Wien. Wer in Österreich ein Studium beginnt, muss sich darauf einstellen, dass es in allen Studienrichtungen spätestens ab dem Wintersemester 2010 eine Art Zulassregelung für das weitere Studium geben wird. Die Reform des Universitätsgesetzes, die derzeit von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) vorbereitet wird, sieht verpflichtend eine ein- bis zweisemestrige sogenannte Studieneingangsphase vor. Wie diese genau gestaltet wird, bleibt laut Gesetz den einzelnen Universitäten überlassen.
•In Kraft ab Oktober 2009. An den Universitäten herrscht Nervosität wegen der Umstellung auf das neue System. Das soll zwar schon mit 1.Oktober dieses Jahres in Kraft treten. Im Wissenschaftsministerium wird aber auf Anfrage der „Presse“ darauf verwiesen, dass es eine ein- bis zweisemestrige Übergangsfrist geben werde. Die Studieneingangsphase wird also erst 2010 zum Tragen kommen.
•Gespräche mit der SPÖ. Das neue Unigesetz, das im Vorfeld der dreitägigen Hochschülerschaftswahlen, die heute, Dienstag, an den Unis beginnen, für einige Aufregung sorgt, wird Anfang Juni von Hahn dem Ministerrat vorgelegt: Entweder kommenden Dienstag, spätestens aber am 9.Juni, heißt es im Büro Hahn. Bis dahin wird noch koalitionär sowie mit den Rektoren darüber gesprochen.
Was bringt die Novelle noch?
•Frauenquote: In allen Uni-Gremien soll es eine 40-Prozent-Quote für Frauen geben, um der geringen Vertretung von Frauen entgegenzuwirken.
•Bachelorstudium: Bis 2010 muss es in allen Studienrichtungen die Umstellung auf das Bachelorstudium mit anschließendem Masterstudium (ohne Zugangsbedingungen) geben.
•Begabtenförderung: Vorgesehen ist ein Überspringen von Teilen des Studiums für Begabte.
•Sperrklausel: Die Sperrklausel für Politiker für Uniräte (diese sind vier Jahre nach dem Ausscheiden aus einem Amt davon ausgeschlossen) bleibt aufrecht.
Die Diskussion ins Rollen gebracht hatte das Ganze der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ). Auf seiner Homepage findet sich der angebliche Entwurf, und er wirkt recht authentisch, auch wenn SPÖ und ÖVP von „Fälschung“ sprechen. Man habe ihn von einem Mitarbeiter aus dem Wissenschaftsressort, sagt die FPÖ. Möglicherweise sei er aber noch einmal überarbeitet worden. Das Ministerium könne ja jetzt die tatsächliche Version veröffentlichen – aber offensichtlich wolle man negative Presse während der laufenden ÖH-Wahl vermeiden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2009)

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