Mitterlehner will Schranken in Jus, Sprachen, Pädagogik

Mit mehr Geld will der Wissenschaftsminister Studienbedingungen verbessern. Neue Hürden könnte es auch in den weiterhin unbeschränkten Fächern geben.

Weniger Studenten dürfte es künftig am Juridicum geben.
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Weniger Studenten dürfte es künftig am Juridicum geben.
Weniger Studenten dürfte es künftig am Juridicum geben. – Die Presse (c) Clemens Fabry

Neue Beschränkungen, Hürden auch in unbeschränkten Fächern und Geld für neue Professoren: Das sind die zentralen Punkte des Konzepts für die paktierte Studienplatzfinanzierung, die Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gestern vorgestellt hat und über die er nun mit der SPÖ verhandeln muss. Er will künftig den Zugang zu Rechtswissenschaften, (manchen) Fremdsprachen und Erziehungswissenschaften an allen heimischen Universitäten beschränken.
 
Andere Fächer, die nur an bestimmten Standorten problematisch sind, könnten an diesen beschränkt werden – etwa Chemie an der Uni Wien. Und auch in Fächern, die eigentlich nicht zugangsbeschränkt sind, sollen die Universitäten verpflichtend Eignungsverfahren einführen können: etwa Motivationsschreiben, Selbsteinschätzungen oder Eignungstests. Das bleibt zwar ohne direkte Konsequenz für den Zugang zum Studium – soll aber zu einer möglichst frühen Auseinandersetzung mit dem gewählten Fach führen, so Mitterlehner.

Umsetzung bis 2019

Über die neue Uni-Finanzierung wird schon lange diskutiert. Sie soll unter anderem mehr Transparenz und bessere Studienbedingungen bringen. Lange Zeit hakte es aber, weil die SPÖ auf freiem Zugang beharrte. Im Update des Regierungsprogramms im Jänner wurde aber nach der Kehrtwende von Kanzler Christian Kern vereinbart, dass bis Juni ein Konzept ausgearbeitet wird – inklusive Aufnahmeverfahren und Zugangsregeln, wo erforderlich. Umgesetzt soll das bis 2019 werden.
 
Das Geld soll dann etwas anders an die Universitäten verteilt werden als bisher: Die Mittel für die Lehre sollen sich vor allem an der Zahl der (prüfungsaktiven) Studierenden orientieren. Zusätzlich werden die Studienrichtungen in Fächergruppen eingeteilt, weil etwa Technikfächer oder künstlerische Studien wegen Labors, Ausstattung oder Einzelunterricht mehr Mittel brauchen als die sogenannten Buchfächer – also die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften.

500 zusätzliche Professoren

Um die Studienbedingungen zu verbessern will Mitterlehner außerdem mehr Geld in die Hand nehmen: Es soll für die nächste dreijährige Budgetperiode der Universitäten 1,35 Milliarden Euro mehr geben als für die aktuellen drei Jahre. 840 Millionen Euro für die Fortführung begonnener Vorhaben und 510 Millionen Euro, um die Betreuungsrelationen zu verbessern. Mit diesem Geld sollen sich 500 Professorenstellen inklusive Assistenten und Ausstattung ausgehen.
 
Wenn man das Thema Uni-Zugang beim Status quo belasse, würden viel mehr Mittel aber keine echte Qualitätssteigerung bringen, argumentiert Mitterlehner die Beschränkungen, die er plant. Die Zahl der Studienplätze wird demnach auf Basis verschiedener Zahlen berechnet: die der Anfänger, die der prüfungsaktiven Studenten und die der Abschlüsse, jeweils in den vergangenen drei Jahren. Für Jus würde das laut Mitterlehner konkret bedeuten: knapp 5000 Anfänger statt zuletzt 8000.

30.000 Prüfungsaktive mehr

Wegen besserer Studienbedingungen geht der Minister davon aus, dass es trotzdem nicht weniger, sondern sogar mehr Studienabschlüsse geben wird. Derzeit sind die Dropoutquoten sehr hoch: In Jus etwa liegt sie bei 73 Prozent, in den Fremdsprachen bei 71 Prozent, in den Erziehungswissenschaften bei 41 Prozent. Insgesamt sind nur 53 Prozent der 280.000 Studenten prüfungsaktiv. Ihre Zahl will Mitterlehner von 183.000 auf 210.000 steigern.

Mitterlehner hofft, dass jene, die wegen der neuen Beschränkungen keinen Platz in ihrem Wunschstudium bekommen, dann etwa an die Fachhochschulen ausweichen. Und auch an den Universitäten gebe es eine ganze Reihe von Fächern, in denen die Betreuungsrelationen schon derzeit gut seien – von Materialwissenschaften bis Weltraumwissenschaften. „Es muss nicht unbedingt Theaterwissenschaft sein.“

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