Wien (chs). „Ein Interview?“ Friedrich Faulhammer wirkt wenig begeistert. Wer mit ihm reden wolle, solle bitte zuerst den Pressesprecher fragen. „Ich war einmal ein freier Mann. Die Zeit ist vorbei“, sagt Faulhammer mit einem Lächeln. Seit August ist der 47-Jährige als Generalsekretär im Wissenschaftsministerium die rechte Hand von Johannes Hahn (ÖVP).
Faulhammer ist freundlich, verbindlich und wirkt kompetent – die Kommunikation nach außen überlässt er anderen. Dafür wird er von Hahn geschätzt, der ihn nach 19 Jahren im Ministerium – fünf davon als Sektionschef – mit dem neuen Amt des Generalsekretärs („Mehr Geld gibt es nicht, dafür einen neuen Aufgabenhorizont“) betraut hat. Der Jurist soll sich um die Koordinierung der Bereiche Hochschule und Forschung kümmern.
Der Weg ist das Ziel
Übergeben hat Hahn seinem Vertrauten auch sein „Titanenprojekt“, wie er es selbst nennt: Faulhammer, der auch für die Ausgestaltung der Uni-Autonomie verantwortlich zeichnete, soll in den nächsten zwei Jahren einen österreichischen Hochschulplan erarbeiten – eine Aufgabe, an der andere vor ihm gescheitert sind.
Ziel sei es, die „unglaubliche Vielfalt“ des tertiären Sektors in ein System zu gießen, das die maximale Abstimmung zwischen den Einrichtungen garantiere, so Hahn bei einem Hintergrundgespräch am Montag. Derzeit bieten 21 Unis, fünf Privat-Unis und 19 Fachhochschulen 300 Bachelor- und 400 Masterstudien an.
Probleme hat das Ministerium mit der Kommunikation des Konzepts: „Der Weg ist das Ziel“ muss bisweilen als Grundsatz herhalten. Es sei noch „zu früh, um zu sagen, was herauskommen wird“, so Faulhammer. Jedenfalls sei das Ziel, dass es mehr Absolventen gibt. Hahn will „keine Direktiven ausgeben“, sondern das Gespräch suchen: Ab Herbst gibt es Diskussionsforen (Thema: „Was sind die Anforderungen an den tertiären Sektor?“), 2011 erscheint ein Weißbuch mit neuen Leitlinien.
Dass der Plan gerade jetzt in Angriff genommen wird, hat gute Gründe: Der Sektor habe sich mit der Gründung der FH stark weiterentwickelt, so Faulhammer. Es gelte, die Angebote zu evaluieren und den neuen Bachelortitel als „Abschluss der Zukunft“ zu positionieren. Mit Leistungsvereinbarungen und FH-Entwicklungsplan gebe es zudem erstmals die Möglichkeit, die Hochschulen zur Umsetzung zu verpflichten.
Ob es wirklich so einfach geht, wird Faulhammer auch am eigenen Leib spüren: Einer seiner drei Söhne studiert an einer FH. „So bekomme ich sehr direkt gespiegelt, wie meine Arbeit ankommt.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2009)

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