Martin Nowak: "Egal, was ich mache, es ist nie genug"

»Nie aufhören, Fragen zu stellen.« Martin Nowak, Professor an der Eliteuni Harvard, ist von »krankhaftem Ehrgeiz« getrieben.

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Martin Nowak
(c) APA (CHRISTIAN MUELLER)

Um sechs Uhr morgens steht er auf, nach vier Stunden Arbeit am Computer startet er zu einer Joggingrunde durch ein Waldstück nahe seines Wohnortes Lincoln, einer kleinen Stadt bei Boston. Dann geht es weiter in sein Institut für Evolutionary Dynamics an der US-Eliteuni Harvard. Martin Nowak ist ein Getriebener. Getrieben von seiner Arbeit, getrieben von der Faszination für Zahlen, Formeln und mathematische Modelle. „Krankhafter Ehrgeiz“ nennt es Nowak selbst.

Ein krankhafter Ehrgeiz, der den gebürtigen Niederösterreicher an die renommiertesten Unis der westlichen Welt geführt hat. Er war in Oxford und Princeton, seit 2003 ist er Professor für Biologie und Mathematik in Harvard. In den Schoß sei ihm das alles nicht gefallen: „Ich habe immer härter arbeiten müssen als alle anderen. Mir fällt immer alles schwer“, sagt er mit Blick auf seine Forscherkollegen und Studenten in Harvard. „Die waren immer mühelos die Besten und waren nie wirklich gefordert. Ich war, egal in welcher Lebensphase, immer gefordert.“

Sub auspiciis? Das geht sich aus. Am schlimmsten sei es in der Mittelschule gewesen, sagt Nowak. Geschafft habe er die vor allem dank seines Vaters, der immer mit ihm gelernt habe. Zu dieser Zeit war es auch, als Nowak erstmals eine Sub-auspiciis-Promotion im Fernsehen erlebte. Die feierliche Zeremonie habe ihn sofort fasziniert. „Unfassbar, wie man so was schaffen kann“, habe er sich damals gedacht. Wenige Jahre später war es auch für ihn soweit, mehr oder weniger zufällig. Lange Zeit habe er gar nicht damit spekuliert, erst gegen Ende des zweiten Studienabschnitts kam die Gewissheit: Das kann sich ausgehen. „Dann habe ich mir natürlich gedacht: Jetzt musst du aufpassen, dass du es nicht verhaust.“

Es war der 7. Jänner 1990, der dann zu einem „der schönsten Tage in meinem Leben“ wurde. „Es war unnatürlich warm in Wien, da war diese Zeremonie und dann ein Essen im Rathaus. Der Direktor meiner Mittelschule war da, und auch meine Eltern.“ Denen er, wie er sagt, „so irrsinnig viel“ verdanke: „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich das alles für sie gemacht habe.“

Nichts kann Fleiß ersetzen. Seine eigenen Söhne halten es damit etwas anders: „Ich denke mir immer, ich habe viel härter gearbeitet als die beiden. Irgendwie sind sie in ihrer Ausbildung völlig ambitionslos. Aber das ist wohl einfach so.“ Mit seinen Studenten geht Nowak härter ins Gericht. Von denen verlangt er in erster Linie eines: Fleiß. „Denn nichts, nicht einmal übermäßige Intelligenz, kann Fleiß ersetzen.“

Und das will Nowak auch vorleben: „Mein Erfolgsrezept war, nie aufzuhören Fragen zu stellen. Ich fühle mich jeden Morgen wie ein kleines Kind, das sich überlegt, was es heute Neues spielen kann. Und verstehen will, was es bisher noch nicht verstanden hat.“ Eines von vielen neuen Projekten, das Nowak antreibt: die mathematische Beschreibung des Lebens. Denn: „Egal, was ich mache, es ist nie genug.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2009)

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