes Projekt geeinigt haben: Einen wettbewerbsfähigen europäischen Hochschulraum – dieses Ziel wollten sie im Juni 1999 mit der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung erreichen. Bis zum Jahr 2010 sollten die Staaten Zeit haben, die gewachsenen Uni-Strukturen über Bord zu werfen und ein neues System zu etablieren. Das visionäre Konzept: vergleichbare Abschlüsse, Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung und vor allem größtmögliche Mobilität für Studierende und Lehrende.

Österreich muss dafür, wie auch andere Länder, seine Diplomstudien auf das internationale, zweigliedrige Bachelor-/Mastersystem umstellen; wer Vorlesungen und Seminare absolviert, erhält künftig keine „Semesterwochenstunden“ mehr, sondern ECTS-Punkte. Rein technisch ist den Unis das bisher gut gelungen: 70 bis 80 Prozent aller Studienrichtungen können nur noch im neuen Modus inskribiert werden. Vom Prozess vorerst gesetzlich ausgenommen sind das Medizin- und das Lehramtsstudium. Bei Jus, Psychologie und Pharmazie wird an neuen Studienplänen gearbeitet. Die FHs haben fast alle Studiengänge umgestellt.

 

ÖH: „Mobilität eingeschränkt“

Kritik gibt es nun an den Inhalten der neuen Curricula – und an der Koordination zwischen den Unis: „Die österreichischen Unis arbeiten bei der Umstellung nicht zusammen, jeder hat seine eigenen Vorstellungen“, sagt Sigrid Maurer, Spitzenkandidatin der grünen Studentenvertreter (Gras) für die ÖH-Wahl im Mai, zur „Presse“. Die an sich gute Idee des europäischen Hochschulraums werde so ins Gegenteil verkehrt. „Die Lehrveranstaltungen werden so unterschiedlich bewertet, dass sie an anderen Unis kaum angerechnet werden. Zwischen Unis zu wechseln, wird nicht einfacher, sondern schwieriger als bisher.“ Der Wettkampf um gute Platzierungen in den internationalen Rankings sei kontraproduktiv: „Jeder will nur noch spezialisierte Studien anbieten.“ Das führe mitunter zum Qualitätsverlust: Die Curricula seien nicht länger ausgewogen. Auch die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft kritisiert die Umsetzung. „Die neuen Studienpläne sind oft überladen. Der Bachelor ist ein abgespecktes Diplomstudium und auf dem Arbeitsmarkt noch nicht anerkannt“, sagt der ÖH-Chef und AG-Spitzenkandidat Samir Al-Mobayyed.

Was nach Wahlkampf klingt, hat einen wahren Kern. Kritik an der Umstellung kommt auch von denen, die direkt damit befasst sind. „Manche Unis sind pragmatisch vorgegangen und haben sich nicht wirklich Gedanken über die Inhalte der Curricula gemacht“, sagt Ilse Schrittesser, die das Bologna-Büro der Uni Wien leitet. Die neue Studienarchitektur habe dennoch Vorteile: „Durch den Bachelor erhoffen wir uns, die Drop-Out-Raten zu senken. Viele, die früh am Arbeitsmarkt Fuß fassen, haben das vierjährige Diplomstudium bisher abgebrochen. Jetzt können sie in drei Jahren einen niedrigeren akademischen Abschluss machen.“ Damit diese Vision Wirklichkeit wird, seien noch „Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu korrigieren“.

Korrekturen fordert auch Alexander Kohler, Leiter der Österreichischen Qualitätssicherungsagentur (AQA), die den Bologna-Prozess überwacht: „Die Durchlässigkeit zwischen den Unis muss erhöht werden, das ist in ganz Europa noch ein Problem. Für europäische Laufbahnen brauchen wir Kooperationen.“ Auch das Profil des Bachelors gehöre geschärft, da „gibt es noch keine Qualitätsstandards“.

Köhler stößt im Wissenschaftsministerium damit auf offene Ohren: Gut ausgearbeitete Bachelor-Curricula sollen Teil der Leistungsvereinbarungen sein. Besonderes Augenmerk liege auf der Berufsfähigkeit der Absolventen. Den Unis richtet man aus, sich innerösterreichisch besser abzustimmen: „Es kann nicht sein, dass ein Wechsel von Wien nach Graz schwieriger ist, als von Wien nach Paris.“ Die internationalen Anforderungen jedenfalls werde man erfüllen: 2010 sollen – wie vor zehn Jahren festgelegt – alle Studien umgestellt sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2009)

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15 Kommentare
Gast: EU-Gast
20.04.2009 08:55
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Schreiben in Österreich nur Holzköpfe Kommentare?

Natürlich werden wir nicht zum guten alten Magister- und Doktoratstudium zurückkehren. Warum? Es war nämlich gar nie gut - oder ist mir bei der Verleihung der Nobelpreise der letzten 60 Jahre etwas entgangen? Auch ja: Ein WU Magister taugt sowieso viel mehr als ein Bachelor von Harvard und der NYU - das weiß doch jeder in der Wirtschaft (in Hintergamming wenigstens!)

Antworten Gast: Viele Grüße an den Überholzkopf
23.05.2009 12:15
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Re: Schreiben in Österreich nur Holzköpfe Kommentare?

mag sein, dass Verbesserungsbedarf bestand. Tatsächlich engt die Modulierung des Systems ein, schafft Freiräume ab-ist kontraproduktiv-
selbst unstrittige Kapazitäten wünschen den Universitäten mehr Widerspruchsgeist gegen ein oktroyiertes vom Primat der Wirtschaftlichkeit diktiertes System.
( und übrigens kommt das davon, dass man den wirtschaftlichen Ausbildungsstätten Universitätscharakter verlieh-diesen hehren Titel hat die sogenannte Wirtschaftswissenschaft nämlich keinesfalls verdient-) Aber im Ernst -- Das universitäre System ist durch Bologna nicht besser geworden- unten überlaufen-oben ausgedünnt-verschult-ohne Eigenverantwortung, aber mit Sitzfleischbelohnung ( Anwesenheitspflicht), ich empfehle Ihnen einmal in den universitären Bereich hineinzuscnuppern, aber diese Möglichkeit fehlt Ihnen vermutlich in Hintergamming

Antworten Gast: Gast
20.04.2009 09:53
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Re: Schreiben in Österreich nur Holzköpfe Kommentare?

Also ich bitte Sie, hier vergleichen Äpfel mit Birnen. Klar können Sie auch eine Ausbildung wie auf der Harvard auch auf der WU verlangen, aber dann gebe es Aufnahmetests (widerspricht doch dem eiwgen freien Hochschulzugang) und die Studiengebühren von 30.000 $ im Jahr (aber das wollen sie ja schließlich auch nicht zahlen oder??).
Wieviele Österreicher mit Bach/Master haben schon einen Nobelpreis im Vergleich zu den anderen Preisträgern (und kommt es wirklich auf die Ausbildung und nicht auf den eigenen Forscherdrang an?).

Das Problem ist, dass halt in keinen der wichtigen Studienbereiche nachgedacht wurde bei der Umsetzung. Statt den Bach als Basis (aber was will man damit dann in der Praxis machen) und den Master als Spezialisierung zu nutzen ist meistens einfach das Magisterstudium aufgeteilt worden.

Eine Universitätsausbildung soll ja im Mag, auch niemanden auf den Nobelpreis vorbereiten sondern Wissen vermitteln und auf die Praxis vorbereiten.

Antworten Antworten Gast: EU Gast
20.04.2009 12:19
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Re: Re: Schreiben in Österreich nur Holzköpfe Kommentare?

Österreich liegt bei den Ausgaben pro Student und Jahr weltweit (sic!) an 4. Stelle. Und im Bereich der Qualität? Vermutlich bringt jede Veränderung diesem System eine Verbesserung - oder?

Gast: Gast
19.04.2009 22:27
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Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Also das was jetzt über das B/M (Bach/Master)-Studium kritisiert wurde, war doch schon im vorhinein klar. Viele Studien sind nichts anders als Magisterstudien auf zwei Teile gespalten, wobei meistens die LV bzw. Pflichtübungen die früher frei waren, jetzt strikten Anwesenheitscharakter besitzen.
Das die Studien nicht angerechnet werden ist auch klar, schließlich gibt es ja die individualität der Unis und die unterschiedlichen Inhalte des selben Faches.
Das der Bach in der Wirtschaft nix taugt und man damit nur belächelt wird ist auch schon prophezeit worden, das ist ja genauso als würde ich die HTL/HAK ab der 3. (von 5) Klassen abbrechen und mich Quasi-Ing. nennen.

Ich hoffe man wird sich eines Tages wieder zu dem guten alten Doktorat und dem Magister zurückbesinnen und erkennen was für ein Topfen dieses System ist.

Antworten Gast: Benes
22.04.2009 16:56
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Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

lol, das ging aber daneben.

Seit wann bekommt ein HAKler einen Ing. Titel ??????? Weder nach 3 noch nach fünf Jahren. Und nach drei Jahren hätte man quasi immerhin Hasch-Abschluss..........

Ein Bach. ist deutlich mehr wert als eine Matura und weniger als ein Mag.- was ist daran so schwer zu begreifen??????

Und der Master steht über dem Mag.- auch logisch, dauert auch länger inkl. mehr Prüfungen oder ECTS/SSt.

Auskennen sollt man sich halt...........

Antworten Antworten Gast: Gast
23.04.2009 11:49
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Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Ich komm von einer HTL und jemand der ein bischen nachdenkt würde auch verstehen das ich mit den Ing. Titel nur auf den HTL-Absolventen hinauswollte. Nur weil ein Studium länger dauert oder mehr ECTS hat bedeutet das aber nicht das es besser ist, sondern es kommt auf die Inhalte an und wie gesagt zur Zeit ist es bei den meisten Studien so, dass diese einfach nur ein aufgeteiltes Mag. Studium sind.
Ein Bach ist auch nicht viel besser als eine Matura von einer BHS, da vor allem im Bach versucht werden muss erstmal das Unwissen der AHS -Absolventen zu beseitigen.

Auskennen sollte man sich halt......

Antworten Antworten Antworten Gast: Benes
23.04.2009 12:52
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Re: Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Sag mal willst du dich krampfhaft lächerlich machen?

Bakk.= Matura??? Na gut, dass du das sagst- somit können zigtausende studenten ja getrost sofort das Studium abbrechen, da ja sowieso sinnlos............*kopfschüttel*

Unwissen der AHSler??? Auch wenn die AHSler in vielen Bereichen hinterherhinken; auf der Uni wird auf das ohnehin keine Rücksicht genommen- da wird der Stoff durchgepeitscht, ob jemand mitkommt oder nicht wird nicht beachtet.

Nur so nebenbei: Dr.>MAS>Mag./DI>Bakk.>Ing.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Uhu
24.04.2009 07:52
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Re: Re: Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Und was hat eigentlich ein Ing. in deiner Aufzählung verloren? Dabei handelt es sich um eine Standesbezeichnung und keinen akad. Abschluss. Übrigens denn kann man auch nach einer Fachschule und außerordentlichen Berufslaufbahn verliehen bekommen. Von der zuständigen Kammer und niemals von einer Universität. Übrigens gibt es auch 8semestirge Bachelor, wie passen denn die nun in deine tollen Vergleich. Es ist halt nicht alles so wie es scheint und bedarf einer individuellen Prüfung. Der Dr.med ist auch ein Diplomgrad, ist der nun mehr oder weniger wie ein Master, obwohl er mind. 6 Jahre dauert? Viel Spaß bei deinen Erklärungsversuchen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Benes
01.05.2009 12:20
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Re: Re: Re: Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Danke für deine netten Erklärungen, aber du brauchst dir keine unnötigen Sorgen machen! Ich bin sehr gut über das österreichische Schul- und Hochschulsystem informiert. Die Auflistung von mir sollte nur einen groben Überblick verschaffen, damit auch Ahnungslose ein halbwegs grobes Verständnis dafür haben. So wie du zb lieber Uhu. Bzgl. Erklärungsversuche: Wenn du nachliest wirst du bemerken dass im Prinzip ohnehin schon alles wesentliche dargestellt wurde. Doch mir scheint es eher so als ob du lieber Uhu ein bisschen Begriffstützig bist - kann das sein?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Uhu
24.04.2009 07:41
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Re: Re: Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Ein Master ist nicht mehr wert als ein Mag. Beide Abschlüsse berechnen zum Dr. Und wenn du dir die Curricula anschaust, erkennst du, dass auch der Zeitaufwand ein fake ist. Beim Diplomstudium wird die DA nicht eingerechnet, beim Master sehr wohl ein ganzes Semester zur Verfügung gestellt. Außerdem werden für Lehrveranstaltungen für die man z.B. 2 SST bekam, auf einmal 5 ECTS Punkte vergeben. Also, es ist einfach das selbe.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Nina
24.04.2009 12:35
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Re: Re: Re: Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Du lässt wohl auch keinen Fetnapf aus.

Es ist nicht dasselbe. Das ganze Studiensystem ist verändert worden, seht das endlich ein.

Der Vergleich vom Benes triffts schon auf den Punkt. Also das passt schon so.

Antworten Gast: 123
20.04.2009 17:43
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Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Sie haben recht. Mit der strikten Anwesenheitspflicht wird die Elitenbildung vorangetrieben. Das für viele Studenten finanziell überlebenswichtige Arbeiten neben dem Studium wird dadurch erschwert. Nur wer es sich durch großzügige Unterstützung durch das Elternhaus leisten kann wir das Studium finanziell durchstehen. Es hat also doch System...

Antworten Antworten Gast: Gast
20.04.2009 20:13
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Re: Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Neben der Erschwernis für Berufstätige, ist das auch ziemlich leistungsfeindlich, da theoretisch früher jemand der gut im Selbststudium lernen konnte bei manchen Studien die Dauer auf 2/3 der Mindestzeit senken konnte. Heute müssen drei Pflichtübungen (die man dann auch schaffen muss sonst verliert man 1 Semester) nebeneinander gelernt werden und die Hauptprüfung soll ja auch noch vorbereitet werden.

Antworten Gast: DP
20.04.2009 11:37
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Re: Als ob man sich wundern müsste über die Kritik

Jaja, diese ganzen Ingenieure von der HAK

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