Archäologe und Informatiker ist "Wissenschafter des Jahres"

Wolfgang Neubauer nahm bereits mit 15 Jahren an seinen ersten Grabungen teil. Später konzentrierte er sich auf die archäologische Bodenerkundung.

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(c) APA

Der Archäologe Wolfgang Neubauer (52) ist Österreichs "Wissenschafter des Jahres 2015". Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten würdigte mit der Auszeichnung vor allem die Vermittlungsarbeit des Leiters des Ludwig Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie. Mit der Ehrung soll vor allem das Bemühen von Forschern, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen, gewürdigt werden.

Neubauer ist es wichtig, sich nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen zu äußern, sondern auch die Öffentlichkeit zu informieren. "Denn unsere Forschungen sind nur möglich durch die Finanzierung der breiten Öffentlichkeit, das ist eine absolute Bringschuld der Wissenschaft", sagte er im Gespräch. Er und sein Team setzen dabei "auf alle möglichen Formen der modernen Vermittlung", auch Fernsehen, Soziale Medien oder Ausstellungen.

"Archäologie ohne Spaten"

Der als Sohn österreichischer Eltern in der Schweiz geborene und aufgewachsene Archäologe und Informatiker hat mit seinem Team in den vergangenen Jahren verschiedene Techniken für eine "Archäologie ohne Spaten" neu- und weiterentwickelt. So erlauben Untersuchungen mit Magnetometer oder Bodenradar den Forschern einen Blick in den Boden und darin verborgene archäologische Strukturen.

Früh, nämlich bereits mit 15 Jahren, nahm Neubauer als Freiwilliger an seinen ersten archäologischen Grabungen in der Schweiz teil. Seine Konzentration auf die archäologische Bodenerkundung (Prospektion) ist dabei aber nicht die logische Konsequenz aus seiner Ausbildungskombination aus Archäologie und Informatik, sondern "Zufall", wie sich Neubauer erinnert.

Gladiatorenschule in Carnuntum entdeckt

Im Rahmen des 2010 gegründeten Ludwig Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie haben Neubauer und sein Team mittlerweile mehr als 42 Quadratkilometer untersucht. Dabei sind ihnen sensationelle Entdeckungen gelungen: Dazu zählen eine Gladiatorenschule im antiken römischen Carnuntum in Niederösterreich ebenso wie ein Wikinger-Häuptlingssitz in Norwegen. Rund um Stonehenge entdeckten die Wissenschafter ein neues "Henge", eine kreisförmige neolithische Anlage aus früher aufrecht stehenden Holzpfählen, sowie ein riesiges Steinmonument unter dem Wall der steinzeitlichen Anlage von Durrington Walls mit Hinweisen auf zumindest 200 bis zu 4,5 Meter hohe Steine.

Viele dieser Entdeckungen und die virtuellen Rekonstruktionen der archäologischen Funde fanden Eingang in zahlreiche internationale Medienberichte sowie TV-Dokumentationen, etwa von BBC oder ORF. Im kommenden Jahr weitet Neubauer seine Vermittlungstätigkeit auf den musealen Bereich aus: Das Boltzmann-Institut konzipiert im Urgeschichtemuseum MAMUZ Mistelbach (NÖ) eine große Ausstellung über die Funde in Stonehenge, die ab 20. März zu sehen ist.

Bisherige Preisträger

Die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" haben bisher u.a. der Weltraumforscher Wolfgang Baumjohann (2014), die Umwelthistorikerin Verene Winiwarter (2013), der Ökologe Georg Grabherr (2012), die Archäologin Sabine Ladstätter (2011) und der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal (2010) erhalten.

(APA/Red.)

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