Mehr Migranten, Vorarlberger und Tiroler sollen studieren

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellt eine neue Strategie zur besseren sozialen Durchmischung an Hochschulen vor. Dazu wird die Studienbeihilfe jährlich um 25 Millionen Euro aufgestockt. Das Geld soll vor allem an Studierende gehen, deren Eltern getrennt leben.

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Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner.
Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner. – (c) BMWFW/Glaser

Wien. Es klinge unspannend, sei aber wichtig: Mit diesen unkonventionellen Worten begann Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) die Präsentation seiner Strategie zu einer besseren sozialen Durchmischung an den Hochschulen. Hinter dem sperrig klingenden Thema stecken ambitionierte Ziele: Ein Überblick.

 Mehr „bildungsferne“ Studenten: Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche aus einem „bildungsnahen“ Elternhaus ein Studium beginnen, ist doppelt so hoch wie bei Jugendlichen aus „bildungsfernem“ Elternhaus. Auf 1000 Väter mit Matura kommen 44 Studienanfänger. Auf 1000 Väter ohne Matura kommen nur 18 Studienanfänger. Diese Zahl soll bis 2025 auf 25 steigen. Statt der bisher 18.000 Studienanfängern aus „bildungsfernen“ Elternhäusern soll es dann 20.000 geben.

Mehr Quereinsteiger: Die meisten Studenten kommen derzeit über die Matura zum Studium. Lediglich neun Prozent der Studienanfänger haben davor etwa eine Berufsreifeprüfung oder eine Externistenmatura abgelegt. Bis 2025 soll die Gruppe mit nicht-traditionellem Hochschulzugang um ein Drittel auf 5300 Studienanfänger wachsen.

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Mehr Migranten: Zwar ist die Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen – aber noch nicht genug. Zurzeit beginnen 22 Prozent der 18- bis 21-Jährigen mit Migrationshintergrund ein Studium. Das sind rund 2000. Diese Zahl soll bis 2025 um die Hälfte auf 3000 steigen.

Mehr Vorarlberger und Tiroler: Beim Hochschulzugang bestehen momentan deutliche regionale Unterschiede innerhalb Österreichs. Die Hochschulzugangsquote – dabei handelt es sich um eine Schätzung, wie viele Personen im Laufe ihres Lebens ein Studium beginnen – schwankt zwischen 36 Prozent eines Altersjahrgangs in Vorarlberg und 63 Prozent in Wien (siehe Grafik rechts). Diese Quote soll laut Wissenschaftsministerium bis 2025 in allen Bundesländern mindestens 42 Prozent betragen.

Geschlechtermindestmarke. Nach wie vor gibt es klare Männer- bzw. Frauenstudien. Bis 2025 soll deshalb in jedem Studienfeld ein Anteil von Männern bzw. Frauen von 30 Prozent angestrebt werden.

Wie die Ziele erreicht werden sollen? Vorstellbar ist für den Minister, dass Unis, die ihre soziale Durchmischung erhöhen, finanziell belohnt werden. In einem ersten Schritt soll ab Herbst die Studienbeihilfe um 25 Mio. Euro jährlich auf 225 Mio. Euro aufgestockt werden. Studenten bekommen also höhere Beihilfen. Zudem wird die Einkommensgrenze angehoben. Profitieren sollen davon ältere Studierende und jene Studenten, deren Eltern getrennt leben. Gesetzliche Details gibt es Ende Mai. (j. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2017)

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