Die Zahl der Studenten ist stark angestiegen. Am 2. Oktober lagen die Inskriptionszahlen um knapp 23 Prozent höher als vor einem Jahr. Hält der Trend an, steuern die Universitäten in diesem Winter auf eine Studentenzahl von 300.000 zu. Der bisherige Rekord des Wintersemesters 2000/01 - also unmittelbar vor Einführung der Studiengebühren - mit 242.598 Personen wird wohl auf jeden Fall gebrochen.
Hauptfaktor für den Anstieg ist dem Wissenschafts-Ministerium zufolge das Wegfallen der Studiengebühren. Die 363,36 Euro pro Semester müssen nur noch in Ausnahmefällen gezahlt werden. Auch die deutschen Studenten drängen immer stärker an die österreichischen Unis. Diese bieten zwei Vorteile für sie: Keine Zugangsbeschränkung durch Numerus Clausus und keine Studiengebühren.
Uni Innsbruck: Deutschland soll zahlen
Besonders betroffen vom Ansturm aus Deutschland ist die Uni Innsbruck. Mehr als 3000 Deutsche studieren dort gratis. Der Rektor der Uni Innsbruck, Karlheinz Töchterle, will nun Geld für ihre Ausbildung Geld vom deutschen Staat einfordern. Es sei dem österreichischen Steuerzahler nicht zumutbar, dass durch die Gratisstudienplätze die Unis überflutet würden, sagt Töchterle gegenüber dem Ö1-Morgenjournal.
Lage wird sich weiter verschärfen
Nach dem Wegfall der Zulassungshürden 2005 macht sich der Ansturm der Deutschen immer stärker bemerkbar. Waren im Winter 2000/01 erst 6354 Deutsche inskribiert, kamen im Wintersemester 2008/09 fast dreimal so viele. Der große Run dürfte aber erst noch anstehen: 2011 stehen in Bayern und Niedersachsen doppelte Abitur-Jahrgänge an. Denn die Gymnasialzeit wurde in Deutschland von neun auf acht Jahre verkürzt, nun schließen Jahrgänge aus dem alten und dem neuen System gleichzeitig ab.
Es dürften also bald kurzfristig doppelt so viele deutsche Maturanten auf österreichische Universitäten drängen. In deutschen Zeitungen wie der "Zeit" bekommen Studenten sogar den Tipp, das Gratis-Studium in Österreich auszunutzen. Der Rektor der Uni Innsbruck sagt, für diesen Ansturm gebe es gebe weder die räumlichen noch die Personellen Mittel.
Mehr Studenten ohne zusätzliche Gelder sind für die Universitäten ein finanzieller Drahtseilakt, der nicht zu bewältigen sei, sagt Töchterle. Man müsse daher neben Studiengebühren auch die Möglichkeit von Ausgleichszahlungen schaffen. Der deutsche Steuerzahle soll also das Geld in die Ausbildung der deutschen Studenten stecken, nicht der österreichische. Bei dieser Forderung an die Politik ist Töchterle jedoch klar, wie schwer und kompliziert sie durchzusetzen wäre.
Badelt für ein Gesamtpaket
Der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Christoph Badelt, lehnt diese Idee nicht völlig ab: "Der Weisheit letzter Schluss sind solche Ausgleichzahlungen sicherlich nicht, aber sie wären in einem Gesamtpaket eine sinnvolle Maßnahme," sagt er gegenüber Ö1.
Dass sich die Lage für die Unis bald bessern wird, glaubt er nicht: "Wenn Politiker am Zug sind, die einander blockieren, weil der eine den einen Vorschlag macht und der andere nicht mitgeht, dann passiert im Endeffekt gar nichts. Und das ist das wirklich dramatische für die Universitäten."
(Red.)

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