WIEN. Mit dem vielfach beanstandeten Machtzuwachs des Uni-Rats gegenüber dem Rektorat und dem Senat einer Universität in der neuen Novelle zum Uni-Gesetz kann sich der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Christoph Badelt, abfinden. Schwere Probleme sieht der Rektorenpräsident aber bei den Massenfächern und der Finanzierung dieser Studien. „Dieses Problem wird ignoriert“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“.
Die Novelle, die am Dienstag den Ministerrat passierte und dem Parlament zugeleitet wurde, bringe keine Lösung für Kapazitätsengpässe in den Massenfächern, sagt Badelt. Als Folge werde sich zwangsläufig das Betreuungsverhältnis verschlechtern, auf einen Uni-Lehrer werden damit noch mehr Studierende kommen. Auch der Forschungssektor werde in diesen Fächern beeinträchtigt werden – und beides wirkt sich zwangsläufig bei den nächsten internationalen Uni-Vergleichen aus.
Ein weiteres Finanzierungsproblem hängt mit den Nationalratsbeschlüssen vom 24.September 2008 (vier Tage vor der Nationalratswahl) zusammen: Da werden – wie jetzt auch in der Uni-Novelle betont – die Universitäten dazu angehalten, bisherige Zugangsregelungen (etwa in Publizistik oder BWL) abzuschaffen. Es werden Neuerungen (wie eine eigene Abendschiene für Berufstätige oder weitere Kinderbetreuungsplätze) angeordnet, aber es gibt keine Geldmittel dafür. Zudem wurden die Studiengebühren aufgehoben mit dem Hinweis, dass das Ministerium diese vollständig ersetzt – aber dieser Ministeriumsbeitrag ist gedeckelt, und es entsteht eine Finanzierungslücke. Die Universitätenkonferenz will nun versuchen, dass im Parlament noch eine Bedeckung dieser Aufgaben erfolgt.
Positiv sieht Badelt, dass im Master- und Doktoratsstudium qualitative Zugangsvoraussetzungen vorgegeben werden können. Dagegen läuft nun die Hochschülerschaft Sturm, die SPÖ-Studentenfraktion VSStÖ spricht gar von einer „inakzeptablen Elitenbildung“. Dass zu jedem Bachelorstudium ohne weitere Qualifikation nur mindestens ein Masterstudium an derselben Uni angeboten werden muss, sei zu wenig.
Weniger Geld für Forschung
Hiobsbotschaft für die Forschung: Die Nationalstiftung für Forschung (Zinserträge aus ERP-Fonds und Nationalbankbeiträgen) kürzt ihr Budget von 80,4 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 36,58 Millionen für 2009. Die stärksten Einbußen müssen die Forschungsförderungsgesellschaft FFG (angewandte Forschung), der Wissenschaftsfonds FWF und die Akademie der Wissenschaften hinnehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)
Studiengebühren Wo man künftig zahlen muss - und wo nicht
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