Wien(eid). Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer geht mit ihren Parteigenossen in der SPÖ hart ins Gericht, wenn es um die Bildungspolitik und im Besonderen die Hochschulpolitik geht. „In Österreich werden durch die Wirtschaftskrise viele Arbeitsplätze verloren gehen, die nie mehr wieder zurückkommen“, sagte Ederer am Donnerstagabend bei einer Diskussion auf Einladung des „Klubs für Frauen“. Um neue Jobs zu schaffen, „müssen wir um das besser sein, was wir teurer als die Schwellenländer sind“.
Radikale Reform nötig
Dazu bedürfe es allerdings einer „brillanten Ausbildung“. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, eine radikale Reform und Verbesserung der Studienbedingungen durchzuziehen, werden wir in zehn Jahren die Rechnung zahlen müssen.“ Ederer, die vor ihrem Wechsel zu Siemens Österreich SPÖ-Politikerin (unter anderem EU-Staatssekretärin) war, forderte die Regierung auf, Parteikonflikte endlich hintanzustellen und Sachthemen anzugehen. „Wenn es um die Ganztagsschule geht, schreit immer die ÖVP auf, bei der Diskussion um Studiengebühren legt sich die SPÖ quer.“
„Bildung ohne Schranken“
Anders als die SPÖ steht Ederer Studiengebühren positiv gegenüber. „Wir brauchen einen gewissen Lenkungseffekt, denn anders werden wir der Überfüllung der Hörsäle nicht Herr werden.“ Die derzeitigen Zustände an den Unis würden eine optimale Ausbildung behindern.
Studiengebühren dürften aber nicht so eingesetzt werden, dass sie sozial Schwächere vom Studium abhalten. „Bildung darf weiterhin keine Schranken haben“, betonte Ederer. Deshalb müssten Gebühren mit einem tragfähigen Stipendiensystem gekoppelt werden.
Eine Studienreform sollte auch eine stärkere internationale Ausrichtung der Ausbildung bringen, meinte Ederer, die im Siemens-Konzern nicht nur für Österreich, sondern insgesamt für 19 Länder in Zentral- und Osteuropa zuständig ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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