VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn plant "Änderungen in Richtung lückenloser Bologna-Architektur". Wie der Minister erklärte, sollen Bachelor-Studien in "begründeten Ausnahmefällen" auch acht statt der derzeit vorgeschriebenen sechs Semester dauern können. So sollen nicht nur Pharmazeuten oder Juristen auf die neue Studienarchitektur umstellen können, sondern auch die Mediziner. Allerdings ist der Medizin-Bachelor nicht für die Ärzte-Ausbildung gedacht, sondern als Kombi-Studium etwa mit Technik, Wirtschaft oder "Jus".
Mit der Umsetzung der Bologna-Ziele in Österreich zeigte sich Hahn zufrieden, man sei hier "überdurchschnittlich unterwegs". Bei sieben der zehn Ziele sei man im grünen Bereich, man habe sie bereits vollständig umgesetzt bzw. stehe unmittelbar davor. Während Österreich rund 90 Prozent aller Uni- und FH-Studien bereits auf das neue Studiensystem umgestellt habe, rangiere Deutschland erst bei 75 Prozent.
Mehrheit studiert nach Bachelor weiter
Weil entgegen der ursprünglichen Intention der neuen Studienarchitektur, kürzere Studien für einen raschen Berufseinstieg zu schaffen, ein Großteil der Bachelor-Absolventen gleich ein Master-Studium anschließt, plant Hahn im Herbst eine "intensive Kampagne für den Bachelor". Dabei geht es in erster Linie darum, der Wirtschaft Bachelor-Absolventen schmackhaft zu machen.
Weil sich die österreichische Wirtschaft traditionell am Besoldungssystem des öffentlichen Dienstes orientiert, hält Hahn aber auch die A-Wertigkeit von Bachelor-Absolventen im öffentlichen Dienst für unumgänglich.
Mehr berufsbegleitende Studien
Langfristig sollte nach Meinung des Ministers jeder zweite Bachelor-Absolvent gleich ins Berufsleben einsteigen und ein Master-Studium erst später berufsbegleitend absolvieren. Kritik übte Hahn in diesem Zusammenhang auch an den Unis, die nur ein bis zwei Prozent ihrer Studien berufsbegleitend anbieten würden. An den FH seien es dagegen bereits ein Drittel der Studien.
Dass Studierende eine Einschränkung der Durchlässigkeit durch das neue System beklagen, hat nach Ansicht Hahns nichts mit Bachelor und Master, sondern mit der völligen Autonomie der Unis bei der Curriculum-Erstellung zu tun, "da und dort wurde hier übers Ziel geschossen". Im Zuge der Gespräche über die nächste Leistungsvereinbarung will das Wissenschaftsministerium das thematisieren.


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